O-Ton bei Serien und Filmen: Pflicht oder verzichtbar?

O-Ton bei Serien und Filmen: Pflicht oder verzichtbar?

Synchronsprecher haben einen undankbaren Job. Sie sprechen die Stimmen für Serien und Filme neu ein, damit sie in der Sprache des Landes verstanden werden können, in dem sie gesendet werden. Zumindest bei uns schauen immer mehr Menschen die Werke aber lieber im Originalton.

Als Synchronsprecher steht man normalerweise kaum in der Öffentlichkeit. Spätestens aber wenn dieser das Wort ergreift, wird der ein oder andere zweimal hinhören und sich denken: „Diese Stimme habe ich doch schon einmal gehört“.

Trotzdem kann man auch heute nicht auf eine gute Synchronisation verzichten, weil viele Menschen die Sprache des Originalfilmes gar nicht oder nicht gut genug verstehen. Mit einer ansprechenden Synchronisation erweitert man den Markt eines Filmes und schafft es auch außerhalb des Produktionslandes, Gewinne einzufahren.

Synchronisation als Mittel der Zensur

Früher wurden viele Filme gar nicht synchronisiert. Bei Stummfilmen war es sowieso nicht nötig und vor dem Zweiten Weltkrieg waren heimische Produktionen noch deutlich häufiger, Synchronisationen eher die Ausnahme. Vielfach drehte man Filme gar mehrmals in den verschiedenen Sprachen. Nach dem Krieg wurden ausländische Filme in Deutschland beliebter. Viele Deutsche verfügten allerdings nicht über ausreichend Fremdsprachenkenntnisse, um die Filme auch wirklich zu verstehen. Darum gründeten sich mehrere Synchronstudios in Deutschland, die Filme nicht nur übersetzten, sondern damals auch noch inhaltlich manchmal modifizierten. Synchronisierungen konnten damit damals also denn Sinn eines Filmes völlig verändern. Nach dem zweiten Weltkrieg verschwanden aus amerikanischen Filmen vor allem Anspielungen auf den Nationalsozialismus. Beispiel hierfür ist „Casablanca“. So ließ sich der Film auch noch im vom Krieg gezeichneten Deutschland vermarkten.

Anpassung an kulturelle Unterschiede

Die Synchronisation heute orientiert sich sehr stark am Vorbild, bringt aber auch eigene Elemente mit ein. Witze, Redewendungen und Redensarten sollten in die jeweilige Kultur eingebracht werden, in dem der Film oder die Serie gezeigt werden, um den Witz und Sinn der Situation zu wahren und für das jeweilige Publikum verständlich zu machen.

O-Ton bevorzugt

Schlechte Synchronisation sind der Grund dafür, dass viele Filmfreunde eine Überarbeitung des Originalwerks ablehnen. Stattdessen greifen sie auf Untertitel zurück, wenn sie die Sprache des Films nicht verstehen. In Skandinavien und vielen anderen Ländern wie den Niederlanden werden sogar nur Kinderfilme übersetzt. Der Rest der Filme bleibt mit Untertiteln im Originalton.

Funfacts zu deutschen Synchronsprechern:

  • Viele Schauspieler haben die gleiche deutsche Synchronstimme. Beispielsweise teilen sich Sir Sean Connery, William Shatner (Captain Kirk), Michel Piccoli, Lex Barker (Old Shatterhand), Paul Newman und Rock Hudson die Stimme von Gert Günther Hoffmann.
  • Thomas Danneberg ist der Stammsprecher für Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger, Terence Hill, Dan Aykroyd und John Cleese.
  • Bruce Willis und Gérard Depardieu haben ebenfalls die gleiche Stammstimme. Diese wird von Manfred Lehmann gesprochen.
  • Die deutsche Stimme von Bart Simpson wird eigentlich von einer Frau gesprochen. Sandra Schwittau spricht aber nicht nur den kleinen Rotzlöffel aus Springfield, sondern ist auch die Stammstimme von Hilary Swank und Eva Mendes.
  • Der verstorbene Edgar Ott war nicht nur die Stimme von O’Malley aus Aristocats und Benjamin Blümchen, sondern er sprach ebenfalls in einigen Asterix-Filmen den Obelix und in einigen wenigen Filmen Bud Spencer.
  • Eine der bekanntesten Synchronstimmen für Cartoons und Comedy dürfte Santiago Ziesmer haben. Ihn kennt man nicht nur als Steve Urkle von „Alle unter einem Dach“ sondern auch als Stammstimme für Spongebob. Dazu ist er auch in zahlreichen weiteren Cartoons zu hören.
  • Chuck Norris, Morgan Freeman und Mr. Krabs aus Spongebob teilen sich mit Jürgen Kluckert auch eine Stimme. Nach dem Tod von Edgar Ott übernahm Kluckert auch die Sprechrolle des Benjamin Blümchen.

Der Zuschauer hat die Wahl

Dank DVD und Blu-ray kann man sich als Zuschauer aussuchen, ob man lieber die synchronisierte oder die originale Fassung eines Films oder einer Serie sehen will. Watchever und Maxdome bieten unter anderem zu verschiedenen Medien den Originalton an und man kann sich aussuchen, in welcher Fassung man einen Stream sehen möchte.

Dank sehr fähiger Sprecher werden Synchronisationen in Deutschland immer besser. Bei vielen Filmen sollte man, sofern die Sprachkenntnisse vorhanden sind, die Originalfassung zumindest einmal gesehen haben. Der Einsatz der Stimme gehört zur Schauspielerei dazu und auch ein guter Synchronsprecher kann dem Original nie zu 100% entsprechen.

Foto: Santiago Ziesmer (Spongebob Schwammkopf) von Helen Krüger (CC-Lizenz)

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