“Orange is the New Black” in der Serien-Kritik: Das Böse kann so gut aussehen

Die beliebte On-Demand-Videothek Netflix steht vor dem Start in Deutschland. Und während Kunden auf die erfolgreiche Eigenproduktion „House of Cards“ vorerst wohl verzichten müssen (die Rechte hat Sky sich gesichert), wirbt der Dienst in Deutschland mit seiner zweiten erfolgreichen Eigenproduktion: „Orange is the New Black“. Die Gefängnisserie trumpft mit reichlich expliziten Inhalten auf, doch die oberflächlich nur unterhaltsame Serie birgt eine tiefere Botschaft. Wir haben bereits vorab einen Blick auf die so genannte „Dramedy“ werfen können.

Zwar wurde „Orange is the New Black“ bei den diesjährigen Primetime Emmy Awards in der Kategorie „Comedy“ geführt – und gewann zwei Trophäen. Doch für eine reine Comedy bietet die Serie viele, durchaus ernste Inhalte. Ähnlich etwa wie die Feuerwehr-Serie „Rescue Me“ oder die Krankenhaus-Tragikomödie „Nurse Jackie“ fällt die Serie damit eher in die Kategorie Dramedy – Drama mit komischen Elementen.

Gefängnisaufenthalt der Verlobten als Karrieresprung

Für die komische Note sorgt etwa „Neben-Hauptdarsteller“ und Comedian Jason Biggs, den die meisten noch als Tollpatsch aus den „American Pie“-Filmen kennen werden. Auch die Rivalität der Frauen im Knast, einige fragwürdige Eigenarten des natürlich längst nicht so „sauberen“ Gefängnispersonals oder auch gleich die ersten Rivalinnen, die Hauptfigur Piper Chapman (gespielt von Taylor Schilling) sich durch Naivität im Knast macht, bieten gute Unterhaltung. Dass sie sich vor der Küchenchefin über das Essen beschwert, bringt ihr bei der nächsten Mahlzeit einen ganz besonderen „Leckerbissen“ ein. Und dass sie eine Verehrerin abweist, endet in einer ähnlich unappetitlichen Racheaktion.

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Doch dann ist da natürlich der durchaus ernste Hintergrund. Die bisexuelle Piper sitzt 15 Monate ein, weil sie vor nicht weniger als zehn Jahren einmal einen Geldtransport für ihre mit Drogen handelnde Freundin (gespielt von Laura Prepon) übernommen hatte. Auf die ist Piper erwartungsgemäß nicht gut zu sprechen, zumal sie aufgrund der Aussage der damaligen Freundin eingebuchtet wurde – und sie nun hinter Gittern wieder trifft. Nicht nur das belastet die Beziehung zu ihrem Verlobten Larry (Biggs), sondern auch dass der eher unerfolgreiche Journalist Pipers Gefängnisaufenthalt zu einem Karrieresprung nutzen will, indem er eine Geschichte darüber der „New York Times“ verkauft.

Anführer, auf die niemand gewartet hat

Die Serie basiert auf dem autobiografischen Roman „Orange is the New Black“ von Piper Kerman, ein Bestseller in den USA im Jahr 2011. Mit „Orange“ ist hier die Farbe der Uniform gemeint, die neue Insassen im Gefängnis während ihrer Einführungswochen tragen. Statt einer erfolgreichen Karriere – Kerman oder Chapman stehen laut der Geschichte davor, mit einer eigenen Geschäftsidee Kasse zu machen – wartet also nun der Knast.

Doch es geht in der Geschichte nicht nur um Piper. Das Interessante an der Serie sind die vielen Mithäftlinge und ihre Geschichten, die „Orange is the New Black“ in vielen Rückblenden minutiös erzählt. Da ist etwa die Gefängnisfriseurin Sophia (Laverne Cox), die früher ein Mann war und vor einer schwierigen Situation mit ihrem Sohn steht, der sie deswegen verachtet. Da ist die eigentlich nicht dumme Suzanne, genannt „Crazy Eyes“ (Emmy für Uzo Aduba), die wegen ihres Temperaments immer wieder in Schwierigkeiten gerät. Oder auch die russische Küchenchefin Galina, gennant „Red“, die als Einzelgängerin ihren Weg gehen muss.

Teaser-Bild der 2. Staffel

Teaser-Bild der 2. Staffel

Nicht minder interessant natürlich auch die Charakter der Gefängniswärter: die korrupte Vize-Direktorin, der betont männlich aber eher schwul aussehende „Pornobalken“ George Mendez oder der junge Aufseher Bennett, der eine Affäre mit einer Insassin beginnt, die ihn schon bald in Schwierigkeiten bringt. Gerade in der Pilotfolge sparen die Produzenten nicht mit eindeutig homoerotischen Inhalten (eine Serie für Kinder ist „Orange is the New Black“ nicht), den Reiz macht aber eindeutig das Zwischenspiel der Charaktere aus. Ganz besonders deutlich wird das in der zweiten Staffel, als die afroamerikanischen Insassen in der intriganten Vee eine Anführerin bekommen, auf die niemand wirklich gewartet hat.

Der Mann, das wahre schwache Geschlecht

Doch auch dem bemüht freundlichen Gefängnismentor Healy kommt am Ende der 1. Staffel eine besondere Rolle zu, als Piper sich die ebenso aggressive wie leicht verrückte christliche Fundamentalistin Tiffany zur Feindin macht. Die Botschaft ist eindeutig: Keine Frau sitzt hier gänzlich unschuldig ein, doch lebten sie nicht in einer durch und durch patriarchalischen Gesellschaft, dann wäre die in der Serie beschriebene Vollzugsanstalt nicht einmal halb so voll. Dass Männer das eigentliche schwache Geschlecht sind, ist gemeinhin bekannt. Die Probleme dieser Tatsache offenbaren sich allerdings erst hier: Nicht nur unter ihrer Gewalt, sondern auch ihrer Ignoranz müssen Frauen leiden. Das wahre Böse indes verbirgt sich im vermeintlich Guten. Das ist das tragische Element dieser sehr unterhaltsam verpackten Serie „Orange is the New Black“.

Netflix soll noch in diesem Monat in Deutschland an den Start gehen. Bis auf „Orange is the New Black“ allerdings dürfen Fans in Deutschland zu Beginn nicht viel bessere Inhalte erwarten als bei der Konkurrenz von Maxdome, Amazon oder Watchever. „Orange is the New Black“ immerhin soll sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch in beiden bisher produzierten Staffeln verfügbar sein.

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