BoJack Horseman. Bild: Netflix

TV-Serien-Tipp: BoJack Horseman – Netflix begeistert mit schräger Animationsserie

Was soll der Quatsch, dachte ich. Eine Comedy mit einem sprechenden Pferd? Netflix schlug mir „BoJack Horseman“ mehrere Wochen lang vor, basierend auf dem, was ich mir zuvor auf der Videoplattform angeschaut hatte. Irgendwann schaltete ich einfach mal rein – und kam nicht mehr davon los. Warum? Schwer zu sagen. Und was das Ganze soll? Bis auf den parodistischen Charakter der Serie auch nicht ganz klar. Nur eins weiß ich, seit ich gestern Abend mit der letzten Folge der bisher einzigen Staffel abgeschlossen habe: Dieses verrückte Pferd werde ich vermissen!

„BoJack Horseman“ spielt im Los Angeles der Gegenwart, in der auch Tiere wie selbstverständlich unter uns leben und der Alltag in der Stadt der Reichen und Schönen seinen verrückten Gang geht. BoJack selbst ist ein Pferd und ein ehemaliger Comedy-Star aus den 80ern und 90ern, der seitdem nicht mehr viel zu Stande gebracht hat und sein Leben lieber in seinem Haus in den Hollywood Hills mit Alkohol, teuren Autos und leichten Frauen verbringt und den Rest seines Reichtums frei nach George Best einfach verprasst. Damit es ihm nicht so langweilig wird, lässt er den gescheiterten Drehbuchautoren Todd bei sich wohnen und zankt sich täglich mit seiner Agentin, die gleichzeitig seine Ex-Freundin ist. Der stets ekelhaft gut gelaunte, sprechende Hund Mr. Peanutbutter ist in BoJacks Welt, obwohl verhasst, omnipräsent. Und zu allem Überfluss verguckt sich BoJack in dessen bodenständige Freundin Diane, die seine Autobiografie für ihn schreiben soll.

Ohne Not zum Buhmann werden

Was den Reiz dieser Animationsserie ausmacht, ist wirklich nicht leicht zu sagen. Vielleicht ist es BoJacks schonungslose Ehrlichkeit, die ihn immer wieder in Schwierigkeiten bringt, weil sie einfach nicht zum Zeitgeist passt. Einen großen Anteil daran dürften die vielen kleinen Details und Anspielungen auf die Unterhaltungsbranche haben. Da ist etwa der Buchverlag Penguin, der BoJacks Biografie herausbringen soll. Nur Pinguine arbeiten dort mit einer völlig veralterten Infrastruktur. Bei jedem Besuch ist der Laden ein Stück weiter verfallen, während der E-Book-Verlag im Nachbarhochhaus wie eine blühende Landschaft erscheint.

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In der zweiten Folge streitet sich BoJack völlig unnötigerweise mit einer Robbe um die letzten Muffins im Supermarkt – nicht ahnend, dass es sich dabei um einen Elitesoldaten der Navy Seals handelt (seal = Robbe) und der Fall in den Medien sofort publik wird. BoJack verplappert sich in seiner Stellungnahme und wird sofort als Gegner der US Army gebrandmarkt (in Amerika ein schlimmer Fauxpas). Aber entschuldigen? Nicht doch, dann lieber landesweit der Buhmann sein.

Auf Wiederhören mit einem „Breaking Bad“-Star

Produzent und Erfinder Raphael Bob-Waksberg war bisher außer in der Serie „Save me“ in Hollywood oder der US-TV-Landschaft kaum in Erscheinung getreten. Mit „BoJack Horseman“ ist ihm nun eine ebenso bissige wie amüsante Gesellschaftssatire gelungen. Die Sprecher der Hauptrollen sind allesamt bekannte TV-Größen wie Will Arnett („Arrested Development) als BoJack, Aaron Paul (Jesse Pinkman aus „Breaking Bad“), Amy Sedaris („Der gestiefelte Kater“), Paul F. Tompkins („Anchorman“) und Alison Brie („The Lego Movie“). Netflix startete die Eigenproduktion bereits im August mit deutlich weniger Tamtam als die Erfolgsformate „House of Cards“ und „Orange is the New Black„. Verstecken muss sich die Serie dennoch nicht. Eine derart heitere Comedy hat man auf dem Bildschirm lange nicht mehr gesehen.

Netflix lässt derzeit eine zweite Staffel produzieren; ein Ausstrahlungstermin ist noch nicht bekannt. Als Schmankerl zur 1. Staffel gab es zu Weihnachten – nicht auslassen! – eine Sonderausgabe. Die Serie ist im englischsprachigen Original zu empfehlen, steht jedoch auch in einer deutschen Synchronisation zur Verfügung.

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