Modern oder ungerecht? 6 Millionen Deutsche nutzen Musikstreaming

Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Branchendienstes Bitkom nutzen sechs Millionen Menschen in Deutschland Musikstreaming. Insgesamt 16 Millionen Menschen sind Dienste bekannt, die mit Download-Modellen konkurrieren. Nur ein Teil der Nutzer setzt dabei allerdings auf Bezahlabos wie Spotify, Napster oder Simfy. In die Zählung fallen auch kostenlose oder kostenpflichtige Musikradios wie Aupeo, Last.fm oder Musicplayr mit hinein, nicht aber Angebote mit Musikvideos wie von YouTube oder Tape.tv.

Diese neuartigen Dienste stehen in Konkurrenz zu Angeboten wie Apples iTunes, wo Musiktitel oder ganze Alben einzeln gekauft werden müssen. Streaming-Dienste machen das Entdecken neuer Musik einfacher und kostengünstiger. Dafür stehen die Dienste gerade bei Musikern aber auch in der Kritik: Künstler erhalten meist nur sehr wenig Geld von den Anbietern.

Entsprechende Kritik kam kürzlich von Radiohead-Frontmann Thom Yorke und seinem Produzenten Nigel Godrich. Diese zogen ihre aktuellen Produktionen von der Streaming-Plattform Spotify zurück, weil die Konditionen dort unfair gegenüber Musikern seien. Man verdiene dort einen, frei übersetzt, „feuchten Dreck“, wie Godrich auf Twitter schreibt. Es sei eine Rechnung, die schlicht nicht aufgehe.

Nur Cent-Beiträge für Abrufe

Musiker werden auf Spotify gemessen an ihrer Popularität am Umsatz beteiligt. Im Schnitt seien 2% vom Umsatz drin, erklärte das schwedisch-britische Unternehmen. Einige Musiker berichten von 1 Dollar pro 1.000 Abrufen oder von einem halben Cent pro Abruf. Das Unternehmen mit derzeit gut 24 Millionen Nutzern weltweit, wehrt sich gegen die Vorwürfe und spricht von 1 Milliarde Dollar an Tantiemen, die man im Gesamtjahr 2013 auszahlen werde. Hiervon erhalten Künstler aber längst nicht alles, sie müssen das Geld noch mit Plattenfirmen und Managern teilen. Dass Spotify und andere Dienste wie Pandora selbst noch nicht kostendeckend arbeiten, deutet darauf hin, dass Musikstreaming möglicherweise doch nicht die Lösung aller Probleme darstellt.

Größter Unterschied zwischen den verschiedenen Audio-Diensten ist der Zugang zur Musik. Bei Musikradios wie Last.fm lässt sich meist ein Musikgeschmack oder ein Künstler auswählen, auf dessen Basis dann eine Liste mit passenden Titeln angelegt wird. Dienste, bei denen sich nur eine begrenzte Zahl von Titeln pro Stunde überspringen lässt, sind in der Regel kostenlos. Das Gegenstück sind Angebote wie Spotify, Juke oder Deezer, bei der man aus dem verfügbaren Angebot von meist rund 20 Millionen Titeln genau die Lieblingstitel auswählen und so oft hören kann, wie man will. Diese Dienste sind in der Regel nach einem begrenzten werbefinanzierten und dann kostenfreien Zeitraum nur noch für einen monatlichen Pauschalpreis zu haben. Der Markt hierfür ist in Deutschland wie weltweit hart umkämpft. In Deutschland drängt zuletzt vor allem die ProSiebenSat.1-Tochter Ampya mit massiver Werbung auf den Markt.

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2 Kommentare zu “Modern oder ungerecht? 6 Millionen Deutsche nutzen Musikstreaming
  1. „Einige Musiker berichten von 1 Dollar pro 1.000 Abrufen oder gar weniger als einen halben Cent pro Abruf“

    öhm… bei 1 dollar pro tausend abrufe bekommt der musiker 0,1 cent pro abruf. das IST bereits weniger als ein halber cent!

    könnte man das irgendwie klarer formulieren?

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