Mein Produkt des Jahres: Netflix

Die Redakteure vom Euronics Trendblog wählen in diesem Jahr ihre Produkte des Jahres. Das von Redaktionsleiter Jürgen Vielmeier überrascht, ist es doch nichts zum Anfassen, sondern ein Online-Service: Netflix.

Wer hat schon noch ferngesehen in den letzten Jahren? Serien waren und sind bei deutschen Zuschauern beliebter denn je. Aber wollte man die jeweils neueste Staffel von „Homeland“, „Game of Thrones“ oder „Breaking Bad“ gucken, dann musste man warten, oft sehr lange warten, bis die Serie – nicht immer schön synchronisiert – ins Fernsehen kam. Manchmal hatte man wenigstens Glück und es gab einzelne Staffeln bei iTunes oder als UK-Import auf DVD/Blu-ray; wenn nicht, versuchten nicht wenige ihr Glück auf halblegalen Plattformen im Netz. Darauf angesprochen reagierten Fernsehsender und Rechte-Inhaber in Deutschland mit einem Schulterzucken: War erstens immer schon so, musste zweitens auch so sein und ging drittens nicht anders.

Bis Netflix vor gut einem Jahr in Deutschland startete und seine eigenen Serien mitbrachte. Anfangs beschränkte sich das noch auf wenige Eigenproduktionen wie „Orange is the New Black“. Das von Kritikern gelobte „House of Cards“ lief überraschenderweise bei Sky. Aber schon bald legte Netflix mit immer mehr gefeierten Formaten nach, die jeweils zeitgleich in Deutschland starteten: die Historienserie „Marco Polo“ etwa oder die tragikomische Zeichentrickserie „BoJack Horseman“. In diesem Jahr kamen weitere begehrte Eigenproduktionen wie die Pablo-Escobar-Story „Narcos“ hinzu, die Marvel-Serien „Daredevil“ und „Jessica Jones“, die Mysteryserie „Sense8“, ja, sogar ein eigener Spielfilm, „Beasts of No Nation“, der sich vor teuren Hollywood-Produktionen nicht zu verstecken braucht. Erfolgsversprechende Fremdformate wie „Fargo“ oder „Better Call Saul“ holte man als erste nach Deutschland – noch bevor die klassischen TV-Sender „geht nicht“ sagen konnten.

Und plötzlich ging doch so einiges, was früher angeblich nicht möglich war. Das ZDF etwa zeigte Folgen von „Die Brücke“, „The Fall“ und der Eigenproduktion „Blochin“ schon vor der TV-Ausstrahlung in der Mediathek. Amazon konterte Netflix, ließ mit Eigenproduktionen wie „Transparent“ und „Bosch“ von sich hören und sicherte sich die Ausstrahlungsrechte von begehrten Serien wie „Mr. Robot“, „The Affair“ oder unlängst „The Shannara Chronicles“. Auch Privatsender wie RTL und Vox bekamen plötzlich Lust auf Veränderung und ließen die viel gelobten Qualitätsserien „Deutschland 83“ und „Club der Roten Bänder“ produzieren. Selbst Sky löste sich ein wenig vom klassischen Einheitsprodukt Abo-TV und setzte verstärkt auf Online-Dienste und Serien – die sich erstmals auch ohne ein TV-Abo buchen lassen. Zusammen mit der ARD lässt Sky sogar die geplante Erfolgsserie „Babylon Berlin“ mit Regisseur Tom Tykwer produzieren.

All das fand nach dem Start von Netflix statt. Heute heißt es nicht mehr: Geht nicht und wollen wir nicht, sondern immer mehr: Welche Möglichkeiten haben wir und wie machen wir das am besten? Schalte ich heute meinen Fernseher ein, dann geht der Weg eigentlich fast immer zuerst zu Netflix, Amazon Prime Video auf meinem Fire TV oder zu ähnlichen Streaming-Diensten. Aber auch klassisches Fernsehen gucke ich heute wieder öfter. Es ist jetzt schon gefühlt besser geworden. Und es würde mich nicht wundern, wenn die Sender guten Willens sind, im kommenden Jahr da noch eine gehörige Schippe drauf zu legen.

Das alles ist nicht allein Netflix‘ Verdienst. Aber wäre der Service nicht vor gut einem Jahr in Deutschland gestartet – ich bin mir sicher, der Durchbruch wäre heute noch nicht da. Manchmal muss jemand von außen kommen, um etwas zu verändern, was einfach festgefahren ist. Oder wenigstens den Anstoß dazu zu geben. Netflix hat diesen Anstoß geliefert und ist für mich deswegen das Produkt des Jahres.

Netflix bietet verschiedene Abo-Modelle für rund 10 Euro im Monat an, womit Kunden beliebig viele Serien und Filme auf der Plattform schauen können. Darunter sind Eigenformate, aber auch viele andere beliebte Serien und Spielfilme.

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