Kann mir bitte jemand „Unbreakable Kimmy Schmidt“ erklären?

Mit Comedyserien ist das immer so eine Sache. Wenige neue Formate begeistern ein breites Publikum, viele Versuche werden von den Sendern deswegen gleich wieder aufgeben. Produzenten und Zuschauer einigen sich dann stillschweigend auf gleich acht bis zehn Staffeln erfolgreicher Formate wie „How I Met Your Mother“, „Scrubs“, „Big Bang Theory“ oder „Friends“. Weil der Erfolg solcher Serien im TV schwer planbar ist, ist online vielleicht genau die richtige Plattform für den Start einer neuen Show wie der Netflix-Serie „Unbreakable Kimmy Schmidt„. Eine in allen Belangen sonderbare Serie, die mich ein wenig ratlos zurücklässt.

Kurz zum Inhalt: Kimmy Schmidt ist eine naives Landei Mitte 30, das zusammen mit drei Schwestern einer Sekte die letzten 15 Jahre in einem Erdloch abgeschnitten von der Außenwelt verbracht hat, weil sie vermutet hat, die Welt wäre untergegangen. Ein SWAT-Team schließlich befreit die vier Schwestern, und Kimmy muss sich ein neues Leben aufbauen. Und welche Stadt eignet sich dafür besser als „The City of Opportunity“, New York? Dort angekommen findet Kimmy gleich am ersten Tag eine Wohnung als Mitbewohnerin des schwulen und Möchtegern-Schauspielers Titus und Arbeit als Haushaltshilfe bei der reichen Jacqueline.

In der 1. Staffel scheint es darum zu gehen, wie Kimmy sich in diesem neuen Leben zurechtfindet. Scheint, denn als Zuschauer wundert man sich, wie souverän Kimmy das anstellt. War sie nicht eben noch 15 Jahre unter der Erde und abgeschnitten von der Außenwelt? Und schon trumpft sie plötzlich in New York auf, leistet ihren neuen Mitmenschen sogar erfolgreich Fürsorge, statt sich von der dortigen Ellenbogenmentalität blaue Flecken zu holen. Ist das glaubwürdig? Soll es das überhaupt sein?

Was sonderbar ist: Obwohl diese Serie so überdreht daher kommt und ich sie – anders als viele andere Rezensenten – gar nicht wirklich lustig finde, konnte ich mich in den ersten Folgen kaum davon losreißen. Für mich gab es überhaupt nur wenige Lacher, was für eine Comedy-Serie eigentlich ungewöhnlich ist. Und doch: Dieses hohe Tempo, diese bunten Kulissen, diese verrückten Charaktere ließen mich in den ersten Folgen dranbleiben. Der Grund dafür waren weniger Handlung und Spannung als eher Verwunderung: „Was wollen die mir damit sagen? Habe ich das gerade richtig verstanden? Vielleicht sagt mir ja die nächste Folge, worauf die hinaus wollen.“

Was mir ungewöhnlich scheint: Die Produzenten scheinen gar nicht auf den schnellen Lacher aus zu sein. Dafür sind zu viele Gags nur angedeutet statt zu Ende erzählt. Die Rollen sind dafür durchweg gut besetzt mit der bekannten Hollywood-Diva Jane Krakowski und natürlich Ellie Kemper in der Hauptrolle. Ein echter Hingucker und für mich der heimliche Star der Serie ist Titus Burgess als Kimmys talentierter Mitbewohner. Schade: Er scheint dem Vernehmen nach in der bereits geplanten zweiten Staffel nicht mehr dabei zu sein.

In Folge 7 schließlich ertappe ich mich dabei, wie ich ein paarmal laut los lache – und Kimmy mir gleichzeitig endgültig auf die Nerven geht. Ich bin mittlerweile bei Folge 9 angelangt und mir nicht ganz sicher, ob ich überhaupt weitergucken will. Wahrscheinlich werde ich das am Ende doch tun, weil ich sonst das Gefühl hätte, etwas zu verpassen. Eine Antwort auf die Frage nach dem Warum allerdings glaube ich nicht mehr zu finden. Vielleicht ist es eine weitere Parabel auf New York, wie schon in der Vorläuferserie „30 Rock“. Die gleiche Handschrift von Showrunner Tina Fey ist auf jeden Fall unverkennbar. Vielleicht soll es uns sagen, dass es die positive Einstellung braucht, um im großen New York bestehen zu können, die eben nur ein naives Landei mitbringen kann.

Oder dass Humor einfach grundverschieden ist.

Oder was ist eure Erklärung?

„Unbreakable Kimmy Schmidt“ wurde für den US-Sender NCB entwickelt, aber noch vor der Ausstrahlung an die Streaming-Plattform Netflix weiterverkauft. Alle 13 Folgen der ersten Staffel stehen dort seit Anfang März zum unbegrenzten Anschauen zur Verfügung.

Anmerkung: Anders als es in einer früheren Version dieses Beitrags hieß, wurde „Unbreakable Kimmy Schmidt“ ursprünglich nicht für Netflix entworfen, sondern für den US-Sender NBC. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen!

Bilder: Netflix

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3 Kommentare zu “Kann mir bitte jemand „Unbreakable Kimmy Schmidt“ erklären?
  1. Kommt mir bekannt vor. Haben sie zu Ende geguckt und hoffen auf Staffel 2. Meine Frau fand die Serie , glaube ich, sogar ein wenig besser als ich. Aber gut kann man generell nicht so recht sagen. Seltsame Kuriosität. Aber ich glaube, es liegt an der Grundidee und an den doch sympathischen Charakteren. Das reicht wohl schon, um es weitergucken zu wollen. Und ich finde Kimmy niedlich. 🙂

  2. Habe gerade mit der Serie angefangen und finde sie im besten Sinne „total crazy“. Die ganze Prämisse ist völlig bekloppt für eine Comedyserie und ich glaube, das macht es gerade aus. Bin jedenfalls bislang die meiste Zeit baff, was ich da gerade sehe 😉 Wenn das einschlägt, können wir uns auf noch wesentlich absurdere Dinge vorbereiten, glaube ich. Ich fänd’s gut. 😀

  3. Ja, Mensch: Der Jati hat sich herverirrt 🙂 Das freut mich ja 😉 Wenn ich das alles so lese, muss ich wohl mal einen Fernsehabend damit verbringen mitreden zu können. Bin gespannt darauf. Aktuell bin ich bei Mad Men und House of Cards im dauer-Wartemodus.

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