The Samaritans: Kenianische Comedyserie über irrsinnige Entwicklungshilfe als Download verfügbar

In Kenia gibt es über tausend Entwicklungsorganisationen. Viele seiner Freunde arbeiten für einige davon und erzählten Hussein Kurji absurdeste Geschichten vom Bürokratiewahnsinn der vermeintlichen Gutmenschen. Der Filmemacher nahm dies als Steilvorlage für die Comedyserie „The Samaritans“ (Die Samariter). Die lehnt sich mit noch etwas platterem aber nicht unbegründeten Humor an die britische „Stromberg“-Vorlage „The Office“ an. Die ersten beiden Folgen stehen bereits gegen eine kleine Spende als Download zur Verfügung.

Der Inhalt ist schnell erzählt: Die fiktive Hilfsorganisation Aid for Aid braucht einen neuen Chef, nachdem sich der alte vor einem erschossenen Nashorn ablichten ließ und das Bild wenig später auf Facebook kursierte. Eigentlich sollte die kenianische Vizechefin den Posten übernehmen, doch die Zentrale in London wählt dafür lieber den aufstrebenden, jungen Amerikaner Scott Bartley aus. Der hat während eines sechsmonatigen Praktikums in Marokko seine Abschlussarbeit über wirtschaftliche Entwicklung in Kenia verfasst und gilt deswegen als Experte für das Land.

In der Realität versteht er natürlich wenig bis gar nichts von Entwicklungshilfe, kann aber sein auf der Uni gelerntes Marketing-Blabla wunderbar dafür einsetzen, um leere Worthülsen zu produzieren. Und da Aid for Aid dringend Geld braucht und dies nur für ein Hilfsprojekt mit einem eingängigen Namen erhält, ist Bartley hier der richtige Mann. Aid for Aid entwickelt schließlich „FEED“, die Abkürzung für „Food Efficiency and Economic Development“. Klingt gut, auch wenn niemand weiß, wem damit in welcher Form geholfen werden soll. Und so nimmt natürlich das Chaos seinen Lauf.

Nie vergessen, was wirklich wichtig ist

Übertrieben? Natürlich. „The Samaritans“ ist eine überspitzte Satire im Fake-Doku-Gewand. Die Inspiration für die einzelnen Ereignisse lieferten Kurji aber tatsächlich seine Freunde, die selbst in einer Hilfsorganisation sitzen. Undankbar will er für die Hilfe von außen zwar nicht sein, aber es versteht sich von selbst dass angesichts immer noch grassierender Armut und politischer Instabilität in Kenia viel Entwicklungshilfe im Sande verläuft. „The Samaritans“ will ein Bewusstsein dafür schaffen. Dabei schaden überzeichnete Charaktere und der manchmal etwas zu offensichtliche Humor nur geringfügig. „The Samaritans“ hat Potenzial und witzige Momente.

Wer sich die ersten beiden Folgen anschauen möchte, kann übrigens selbst zum Entwicklungshelfer werden: Die kenianische Produktionsfirma Xeinion, die hinter „The Samaritans“ steht, lässt den Förderer via PayPal oder Kreditkarte einen beliebigen Beitrag zahlen, um die zwei Folgen für zwei Wochen „auszuleihen“. Mindestbetrag: 5 US-Dollar (umgerechnet derzeit 3,80 Euro). Wer will, kann aber auch bis bis zu 9.000 Dollar spenden und dafür ein Dankeschön erhalten oder sogar zum Co-Produzenten werden.

Das Geld soll dafür verwendet werden, weitere geplante Folgen zu drehen. Für die Vorfinanzierung schloss Kurji eine Crowdfunding-Runde erfolgreich ab und erhielt eine Spende von einer Hilfsorganisation. Ironisch? Auch nicht mehr als der Alltag des schwierigen Themas Entwicklungshilfe.

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