Kampf ums Wohnzimmer: Smartphone-Betriebssysteme drängen auf Smart TVs

Mini-Trend: Auf der diesjährigen Elektronikmesse CES in Las Vegas haben gleich mehrere Anbieter Fernsehgeräte vorgestellt, die mit den für Smartphones konzipierten Betriebssystemen Android, WebOS und Firefox OS ausgestattet sind.

Der Hersteller TP Vision, der mittlerweile die Fernseher für die altbekannte Marke Philips herstellt, ließ auf der CES wissen, dass in Zukunft die meisten der Luxus-Smart-TVs des Herstellers mit einem Android-System ausgestattet würden. Dann ließen sich kompatible Apps auf Googles Play Store ebenso auf einem Philips Smart TV installieren, wie dort Spiele spielen oder Apps spiegeln. Als Fernbedienung könnten Smartphones oder Tablets zum Einsatz kommen. LG und und Panasonic haben ihre ganz eigene Antwort darauf.

So hat LG auf der Messe erste Smart TVs mit dem ursprünglich von Palm entwickelten Betriebssystem WebOS vorgestellt. Das auf Karten basierende Betriebssystem war erstmals 2008 vorgestellt worden und hatte viele Nutzer mit seiner intuitiven Bedienoberfläche begeistert. Weil die dazu passende Hardware aber nie vollends überzeugen konnte, verkauften sich die Geräte eher schlecht. Palm geriet in wirtschaftliche Schräglage und wurde 2010 von HP aufgekauft. HP wiederum legte noch einmal eine Serie von Smartphones und einem Tablet mit WebOS auf, die ein Jahr später auf den Markt kam, aber dem Vergleich mit damals vergleichbarer Hardware wie dem iPad 2 nicht Stand hielt.

Panasonic testet Firefox OS

Der damalige HP-Chef Leo Apotheker stampfte die WebOS-Produkte nur wenige Wochen nach dem Verkaufsstart wieder ein. Das System wurde teils Open Source gestellt und zum Teil Anfang 2013 an LG verkauft. Die Koreaner kündigten an, das System für Smart TVs einsetzen zu wollen und hielten nun Wort. Die LG-Fernseher mit WebOS können sich nun tatsächlich sehen lassen. LG hat ordentliche Arbeit geleistet.

Und dann wäre da noch Panasonic, das bei so viel Experimentiererei nicht nur zusehen mag und deswegen eine Kooperation mit Mozilla angekündigt hat: Das noch junge Firefox OS soll auf einigen Smart TVs der Japaner erscheinen und dann natürlich spezielle Apps des Systems unterstützen. Nachdem das System auf Smartphones bisher nicht ohne weiteres überzeugen konnte, ist es fraglich, wie erfolgreich Panasonic hiermit fahren kann. Der Weg zu einer ansprechenden TV-Oberfläche zumindest ist bei Firefox OS am weitesten.

Google TV ist nicht mehr

Einerlei zumindest ob Smartphone-System oder nicht: Praktisch jeder TV-Hersteller experimentiert derzeit mit Smart-TV-Systemen. Roku etwa wird auf TV-Geräten des Neulings Polaroid zum Einsatz kommen, Samsung hat im vergangenen Jahr den Anbieter der intuitiven Smartphone-Oberfläche Boxee gekauft. Loewe preist seine Eigenentwicklung MediaNet an, Apple rüstet bestehende TV-Geräte mit seiner TV-Box Apple TV aus. Google macht TV-Geräte mit HDMI-Anschluss mit seinem Chromecast zu Smart TVs.

Unterdessen hat sich ein altes, lange Zeit verheißungsvolles System klammheimlich von der Bildfläche verabschiedet: Google TV ist tot, wie die Kollegen von AndroidNext treffend schreiben. Die Oberfläche wurde zu Gunsten von Android oder der Bezeichnung „Powered by Android“ aufgegeben. Im Prinzip ist das schade, denn Google TV war ein recht innovatives Konzept. Die Nutzung von Play-Store-Apps allerdings hat für den Zuschauer Vorteile: Sie sind im Prinzip ja schon da und müssen von Entwicklern nur noch angepasst werden. In den kommenden Jahren werden wir eine Art Kampf ums Wohnzimmer erleben, bei dem sicherlich nicht alle Systeme überleben werden.

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