Kampf der Systeme: Firefox OS, Android, Tizen und WebOS buhlen um die Vorherrschaft auf dem Fernseher

Hätte man zwei Jahre lang im Dornröschenschlaf gelegen und würde jetzt aufwachen, dann würde man sofort denken: Smartphones! Hier buhlen vier Systeme um die Weltherrschaft auf dem Mobiltelefon oder Tablet. Denn genau daher stammen Android, Firefox OS und die weniger bekannten Tizen und WebOS. Doch die Schlacht wird ganz woanders geschlagen: Die Systeme erobern gerade Neuland auf TV-Geräten und haben dort allesamt starke Partner an der Hand. Doch wird der Kampf hier ähnlich brisant werden wie auf dem Smartphone? Und ist das überhaupt zum Wohle der Kunden?

Betriebssysteme: Kaum ein Hersteller geht noch ohne

Zunächst einmal ist das eine tolle Nachricht: So viel Bewegung und Innovation gab es bei der Entwicklung der Smart TVs schon lange nicht mehr. Die Geräte-Hersteller bemühen sich stärker denn je um eine intuitive Bedienung und vertrauen dabei auf diejenigen, die sich damit auskennen müssen: Entwickler von möglichst anwenderfreundlichen Betriebssystemen. Was auf Smartphones und Tablets funktioniert, kann – natürlich in angepasster Form – auf TV-Geräten ja nicht schlecht sein. Die vier Systeme und ihre Verbreitung im Überblick:

  • Panasonic setzt bei neuen Smart TVs der Life+Screen-Serie auf Firefox OS. Das von Mozilla entwickelte mobile Betriebssystem soll sich auch für eingebettete Systeme eignen, hat aber bisher auf Smartphones nur in einigen Schwellenmärkten signifikante Marktanteile erzielt.
  • LG kaufte bereits vor zwei Jahren von HP das, was von Palms WebOS noch übrig geblieben war. Auf den TV-Geräten der Koreaner erlebt das System einen Erfolg, der ihm auf Smartphones nie vergönnt war, auf der aktuellen CES mittlerweile sogar schon in der 2. Generation. Daneben wird WebOS auch auf LGs neuer Smartwatch eingesetzt, die auf der CES von Audi vorgeführt wurde.
  • Samsung verwendet für alle eigenen Smart TVs künftig die Eigenentwicklung Tizen. Die geht aus dem Vorläufer Bada und der Linux-Mobile-Plattform LiMo hervor. Auf Smartphones ist sie seit Jahren angekündigt, ohne jemals auf einem konkurrenzfähigen Gerät erschienen zu sein, in Samsungs Smart Camera NX 300M kommt das System aber ebenso zum Einsatz wie jetzt in den neuen Smart-TV-Geräten der Koreaner.
  • Philips, Sharp und Sony setzen derweil auf Googles noch junges Android TV, welches das jahrelang eher mäßig erfolgreiche Google TV ablöst. Erste Geräte gab es schon im vergangenen Jahr zu sehen, künftig wollen die drei Hersteller bei den meisten ihrer TVs auf das angepasste, auf Mobilgeräten weit verbreitete System setzen.

Harter Kampf um die Marktanteile?

Auf bereits bekannte Systeme zu setzen, hat für die Hersteller neben der erprobten Benutzerfreundlichkeit noch einen weiteren Vorteil: Apps. Bereits auf Mobilgeräten vorhandene Apps können von Entwicklern mit wenig Aufwand auch auf TV-Geräte portiert werden. Als großer Vorteil erweist sich das für Apps von Streaming-Plattformen wie Netflix, Sky, Maxdome, Spotify oder Deezer. Sprechen die Systeme auf dem Handy und auf dem TV gar noch dieselbe Sprache, lässt sich der Bildschirminhalt vom Smartphone unter den geeigneten Voraussetzungen auch ohne weitere Apps auf das TV-Gerät übertragen. Android und Firefox OS haben hier den Vorteil, dass es auch Mobilgeräte mit ihnen im Einsatz gibt. Tizen und WebOS sind dafür Plattformen, die offene Web-Standards unterstützen. Apps können also leicht dafür entwickelt werden.

Kunden dürften in jedem Fall von verbesserten Bedienkonzepten und einer größeren App-Auswahl profitieren. Hersteller könnten dank moderner und bekannter Systeme einen weiteren Zulauf erleben. Und Smart TV stehen noch längst nicht in jedem Wohnzimmer; der Bedarf könnte in den nächsten Jahren steigen.

Konkurrenz kommt allerdings von anderer Seite: Mit Set-Top-Boxen wie Apple TV und Googles Android Player sowie Streaming-Sticks wie Google Chromecast lassen sich bereits vorhandene TV-Geräte auch ohne teuren Aufwand zu Smart TVs aufrüsten. TV-Geräte mit nativen Smart-TV-Betriebssystemen haben die Chance auf eine bessere Benutzerführung ohne Umwege – zum Wohle der Kunden. Ob es deswegen einen ähnlich harten Kampf um die Marktanteile geben wird wie bei Smartphones, bleibt indes abzuwarten.

Bild: Samsung

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