Review: Anhänger des „Märchenkönigs“ dürfen die Blu-ray-Premiere von „Ludwig II.“ feiern

Review: Anhänger des „Märchenkönigs“ dürfen die Blu-ray-Premiere von „Ludwig II.“ feiern

Nicht nur König-Ludwig-Jünger haben lange auf eine HD-Veröffentlichung von Luchino Viscontis monumentaler Verfilmung über das Leben des Märchenkönigs gewartet, auch Cineasten werden sich über den Release des vierstündigen Klassikers freuen. Schon im Vorfeld der Blu-ray-Veröffentlichung gab es allerdings Verwirrung bei den Fans bezüglich der Ausstattung und der Laufzeit, die kürzer ist als bei den bislang erschienenen DVD-Editionen. Kommt die HighDef-Version also tatsächlich nur geschnitten ins Heimkino? Wir sind für Sie auf Spurensuche gegangen und haben der Disc auch sonst ganz genau auf den Zahn gefühlt.

Im Januar 1973 fand in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn die Uraufführung der 3-Stunden-Fassung von „Ludwig“ statt. Die von Regisseur Luchino Visconti eigentlich erstellte vierstündige Version um Leben und Sterben des berühmtesten bayerischen Monarchen war Produzenten und Verleih zu lang und wurde deshalb um eine Stunde gekürzt. Seitdem wurde der überwiegend kontrovers aufgenommene Film bei Wiederaufführungen immer wieder umgeschnitten – bis hin zur Fassung einer 133-Minuten-Verstümmelung. Umso erfreulicher wurde im Jahr 2000 die erste DVD-Veröffentlichung aufgenommen, die den Film bereits restauriert in dem ursprünglich von Visconti favorisierten Cut präsentierte. Ein Re-Release der DVD im Rahmen der ARTHAUS-Premium-Reihe bescherte dem Mammutwerk sieben Jahre später neben weiteren Specials auch eine wunderschöne Aufmachung im Digipack. Die Lauflänge bei dieser Version ist mit 247 Minuten angegeben. Die Blu-ray läuft 238 Minuten, müsste aber, aufgrund der unterschiedlichen Wiedergabegeschwindigkeit, die bei Blu-rays analog zum originalen Kinofilm 24 Bilder pro Sekunde beträgt, eigentlich sogar höher ausfallen als bei der DVD-Variante, die PAL-bedingt mit 25 Bildern pro Sekunde wiedergegeben wird. Also wieder einmal eine geschnittene „Ludwig“-Version?

Geschnitten oder uncut?

Die beste Nachricht zur Blu-ray-Premiere von „Ludwig II.“ (oder schlicht „Ludwig“, wie der Film bei seiner Uraufführung noch betitelt war und es bis heute im Vorspann steht) zuerst: Das Werk erscheint auf dem HD-Medium ungekürzt in seiner längsten bekannten Fassung! Die unterschiedlichen Laufzeitangaben resultieren aus der Tatsache, dass sich auf der DVD die italienische Integral-Version befindet. Hierbei wurde der Film in fünf Teile aufgesplittet, die jeweils immer wieder mit dem Vorspann sowie einem Abspann versehen sind. Und eben dadurch kommt die längere Laufzeit zustande – ohne dass hier imgrunde mehr Filmmaterial vorhanden wäre. Bei der Blu-ray hat ARTHAUS sich (zum Glück) für die Filmfassung ohne Unterbrechungen durch ständige Wiederholungen der Vor- und Abspänne entschieden. Dadurch reduziert sich die Laufzeit entsprechend.

LudwigII_CollageDas Bild

Auch in Bezug auf die Bildqualität gibt es überwiegend nur Erfreuliches zu berichten: Der Film erscheint in seiner originalen Cinemascope-Ratio von 2.35:1 auf Blu-ray und bietet ein durchaus gelungenes Bild. Besonders gefallen die natürlichen Farben sowie die Bildruhe, die nur in dunkleren Sequenzen in deutliches Rauschen übergeht. Sämtliche analogen Verschmutzungen wurden digital aus dem Bild entfernt, das sich sauber und fehlerfrei darstellt. Die Bildschärfe ist gut, wenn auch nicht überragend. Obwohl Details klar zu erkennen sind, könnte die Schärfe durchaus noch etwas besser sein, was vor allem auf größeren Bildschirmdiagonalen oder bei Wiedergabe über einen Beamer auffällt. Immerhin wurde auf eine künstliche Nachschärfung verzichtet, wodurch unter anderem Kanten keine störenden Doppelkonturen entwickeln.

Der Sound

Tonspuren liegen auf der Blu-ray in deutscher und italienischer Sprachfassung vor. Beide Soundtracks kommen als Mono-Spuren wenig spektakulär daher, wurden aber zumindest in DTS-HD Master Audio auf die Disc gepresst. Die deutschsprachige Fassung gefällt hierbei aufgrund der helleren und luftigeren Klangwiedergabe deutlich besser als die dumpfere italienische Tonspur. Ohnehin hat Visconti seinen dialoglastigen Film akustisch eher zurückgenommen produziert. Mit seinem verträumt-melancholischen Inszenierungsstil gibt der Regisseur die überlieferte Grundstimmung des 1886 unter bis heute nicht vollständig geklärten Umständen ums Leben gekommenen Königs auch stilistisch wieder und verzichtet dabei bewusst auf lautere Action-Sequenzen. Musikalisch untermalt wird der gesamte Film von sanften Klavierklängen und, inhaltlich bedingt, natürlich von dramatischen Wagner-Opern.

Die Special Features

Insofern eigentlich alles gut bei der Blu-ray-Veröffentlichung von „Ludwig II.“ – würde man nicht heute zusätzliche Extras als Selbstverständlichkeit erwarten. Die gibt es auf dieser Blu-ray merkwürdigerweise nämlich überhaupt nicht. Abgesehen von ein paar Trailern zu anderen Filmen aus dem ARTHAUS/Studiocanal-Programm bleibt die Suche nach Bonusmaterial vergebens. Warum der Anbieter den Blu-ray-Käufern selbst die Extras der Premium-DVD, darunter aufschlussreiche Dokumentationen über Luchino Visconti und Helmut Berger, vorenthält, ist kaum nachvollziehbar. Auch die billige Aufmachung in einer Standard-Amaray-Plastikbox enttäuscht Sammler und wird dem Meisterwerk in keiner Weise gerecht. Immerhin punktet die ab sofort im Handel erhältliche Blu-ray-Veröffentlichung wenigstens noch mit einem Wendecover um das so hässliche wie unsinnige FSK-Frontlogo auf die Rückseite zu verbannen.

Das Fazit

Mit „Ludwig“ hat Luchino Visconti ein filmhistorisches Meisterwerk geschaffen, das bedauerlicherweise erst viele Jahre nach seiner Uraufführung seine ihm gebührende Anerkennung erfahren hat. Nicht zuletzt wegen seiner langen Laufzeit kontrovers aufgenommen, waren sowohl Kritiker wie auch das Publikum ursprünglich sehr geteilter Meinung über das Werk. Angefochten wurde Viscontis Filmversion auch aufgrund der für sein Entstehungsjahr 1972 ungewöhnlich deutlich eingebauten Sequenzen über die Homosexualität des bayerischen Monarchen – Szenen, die in den verstümmelten Fassungen ohnehin allesamt den selbsternannten Hütern damaliger Moralvorstellungen zum Opfer gefallen waren. Und auch Romy Schneider machte sich mit der gewagten Neuinterpretation ihrer Lebensrolle als Kaisern Sissi, die sie ganz bewusst als sehr persönliche Distanzierung ihrer zuckersüßen Darstellung der zwischen 1955 und 1957 entstandenen „Sissi“-Trilogie verstanden haben wollte, zunächst mehr Feinde als Freunde.

Käufer, die „Ludwig II.“ lediglich in der bislang bestmöglichen Qualität zuhause erleben wollen, dürfen bei der Blu-ray bedenkenlos zugreifen. Echte Fans des Märchenkönigs werden aber ihre alte ARTHAUS-Premium-Fassung wegen der aufwändigen Verpackung und der interessanten Features behalten und nur die Film-DVDs des 3-Disc-Sets durch die Blu-ray ersetzen – für eine dann nahezu perfekte Heimkinoversion von Viscontis genialer Hommage an „Ludwig II.“.

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