House of Cards, Staffel 3: Eine Woche Binge-Watching mit dem US-Präsidenten

Vielleicht ist es gar nicht einmal so überraschend: Da schaut man eine Serie, die extra so vertrieben wird, dass man sie sich am Stück oder portionsweise anschauen kann. Und dann kommt eben diese Serie unaufgeregter mit weniger Cliffhangern am Schluss einer einzelnen Episode aus. Die Zuschauer müssen eben nicht noch für die nächste Folge heiß gemacht werden, die erst in einer Woche erscheint. Sie wollen und können ja sowieso dann gucken, wann sie wollen. Das ändert also auch die Erzählweise – weiterschauen will man aber natürlich trotzdem. Das ist das positive Fazit der dritten Staffel der US-Politserie „House of Cards“.

Gleich vorweg: Ganz ohne Spoiler wird unser Review nicht auskommen. Zumindest von Staffel 3 werden wir hier nichts verraten, was im Vorab-Trailer nicht schon in Aussicht gestellt wurde, aber wer die ersten beiden Staffeln noch nicht zu Ende gesehen hat, der sollte hier besser nicht weiterlesen, auch wenn wir versuchen, nicht zu viel zu verraten.

Im Vordergrund der 3. Staffel steht natürlich Francis Underwood, der sich mittlerweile zum US-Präsidenten „hochgearbeitet“ hat, ohne jemals für das Amt gewählt worden zu sein. Doch die Serie beginnt mit einem ausführlichen Porträt seines früheren Assistenten Doug Stamper. Nicht ohne Grund bildet Stampers Geschichte eine Art Rahmenhandlung der 3. Staffel. Im Rampenlicht stehen allerdings der Präsident und seine First Lady Claire, die es diesmal unter anderem mit dem selbstgefälligen russischen Präsidenten Viktor Petrov zu tun bekommen (großartig besetzt mit dem Dänen Lars Mikkelsen, der sicher nicht zufällig eine frappierende Ähnlichkeit mit einem gewissen Wladimir Putin aufweist).

House_of_Cards_Putin

Natürlich ist Präsidentsein nicht einfach. Überall lauern Stolpersteine, politische Feinde, meterhohe Hürden. Wenn Underwood etwa ein staatlich subventioniertes Mammut-Jobprogramm auflegen will, das die Arbeitslosigkeit landesweit eliminiert, ist nicht nur die Opposition geschlossen dagegen. Doch dieser Francis Underwood, den man in den ersten beiden Staffeln schon hassen gelernt hatte, macht seine Sache sehr gut und setzt seine Ideen gegen alle Widerstände durch. Ein vorbildlicher Politiker, der etwas bewegen will, meint man fast. Bis, ja bis die schleichende Wende kommt. Aber worin die besteht, soll an dieser Stelle nicht vorweg genommen werden.

Spannung verflogen? Vielleicht nur Anderes erwartet

Kritiker monierten, die 3. Staffel würde im Vergleich zu den ersten beiden an Spannung verlieren, die Magie wäre ein Stück weit verflogen. Das können wir nicht so ganz stehen lassen. Die 3. Staffel ist anders als die ersten beiden. Es gibt vielleicht weniger dieser Szenen, bei denen dem Zuschauer vor Abscheu die Spucke wegbleibt. Aber dann hört man immer wieder die Spannung nahezu knistern, wenn etwa der russische Präsident auf dem Bankier im Weißen Haus zu Gast ist und der Serienkenner die ganze Zeit erwartet, dass nun eigentlich ein Moment kommen müsse, wie er „Game of Thrones“-Fans noch unliebsam von einer gewissen „roten Hochzeit“ bekannt ist.

House_of_Cards_S3_Claire

Ein wenig mehr Thriller-Atmosphäre hätte man sich durchaus doch noch gewünscht. Mächtige Gegenkräfte aus der Presse, die schon in den ersten beiden Staffeln an Underwoods Stuhl sägen, fehlen als Gegengewicht in Staffel 3. Der Dramaturgie tut das allerdings nur, wenn überhaupt, dann einen kleinen Abbruch. Es sind fantastische Einzelfolgen darunter und insgesamt ist eigentlich kaum ein Spannungsabfall erkennbar. Dass Underwood nun als Präsident sein politisches Ziel eigentlich schon erreicht hat und mehr als eine Wiederwahl eigentlich nicht möglich ist, nimmt allerdings tatsächlich ein wenig der Spannung vorweg. Der Zuschauer weiß, dass es ja schon irgendwie mit ihm als Präsidenten weitergehen muss, sonst wäre die Serie bald zu Ende.

Einziger echter Wermutstropfen: Staffel (noch) nicht bei Netflix zu sehen

Bei „House of Cards“ Staffel 3 dürften Fans der Serie trotzdem wieder voll auf ihre Kosten kommen. Starke Charaktere und Drehbücher halten die Qualität oben. Schade ist eigentlich nur, dass Produzent Netflix die Erstausstrahlungsrechte in Deutschland an Sky verkauft hat. Netflix-Kunden gucken hierzulande noch ein paar Monate lang in die Röhre und kommen sich ein wenig verschaukelt vor. Wieso wird man denn Kunde bei der Serien- und Filmflatrate, wenn nicht vor allem für deren hochklassige Eigenproduktionen? Verfügbar ist die 3. Staffel derzeit beim Bezahlsender Sky, der alle 13 Folgen zeitgleich auf seinen Abrufdiensten Sky Go (für Abonnenten) und Sky Online (für reine Online-Nutzer im Paket Sky Film) anbietet. Auf dem Spartenkanal Sky Atlantic startet morgen zunächst die Wiederholung der 2. Staffel.

Zusammenfassung

Die 3. Staffel: Anders als die ersten beiden. Es fehlt ein klarer Antagonist, dafür gibt es Gegenspieler gleich mehrere. Trotz der etwas anderen Machart eine klare Empfehlung von uns.
Underwood als Präsident, wie schlägt er sich? Fast würde man sagen: souverän und erstaunlich sympathisch, bis, ja bis…
Lieblingsepisode: Folge 6
Lieblingsmoment: „What are YOU looking at?“
Faszinierendster Charakter: Lars Mikkelsen als Viktor Petrov oder dann doch wieder Francis Underwood, weil man sich nicht entscheiden kann, ob man ihn nun lieben oder hassen soll.

Bilder: Netflix

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