Spotifys Ass im Ärmel gegen Apple Music bleibt die kostenlose Version

Welch eine Woche: Apple hat am Montag neben neuen Versionen für die Betriebssysteme iOS, Mac OS X und watchOS auch die seit langem erwartete neue Musikflatrate Apple Music vorgestellt – und damit einen Frontalangriff auf den bisher bekanntesten Dienst Spotify gestartet. Letzterer konterte direkt mit einer Finanzspritze und einem neuen Meilenstein. Aber wird das für den Kampf ausreichen, der weit mehr ist als ein Duell?

Um die Antwort vorweg zu nehmen: Es wird nicht leicht. Zwar zeigten sich die Experten uneins darüber, was die vermeintliche Musikrevolution bei Apple Music angeht. Der neue Dienst hat im Vergleich zu Spotify, Deezer oder Rdio kaum mehr zu bieten, steht gegenüber anderen Diensten teilweise sogar etwas zurück, was zum Beispiel die soziale Interaktion mit anderen Nutzern angeht.

Apple dürfte das Rennen machen

Aber auf der wirtschaftlichen Seite besteht kaum ein Zweifel, dass Apples neuer Musikdienst am Ende gewinnt: Apple Music wird die neue Standard-App für Musik auf iOS und Mac OS X – und beide Systeme sind weltweit auf rund 1 Milliarde aktiver Geräte verbreitet. Apple macht die ersten drei Monate kostenlos, um Kunden zu angeln, und dazu soll die App auch noch für Android und Windows erscheinen – insgesamt gleich zum Start in über 100 Ländern.

Was spielt es da für eine Rolle, ob der Dienst womöglich ein wenig schlechter ist als andere? Er lässt sich mit nur einem Klick aktivieren, und das werden zahlreiche Nutzer einfach mal ausprobieren. Selbst wenn es nur jeder zehnte iOS-Nutzer ist, der das mal versucht: Damit hätte Apple Spotify schon abgehängt. Und es ist ja bloß die erste Version: Apple Music kann mit der Zeit noch mehr Funktionen nachrüsten, um den Versionsrückstand gegenüber anderen Apps aufzuholen.

Apple Music auf dem iPhone 6

Apple Music auf dem iPhone 6

20 Millionen zahlende Nutzer, 526 Millionen Dollar neues Investorengeld

Spotifys jüngste Bekanntgaben klingen zwar beachtlich, aber mehr nach dem Motto „Hallo, wir sind auch noch da!“. So gab das britisch-schwedische Unternehmen gestern bekannt, dass man nun mehr als 20 Millionen zahlende Nutzer habe – bei 75 Millionen aktiven Nutzern insgesamt. Je mehr, desto besser sei das denn auch für die Künstler, heißt es von Spotify in der gleichen Nachricht: Umso mehr Tantiemen würden dann entsprechend auch an diese ausgezahlt. Und dann sah sich Spotify noch dazu veranlasst für das eigene Modell zu werben, das eine Kombilösung aus Bezahlt und Werbefinanziert-Kostenlos ist. Tenor: Seid mal ehrlich, Leute, kostenlose Musik hat es im Radio immer schon gegeben, und wir sorgen mit unserem Freemium-Modell dafür, dass die Künstler trotzdem Geld dafür bekommen:

Dafür injizierte Spotify ebenfalls in dieser Woche noch einmal eine neue Finanzspritze: Stolze 526 Millionen US-Dollar Wagniskapital kommt in einer Finanzierungsrunde von einer Gruppe von Investoren, die den Marktwert des Streaming-Pioniers auf 8,5 Milliarden US-Dollar hochschrauben. Die Investoren dürften mitbekommen haben, dass Apple zeitgleich einen Wettbewerber ins Leben gerufen hat. Ihre Annahme dürfte sein, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Wir werden sehen, ob das stimmt.

Werbung für Apple Music

Werbung für Apple Music

Viele Mäuse nagen am gleichen Käse

Denn à propos Konkurrenz: Da hat Spotify gleich eine Menge von. Der größte Mitbewerber dürfte mittlerweile Deezer sein, der den Schweden optisch, funktional und auch bei der globalen Expansion noch eine Nasenspitze voraus ist. Rdio bietet bereits seit mehreren Jahren mit; in Deutschland gibt es in dem umkämpften Markt noch weitere Dienste wie Juke und Napster. Der hiesige Pionier Simfy gab mittlerweile auf und empfiehlt nun Deezer, der auch unlängst den weiteren Mitbewerber Ampya geschluckt hatte. Wimp ist in den neuen Dienst Tidal aufgegangen.

Zwei weitere Schwergewichte werden noch ins Rennen einsteigen

Und dann wären da noch Google und Microsoft. Was man immer schnell vergisst: Auch die beiden Branchenschwergewichte haben mit Play Music All Access und Xbox Music eigene Musikflatrates im Angebot, die Spotify und Apple Music sehr ähnlich sind. Diese wurden bislang kaum beworben oder mit neuen Features ausgestattet. Beide Webriesen dürften aber die nun aggressive Vermarktung durch den Nebenbuhler Apple nicht tatenlos hinnehmen. Es sollte also nur eine Frage der Zeit sein, bis Music All Access und Xbox Music neu gestartet, besser beworben – und vielleicht auch noch einmal mit einem jeweils etwas modernerem Namen wie Google Music oder Windows Music ausgestattet werden.

Googles weniger bekannte Alternative Play Music All Access

Googles weniger bekannte Alternative Play Music All Access

Wer nichts für Musik bezahlen will, streamt sie umsonst bei Spotify

Die große Chance für Spotify also: Vom Gesamtwerbekuchen ein Stückchen abschneiden – dass es so etwas wie Streaming überhaupt gibt, dürfte jetzt erst den meisten Menschen abseits der Early Adopter bewusst werden. Und da dürfte für alle Dienste mehr bei herausspringen.

Spotify war einer der ersten Dienste, lange Zeit der beste, mit einer Multiplattform-Strategie hat die unter Experten und Journalisten beliebte Plattform viel zu bieten. Und womit man nach wie vor mit dem Pfund wuchern kann und sicherlich auch wird: Freemium. Anders als Apple Music lockt Spotify weiterhin all diejenigen mit einem eingeschränkten, kostenlosen Dienst, die nichts für Musik bezahlen wollen. Und das sind nach wie vor eine ganze Menge.

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