TV-Kritik: Quizduell im Ersten, die nicht unsympathische Show der Pannen

TV-Kritik: Quizduell im Ersten, die nicht unsympathische Show der Pannen

Jörg Pilawa legte einen gequälten Gesichtsausdruck auf und hielt auch gleich zur Begrüßung einen schwarzen Peter in der Hand: Quizduell sei gehackt worden. Das geplante Duell zwischen Kandidaten im Studio und App-Nutzern zu Hause könne so nicht stattfinden. Also wurden die Studiogäste eingespannt, aber auch im Saal ging technisch einiges schief, Pilawa merkte man an, dass er gerne woanders gewesen wäre. Und dann gab es auch noch den einen oder anderen Seitenhieb auf die ARD. Die erste Folge der Fernseh gewordenen App Quizduell wurde zum Improvisationstheater – und hätte dabei weit schlechter laufen können. Hier unsere Einzelkritik.

Das Konzept

Gespielt wurde ein komplette Runde Quizduell, sechs Themengebiete, 18 Fragen. In Ermangelung der Technik spielten die vier Kandidaten – Lehrer eines Gymnasiums – gegen das Publikum. Letzteres gewann mit 12:10. Die Lehrer hatten es allerdings schwerer: Sie konnten nicht spontan antworten, sondern mussten sich zu viert auf eine Frage einigen. Gerade der angebliche technische Fehler könnte der Show den Schwung verliehen haben. Das Konzept, das Publikum mit einzubeziehen, machte Quizduell im TV erst interessant.

Die Technik

Laut Pilawa wurden die Technik gehackt, ein einzelner Nutzer habe 15.000 Server gekapert. Ob das nun stimmt oder ob man die Anbindung der App an die Show einfach nicht rechtzeitig geschafft hatte, sei einmal dahingestellt. Auch im Publikum funktionierte nicht alles. Ein Saalgast monierte, seine ganze Reihe habe „C“ gedrückt, aber es sei „A“ gezählt worden. Pilawa orakelte daraufhin, vielleicht sei das Studio auch noch gehackt worden. Unklar blieb außerdem, ob das Publikum noch wählen konnte, wenn die Studiogäste sich bereits frühzeitig für eine Antwort entschieden hatten. Sprich: Es funktionierte nichts und doch brach im Saal kein Chaos aus.

Die ARD

Das Quizduell der Show wurde anders als die App extra für die Sendung mit einer neuen Kategorie „Tagesschau“ aufgepeppt. In der Kategorie „TV & Serien“ ging es lediglich um drei deutsche Sendungen. Pilawa fragte die vier Studiogäste zuvor nach ihren Lieblingsserien, erhielt als Antwort Favoriten wie „Mad Men“ oder „Dr.House“ und fragte die Kandidaten mehr oder weniger im Scherz, warum sie keine ARD-Sendungen guckten (als gäbe es da etwas Sehenswertes).

ARD_Quizduell_Live2

Als eine Kandidatin sich sogar für „Verbotene Liebe“ entschied – die Serie, die ihren Sendeplatz für Quizduell räumen musste – antwortete Pilawa sarkastisch, angesichts der technischen Probleme käme die alte Serie vielleicht morgen schon wieder. Pilawa ließ die Gelegenheit nicht aus, den „Tatort“ vom Vortag zu loben. Nicht gerade elegant, wie die ARD versuchte, sich hier übermäßig selbst ins Gespräch zu bringen.

Der Moderator

Dafür dass er augenscheinlich unzufrieden damit war, die Show überhaupt machen zu müssen, erledigte Jörg Pilawa seine Aufgabe souverän. Er scherzte mit dem Publikum und den Kandidaten, präsentierte sich schlagfertig und war sich selbst für einige Kritik an der Show nicht zu schade. Der Mann fühlt sich nicht nur zu Höherem berufen – er hatte ja eigentlich nie wieder eine Quizshow moderieren wollen – er ist es tatsächlich. Wer wenig Lust hat und seine ihm anvertraute Aufgabe dennoch so souverän erledigt, der ist augenscheinlich unterfordert. Er hätte sich das mit „Wetten dass???“ vielleicht einmal überlegen sollen.

ARD_Quizduell

Das Fazit

Was geht schon gut beim ersten Mal? Von daher kam die Quizduell-Show trotz der zahlreichen Pannen eigentlich ganz sympathisch daher. Die ARD darf sich bei Pilawa bedanken, dass dieser die Ruhe und seine Souveränität stets behielt. Wir sind natürlich noch gespannt, wie es wird, wenn der angebliche Hacker die 15.000 gekaperten Server wieder frei gibt und die Internetverbindung zu den App-Nutzern beim nächsten Mal steht. So war es in der ersten Ausgabe nur eine wenig ungewöhnliche Quizshow. Das Du und Du mit den Zuschauern allerdings war eine erfreuliche Erfrischung. Ob Quizduell im TV allerdings mehrere Monate, geschweige denn drei Wochen interessant bleibt, scheint ungewiss.

Der Hintergrund

Quizduell ist eine Quiz-App für iOS, Android und Windows Phone, bei der ein Spieler sich mit seinen Freunden oder zufällig zugelosten Konkurrenten misst. Hinter der App steht ein schwedisches Softwarehaus. Rund 17 Millionen Deutsche haben die App bisher heruntergeladen, die Zahl der aktiven Spieler allerdings dürfte weit darunter liegen.

Die ARD entschied sich im Rahmen einer Verjüngungskur, die App ins Fernsehen zu bringen und verpflichtete dafür den alten Quizmaster-Veteranen Jörg Pilawa. Die Quizshow in der ARD ist vorerst für drei Wochen geplant und läuft noch bis zum 30. Mai wochentags von 18.00 bis 18.50 Uhr in der ARD. Danach soll nach Bekunden der ARD-Bosse die Daily Soap „Verbotene Liebe“ zurückkehren, die ihren Programmplatz für Quizduell vorübergehend räumen musste.

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