Soap-Opera-Effekt: Darum solltet ihr Motion Smoothing am TV ausschalten

Neuer Fernseher, aber das Bild wirkt seltsam „weich“ und künstlich? Dann seid ihr vom Soap-Opera-Effekt betroffen. Was ist das und wie schaltet ihr den ab? Erklären wir euch.

Soap-Opera-Effekt: Darum solltet ihr Motion Smoothing am TV ausschalten

Häufig fällt nach dem Kauf eines neuen Fernsehers auf, dass das Bild einen eigenartigen Eindruck hinterlässt. Schauspieler und Gegenstände heben sich deutlich von den Hintergründen ab – es wirkt so, als hätte jemand Objekte und Darsteller regelrecht auf den Hintergrund geklebt. Auch ist das Gezeigte unnatürlich flüssig, es kommt kaum zu Rucklern. Genau das ist der sogenannte Soap-Opera-Effekt, der oftmals nicht erwünscht ist. Vor allem nicht bei hochwertigen TV-Serien und Kinofilmen. Es steckt allerdings eine gute Idee dahinter…

Das ist der Soap-Opera-Effekt

Der sogenannte Soap-Opera-Effekt, auch gerne Seifenoper-Effekt oder Soap-Effekt genannt, erhielt seinen Namen durch die Fernsehserien aus dem Abendprogramm zahlloser TV-Sender, die häufig auf sehr simple Kulissen setzen. Zuschauer nehmen diese als „flach“ wahr. Anders gesagt: Das Dargestellte sieht billig aus. Wenn dagegen aufwändige Produktionen einen solchen Effekt erzeugen, dann könnte dies an den Einstellungen eures Fernsehers liegen. Mir persönlich fiel das bei „Star Trek Discovery“ auf, das auf meinem neuen Smart TV wie eine trashige Low-Budget-Produktion und keineswegs cineastisch aussah.

Egal, ob ihr Blu-rays schaut oder etwas streamt - der Soap-Opera-Effect kann euch erwarten. (Foto: Samsung)
Egal, ob ihr Blu-rays schaut oder etwas streamt – der Soap-Opera-Effect kann euch erwarten. (Foto: Samsung)

Woran liegt’s? Kostspielige Kinofilme und Serien drehen Profis vorzugsweise mit 24 Vollbildern pro Sekunde. Das führt dazu, dass Explosionen oder schnelle Kameraschwenks auch gerne mal zu einem wackeligen Bild führen. Und das ist erwünscht und beabsichtigt. Fernsehprogramme laufen dagegen mit 50 (PAL, Europa) bzw. 60 (NTSC, Nordamerika) Halbbildern. Rechnet ein TV-Gerät nun die 24 Bilder pro Sekunde eines Films mittels Zwischenbildberechnung hoch, kann das Resultat im schlimmsten Fall wie eine Seifenoper wirken. Kurz gesagt: Immer dann, wenn ein TV Bilder künstlich erzeugt bzw. berechnet, besteht die Gefahr des Soap-Opera-Effekts. Verantwortlich dafür ist die Motion Interpolation, die Fernsehhersteller eigentlich zur Verbesserung des Bildes einsetzen.

Motion Smoothing und Motion Interpolation

Die Motion Interpolation ist eine Technologie, die mit speziellen Algorithmen zusätzliche Zwischenbilder berechnet, um die Bildfolge von Video-Inhalten künstlich zu erhöhen. Smart TVs machen somit aus 24 Vollbildern zum Beispiel 60 Vollbilder, was zu einem deutlich geringeren Ruckeln und somit flüssiger wahrgenommenen Bewegungsabläufen führt. Auch ist das Ergebnis optisch meist sehr viel schärfer, aber zugleich „glattgebügelt“.

Die Technologien moderner Fernseher wollen das Bild eigentlich verbessern. (Foto: Sony)
Die Technologien moderner Fernseher wollen das Bild eigentlich verbessern. (Foto: Sony)

Das klingt erst einmal gut, oder? Und tatsächlich ist das sehr praktisch. Zum Beispiel bei Sport-Übertragungen, wo ihr auf diese Weise sich schnell bewegende Bälle besser verfolgen könnt. Bei den namensgebenden Seifenopern und Fernsehsendungen, die im Standard-TV-Format produziert sind, bemerkt ihr dabei natürlich keinen Unterschied. Aber sobald ihr aufmerksam einen Film gesehen habt, der überraschend schlecht aussieht, könnte die Motion Interpolation schuld sein.

Die gute Nachricht: Den Soap-Opera-Effekt könnt ihr bei nahezu allen Smart TVs der Gegenwart und näheren Vergangenheit problemlos und oftmals schnell deaktivieren oder reduzieren. Allerdings haben die TV-Hersteller verschiedene Namen für die Interpolation oder Mothion Smoothing, wie es auch heißt.

So schaltet ihr den Soap-Opera-Effekt aus

Mögliche Begriffe für Motion Smoothing bzw. Motion Interpolation sind sind unter anderem:

  • Auto Motion Plus (Samsung)
  • TruMotion (LG)
  • Motionflow (Sony)
  • Ultra Smooth Motion (Hisense)
  • Clear Motion (Panasonic; alternativ Black Frame Insertion, Intelligent Frame Creation
  • Perfect Clear Motion (Philips; alternativ Motion Styles, Perfect Natural Motion, Natural Motion)

Solltet ihr für euren Fernseher keinen dieser Namen finden, dürftet ihr in den Bild-Einstellungen des Smart TVs ähnliche Begrifflichkeiten mit „Frame“, „Motion“ oder auch „KI-Bildverbesserung“ entdecken.

In allen Fällen entdeckt ihr die passenden Optionen in den Bild-Einstellungen eures TV-Geräts. Unter Umständen verbergen sich die gewünschten Schalter auch in „Erweiterte Einstellungen“. Im Zweifel lohnt ein Blick ins Handbuch.

Abhängig vom Hersteller ist Motion Smoothing standardmäßig aktiviert oder deaktiviert. Bei meinem 2020er Nanocell von LG ist TruMotion stets aktiv, allerdings gibt’s via Magic Remote flott wechselbare Modi und die Möglichkeit, den „Filmmaker Mode“ auszuwählen. Bei diesem ist Motion Interpolation grundsätzlich inaktiv, denn Filmproduzenten lehnen solche „Bildverbesserer“ in der Regel ab. Denn letztlich verändern die Fernseher Inhalte in einer Form, die zum Beispiel vom Regisseur nicht so gewünscht sind.

Wann sollte ich Motion Smoothing ein- bzw. ausschalten?

Sitzt ihr vor eurem Fernseher und gefällt euch, was ihr seht, dann ändert nichts. Gerade heutige Smart TVs sind Highend-Geräte mit unzähligen Funktionen, Bildoptimier- sowie KI-Elementen – mich persönlich überfordert gerne mal das Angebot an Einstellungen.

Anders sieht es aus, wenn ihr das Gefühl habt, dass etwas mit dem Dargestellten nicht in Ordnung ist. Oftmals ist der Soap-Opera-Effekt hauptverantwortlich für „gefühlt“ hässliche Kulissen und durchaus auch kitschig anmutende Szenen – ja, wie aus einem Softerotik-Film der frühen 1990er Jahre. Dann rate ich dazu, Motion Smoothing und damit den Soapeffekt abzuschalten und zu vergleichen. Als Resultat könnte das Bild unruhiger wirken, doch daran gewöhnt ihr euch eher als an einen Actionfilm in Seifenoper-Optik.

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