Musikindustrie: Streaming frisst Downloads auf, nicht die CD

Trotz aller digitaler Angebote ist dem Deutschen seine CD nach wie vor am liebsten. Oder seine Vinylschallplatte. Denn 70 Prozent der Umsätze auf dem hiesigen Markt werden nach wie vor von Tonträgern erzielt, wie der weltweite Verband der Musikindustrie IFPI für das Geschäftsjahr 2014 bekannt gab. Und diese Zahl fällt nur langsam: im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 Prozent. Weil moderne Streaming-Abodienste wie Spotify und Deezer dennoch hohe Wachstumsraten erzielen, ist man bei IFPI hoch zufrieden mit dem deutschen Markt.

Egal ob im Abo oder werbefinanziert: Streaming boomt

So wuchs Streaming in Deutschland 2014 im Vergleich zu 2013 um immerhin 86,8 Prozent. Die neuen Dienste wie Spotify und Deezer, die den Nutzer gegen eine monatliche Gebühr aus Katalogen von meist 20 bis 30 Millionen Titeln so viel hören lassen, wie sie wollen, werden gerade von jüngeren Menschen gut angenommen. Davon aufgefressen werden allerdings nicht die physischen Tonträger wie CD oder Vinyl, sondern Einzeldownloads wie man sie etwa auf Apples iTunes oder Google Play erwerben kann.

Statistik der Musikindustrie: Downloads nach wie vor führend bei Digitalprodukten, aber andere Services holen auf.

Statistik der Musikindustrie: Downloads nach wie vor führend bei Digitalprodukten, aber andere Services holen auf.

Der Durchschnittskäufer ist schon 46

Möglicherweise ist diese Situation dem hohen Durchschnittsalter eines Musikkäufers geschuldet, den IFPI für Deutschland mit 46 Jahren angibt. Die Menschen haben sich an ihre CD gewöhnt, sie haben die notwendigen Systeme dafür angeschafft, sie bleiben jetzt erst einmal dabei. Streaming erscheint derweil jüngeren Leuten attraktiver als ein Einzelkauf von Downloads, weil die Preise mit meist rund 10 Euro im Monat für unbegrenzten Musikgenuss moderat sind. Einige Dienste bieten ihre Angebote auch kostenlos und dafür mit Audio-Werbung unterbrochen an. Auch Musikvideo-Streaming boomt laut IFPI weltweit gerade bei jüngeren Menschen. Der Download-Markt fiel weltweit um 8 Prozent im Vergleich zu 2013. Von allen digitalen Verkäufen machen permanente Downloads mittlerweile nur noch 52 Prozent aus, in zahlreichen Märkten ist Streaming bereits stärker.

Andere Länder: Digitale Dienste überholen Tonträger

In anderen Ländern wie den USA haben dafür digitale Dienste physische Tonträger nach Umsatz überholt. IFPI wehrt sich in dem aktuell veröffentlichten Digital Music Report (PDF) auch gegen den oft geäußerten Vorwurf, die Industrie würde zu wenig an die Künstler auszahlen und zu viel für sich selbst behalten. Im Beobachtungszeitraum 2009-14 seien die Umsätze der Industrie um 17 Prozent zurückgegangen, während man 13 Prozent mehr an Künstler ausgezahlt habe. Insgesamt seien in den 18 betreuten Kernmärkten in diesem Zeitraum mehr als 1,5 Milliarden US-Dollar an Künstler ausgezahlt worden. Allerdings dürfte der Löwenanteil von 80 bis 90 Prozent nach wie vor bei der Industrie verbleiben. Der jüngst gestartete neue Dienst Tidal tat so, als könne er dieses Verhältnis umkehren. Das allerdings ist Augenwischerei.

Digitale Dienste überholen physische Tonträger erstmals weltweit.

Digitale Dienste überholen physische Tonträger erstmals weltweit.

Streaming ist der neue Heilsbringer

Insgesamt aber herrscht gefühlt Goldgräberstimmung in der Musikindustrie. Die Gesamtumsätze bleiben mit 15 Milliarden US-Dollar nahezu gleich und das Wehklagen der vergangenen Jahre, dass illegale Downloads die Umsätze auffräßen, ist fast verstummt. Streaming wird als neuer Heilsbringer angesehen, sowohl in Form kostenpflichtiger Abomodelle als auch in der werbefinanzierten Form oder als Musikvideo-Streaming. Und wenn die digitale Technik die nach wie vor umsatzstarke CD in manchen Ländern wie Deutschland nicht ganz so schnell auffrisst, dann kann das den Plattenfirmen nur Recht sein.

Bilder/Grafiken: IFPI

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