House of Cards: ProSieben maxx zeigt komplette 2. Staffel an nur zwei Tagen

Für Serienfreunde ein interessantes Experiment: Weil die erste Staffel der Politserie „House of Cards“ aufgrund eines ungeschickt gewählten Sendetermins bei Sat.1 gefloppt war, versucht sich ProSiebenSat.1 bei der 2. Staffel an einem mutigeren Experiment. Im September zeigt der kleinere Sender ProSieben maxx die 13 Folgen der 2. Staffel zur Prime Time – und als „Koma-Event“.

Der Sender strahlt die 13 Folgen an nur zwei Tagen aus. Die ersten sieben davon sind am Freitag, dem 5. September, ab 20.15 Uhr zu sehen. Zuschauer müssen hier gutes Sitzfleisch haben, denn der Marathon dauert bis fast 3 Uhr nachts. Und am nächsten Tag geht es direkt weiter, wieder um 20.15 Uhr und mit den restlichen sechs einstündigen Folgen.

Ob das Experiment diesmal gelingt, ist fraglich. Viel zu verlieren hat ProSieben auf dem Nischensender allerdings nicht. Dass Sat.1 im vergangenen November mit der deutschsprachigen Free-TV-Premiere der preisgekrönten Serie gefloppt war, wurde unterschiedlich interpretiert. Während einige Kritiker den schlechten Sendeplatz dafür verantwortlich machten (Sat.1 strahlte die Serie am Freitagabend um 23.15 Uhr in Doppelfolgen aus), sahen andere darin den Beweis dafür, dass Dramaserien im Fernsehen nicht funktionieren.

Binge-Watching im Free TV – kann das funktionieren?

Ob ProSieben maxx diesmal den Gegenbeweis wird antreten können, ist fraglich. Zwar eignet sich eine spannende Serie wie „House of Cards“ tatsächlich am besten dazu, nach eigenem Ermessen geguckt zu werden. Ist ein Zuschauer allerdings auf ein vom Sender vorgegebenes Mammutprogramm angewiesen, ist die ursprünglich geplante Sendeweise im Grunde schon wieder hinfällig. Nach eigenen Erfahrungen mit diesem eben so genannten Binge-Watching („Koma-Gucken“) lässt sich feststellen: Man schafft tatsächlich mehrere Folgen am Tag, allerdings legt man die Pausen dazwischen am liebsten selbst fest und nicht, wann ein Sender das will. Da „House of Cards“ aufgrund des komplexen politischen Inhalts nicht so leicht konsumiert werden kann, sind sieben oder sechs Folgen an einem Abend eine sehr schwere Kost.

Ich persönlich würde ein wenig mehr Zeit dazwischen lassen, auch, weil diese starke Serie ansonsten ein wenig zu schnell verpufft. ProSieben maxx gebührt Mut, der Serie diesen Event-Charakter zu verleihen. Am Ende jedoch dürfte sich die von Netflix gewünschte Rezeption am ehesten empfehlen: Die US-Online-Videothek, die diese Serie in Auftrag gab und exklusiv bei sich ausstrahlte, bot alle 13 Episoden der Staffel zeitgleich an und überließ es den Zuschauern, sie zu gucken, wann sie wollten. Eine Ausstrahlungsweise, die man so von Programmverantwortlichen noch nicht gesehen hatte, die derzeit im Trend liegt, die neue Erzählformate begünstigen kann – und die schlicht schwer im linearen Fernsehprogramm abbildbar ist. Auch nicht mit einem vorgegebenen Serienmarathon.

„House of Cards“ erzählt die Geschichte des skrupellosen Kongressabgeordneten Francis Underwood, der möglichst schnell US-Präsident werden will und dabei das nicht selten dreckige Geschäft der Politik beherrscht wie kein anderer.

Wie gefällt Dir dieser Beitrag?
Bewertung wird geladen …
Nichts mehr verpassen!

Bleib immer auf dem neuesten Stand mit unserem Newsletter! Täglich um 17:00 Uhr frisch in deinem Postfach.

Newsletter abonnierenRSS-Feed abonnieren
Schreibe einen Kommentar

Hinterlasse hier deinen persönlichen Kommentar. Wir freuen uns über deine Meinung.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

*