First Screen, Second Screen, Multiscreen? Einfach „nur Fernsehen“ gibt es fast nicht mehr

First Screen, Second Screen, Multiscreen? Einfach „nur Fernsehen“ gibt es fast nicht mehr

Die Zeit, in der man sich einfach vor den Fernseher setzte und dabei nur fernsah, ist vorbei. Laut einer Umfrage von Interactive Media und United Internet sind 86 Prozent der Fernsehzuschauer sogenannte „Multiscreener“. Das bedeutet, dass sie mehrere Geräte wie Fernseher, Tablet, Smartphone oder einen Laptop parallel verwenden.

Besonders die Kombination Fernseher und Smartphone, Tablet oder Laptop ist sehr beliebt. Manchmal verwenden die Nutzer sogar mehr als zwei Geräte parallel.

Was in dieser Umfrage besonders heraus sticht ist, dass die Mehrheit der Nutzer in diesen Szenarien dem Fernseher weniger Beachtung schenken als dem Smartphone, Tablet oder Laptop. Der Grund hierfür ist schlüssig: Der Fernseher verlangt vom Zuschauer weniger Interaktion als Smartphone und Co. Während sich Zuschauer am Fernsehen eher berieseln lassen und passiv konsumieren, erfordern Zweitgeräte aktive Beteiligung. Wer nebenbei twittert oder im Netz surft, konzentriert sich darauf.

Wenn TV-Sender wieder aktiver verfolgt werden wollen, müssen sie sich dieses Verhalten zunutze machen und das Internet und die Aktivität in sozialen Netzwerken fester in ihr Programm mit einbeziehen. Die Zuschauer erlangen im besten Fall dann die Aufmerksamkeit zurück, wenn sie das Gefühl haben, durch ihre Beteiligung das Programm mitgestalten zu können.

Der unberechenbare Zuschauer

Ein Positivbeispiel ist Nighttalker Domian. Ab 2010 erfreute sich seine nächtliche Hilfesendung größter Beliebtheit auch auf Twitter. Die Quoten stiegen. Als man dieses Phänomen in der Redaktion bemerkte, engagierte man sich selbst aktiv auf Twitter. Der bis dahin von einem Fan geführte @Domian-Twitteraccount wurde an die Redaktion übergeben. Seitdem können sich Fernsehzuschauer während der Sendung direkt mit einem Redakteur austauschen und die Meinung zu den besprochenen Themen kundtun. Zwar sanken die Einschaltquoten daraufhin wieder etwas, doch die Verknüpfung von Internet und TV oder wie in diesem Fall Radio, wurde von den Fans sehr gut angenommen.

Wenn Fernsehsender es schaffen, ihre Angst vor der „Unberechenbarkeit des Zuschauers“ zu überwinden und Zuschauerbeteiligung auch über einfache Gewinnspiele hinaus weiter zu fördern, würde der Fernseher seine Position als „First Screen“ behalten können und nicht weiter in den Hintergrund gedrängt werden. Laut der Umfrage ist dies aber der derzeitige Trend.

Ist TV-Konsum aber ohne Computer, Smartphone und Tablet wirklich nicht mehr möglich? Wird jeder Film und jede Sendung im Netz kommentiert und diskutiert? Es deutet alles darauf hin. Kritische Stimmen zu Inhalten werden so publik und nicht wie damals nur im eigenen Umfeld besprochen. Sender können reagieren und ihr Programm anpassen oder diese kritischen Stimmen selbst zum Programminhalt machen. „Können“ bedeutet aber leider auch, dass dies noch nicht überall passiert.

Foto: Attribution Some rights reserved by stickwithjosh

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