Paramount verkürzt in den USA das Auswertungsfenster zwischen Kino und digitalen Plattformen – ein Modell auch für Deutschland?

Paramount verkürzt in den USA das Auswertungsfenster zwischen Kino und digitalen Plattformen – ein Modell auch für Deutschland?

Es ist die ewige Diskrepanz zwischen den Interessen der Kinobetreiber und den Home Entertainment-Vermarktungsstrategen: Wie groß muss das Zeitfenster zwischen den beiden Auswertungssystemen sein? Während viele darüber endlos diskutieren, schafft Paramount jetzt einfach Fakten.

Waren das noch Zeiten, als zwischen dem Start eines Films in den Kinos und der nächstmöglichen Zweitauswertung im linearen Fernsehen oft Jahre, in manchen Fällen gar Jahrzehnte vergingen. Heute kaum noch vorstellbar. Trotzdem wünschen sich die Kinos naturgemäß nach wie vor einen möglichst langen Zeitraum zwischen dem Start eines Films in den Lichtspielhäusern und der Vermarktung im Home-Segment. Waren es früher in erster Linie die Videotheken, die zähneknirschend Auswertungsfenster zwischen drei und sechs Monaten akzeptieren mussten, verkürzte sich diese Zeitspanne später immer mehr durch weitere Auswerter, vor allem Pay TV-Anbieter oder Video-on-Demand-Plattformen wie etwa Netflix. Gerade im Zeitalter immer rasanter zunehmender digitaler Medienauswertungen steht das Kinofenster wieder einmal prinzipiell auf dem Prüfstand. Dennoch ist es nach wie vor eher die Ausnahme, dass ein Film gleichzeitig in den Kinos und im Digital Sellthrough an den Start geht.

Paramount Pictures wagt jedoch jetzt ein Experiment, das in der Branche als zumindest kleines bis mittleres Erdbeben gewertet wird: Mit der Franchise-Fortsetzung „Paranormal Activity: Ghost Dimension“ (Trailer unten) startet in den USA am 23. Oktober 2015 ein Kinofilm, der schon 17 Tage danach hochoffiziell auf digitalen Plattformen verfügbar sein wird. Mit dem Comedy-Horror „Scout’s Guide to the Zombie Apocalypse“ soll gleichermaßen verfahren werden. Gibt es also zumindest in Amerika schon bald einen Aufstand der Kinobetreiber? Sehr wahrscheinlich nicht! Denn Paramount will die Kinoketten, die diese experimentelle Auswertungsmethode mittragen, 90 Tage lang prozentual und abhängig von deren Marktanteil an allen Umsätzen beteiligen die durch die VoD-Auswertungen erzielt werden. So will es der Hollywood-Major möglichst jedem Auswerter recht machen – und dabei natürlich gleichzeitig das Maximum an Erlösen aus seinem aktuellen Filmcontent erwirtschaften.

Noch gibt es bislang außerhalb der USA keine entsprechenden Testpläne von Paramount oder anderen Film-Majors. Gespannt und mit großem Interesse aber wird die Filmwelt auf die Ergebnisse dieses Experiments allemal schauen. In das bestehende Ertragsmodell von Kinofilmen kommt jedenfalls wieder einmal Bewegung – mit ungewissem Ausgang, aber in jedem Fall mit Möglichkeiten, die die Filmwirtschaft durch ihre neuen digitalen Auswertungspotenziale radikal und nachhaltig verändern könnte.

Jetzt kommentieren!

Schreibe einen Kommentar

*
Bitte nimm Kenntnis von unseren Datenschutzhinweisen.