Nach Taylor Swifts Intervention: Wie glaubwürdig ist Apples plötzliches Umschwenken?

Apples geplante Musikrevolution Apple Music soll in den ersten drei Monaten der Nutzung kostenlos sein. Wenn Apple aber selbst kein Geld dabei einnimmt, sollten die Künstler in der Zeit ebenfalls nicht entlohnt werden, so der Plan des IT-Riesen. Die Praxis hat Künstlerin Taylor Swift am vergangenen Wochenende in einem offenen Brief kritisiert, und Apple lenkte ein – ungewöhnlich schnell.

Auf Twitter veröffentlichte Apple-Music-Chef Eddy Cue in der Nacht von Sonntag auf Montag die Nachricht, dass Apple Musiker und Plattenfirmen immer bezahlen werde, auch während der dreimonatigen Testphase:

Er schob noch hinterher:

Die Künstlerin bedankte sich anschließend, ebenfalls per Twitter, wo sie sich „glücklich und erleichtert“ zeigte:

Vorausgegangen war offenbar ein Telefonat zwischen Swift und Cue, in dem Cue nach Absprache mit Apple-Chef Tim Cook einlenkte und der Sängerin erklärte, Künstler würden nun doch bezahlt. Swift hatte am vergangenen Wochenende zuvor einen offenen Brief an Apple veröffentlicht, in dem sie sich „verletzt und schockiert“ darüber zeigte, dass Apple Künstlern während der Testphase nichts zahlen wolle. Ihr Album „1989“ würde sie deswegen von Apple Music zurückziehen.

Gut betuchtes Apple kann sich auch drei kostenlose Monate leisten

Das hatte sie bereits in der Vergangenheit bei ähnlichen Streaming-Diensten wie Spotify getan. Ihre Begründung war stets, dass sie sich für eine faire Bezahlung von Künstlern und Musikindustrie einsetze und diese bei Spotify nicht gegeben sei. Der Dienst widersprach dem. Anders als das Startup Spotify allerdings sitzt Apple nach jahrelangen Erfolgen mit iPhones, iPads und auch iTunes auf einer prall gefüllten Kriegskasse, sprich: Barreserven in Höhe von mindestens 155 Milliarden US-Dollar. Künstlern angesichts dieses Geldspeichers nichts für ihre Arbeit zahlen zu wollen, sah Swift nicht ein.

Offener Brief von Taylor Swift an Apple

Offener Brief von Taylor Swift an Apple

Und damit hat sie Recht. Auffällig ist nur, wie schnell Apple in diesem Falle einlenkte. Immerhin dürfte es bei der Entlohnung von Künstlern in einem Zeitraum von drei Monaten für einige Dutzend Millionen Neukunden, mit denen Experten rechnen, um eine dreistellige Millionensumme gehen. Schwenkt man da binnen Stunden mal eben schnell um 180 Grad? Taylor Swift ist gegenwärtig eine der angesagtesten KünstlerInnen der Musikindustrie, aber eben auch nur eine von vielen. Lenkt ein milliardenschweres Unternehmen ein, nur weil so jemand einen bösen Brief schreibt?

Alles Zufall? Glauben wir nicht

Möglich ist das schon, aber es riecht nach einem PR-Stunt. Swift war nach ihrer Auseinandersetzung mit Spotify in den Medien präsent. Nachdem sie angekündigt hatte, ihr neues Album „1989“ nicht auf Spotify zu listen, luden ihre Fans dies auf herkömmlichem Wege bei iTunes und anderen Diensten herunter und bescherten der Künstlerin einen stattlichen, auch finanziellen Erfolg. Dass diese prominente Künstlerin nun statt auf Spotify auf Apple Music zu finden ist, dürfte Apple nicht ungelegen kommen. Gerade in der Anfangszeit, in der vor allem eine hohe Aufmerksamkeit gewünscht ist.

Taylor Swifts Musik bei Apple iTunes

Taylor Swifts Musik bei Apple iTunes

Apple Music bietet Nutzern die Möglichkeit, für einen monatlichen Pauschalpreis aus einem Fundus von mehr als 37 Millionen Musiktiteln das zu hören, was sie möchten, sooft sie möchten. Der Dienst unterscheidet sich damit fundamental vom bisherigen iTunes-Modell, Songs oder Alben einzeln zu kaufen. Während Apple Music einige neue Funktionen mitbringt und die neue Standard-Musik-App auf iOS wird, ist die Art des Dienstes so nichts Neues. Gerade das genannte Spotify bietet einen ähnlichen Dienst bereits seit mehreren Jahren an. Es gibt weitere Dienste mit ähnlichen Musikkatalogen wie Napster, Deezer und Rdio. Selbst Google (Play Music All Access) und Microsoft (Xbox Music) verfügen über solche Dienste.

Taylor Swift wurde vor allem mit ihrem Song „I knew you were trouble“ weltberühmt.

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