HDTV kommt – und könnte schon bald enttäuschen

HDTV kommt – und könnte schon bald enttäuschen

Die gute Nachricht vorweg: Wenn Sie sich in den vergangenen fünf Jahren einen neuen Fernseher gekauft haben, dann ist es beinahe unmöglich, dass dieser nicht auch HD-fähig ist. Die Hersteller haben frühzeitig damit begonnen, Flachbildfernseher mit Displays auszustatten, die „HD ready“ sind oder „Full HD“ bieten. Wenn ein solcher Sticker am Karton ihres TV-Geräts klebt, dann werden sie HD empfangen können.

Und gleich noch eine gute Nachricht hinterher: Die Sender und Netzbetreiber arbeiten in letzter Zeit verstärkt daran, ihr Programm in HD über den Äther zu schicken. Die Initiative HD Plus wirbt derzeit verstärkt mit einer Verbreitung von HD über Satellit. Die Kabelnetzbetreiber UnityMedia, Kabel Deutschland und Kabel BW sowieso. Und auch über DVB-T können Sie einige Sender in HD empfangen. Doch nun die schlechte Nachricht: Die meisten ihrer Elektronikgeräte könnten schon heute viel mehr darstellen als nur HD und haben ihre Augen bereits verwöhnt.

Die ersten Smartphones lösen besser auf als TV-Programme

HDTV – das haben wir kürzlich in unserer kleinen Formatkunde hier angesprochen – meint eine Auflösung von 1.280 x 720 Pixeln. Dies wird auch 720p genannt. Was sie bisher sahen, ist Standard Definition (SD) mit einer Auflösung von 480p oder 576p. Geben wir hier offen zu: Der Sprung lohnt sich, auch wenn der Zuwachs an Auflösung eher gering klingt. Doch jeder, der schon einmal ein TV-Bild in HD gesehen und mit SD verglichen hat, wird den Unterschied sofort feststellen und nicht mehr zurück wollen.

Die erste Enttäuschung allerdings folgt gleich auf dem Fuße: HD ist kein Full HD. Mit letzterem ist eine Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln oder die Bezeichnung 1080p gemeint. Wenn Sie in diesem Winter ein etwa 5 Zoll großes Smartphone der höheren Preisklasse kaufen, dann ist die Chance groß, dass dessen Display mit 1080p auflöst. Und dass dessen Kamera auch Videos in 1080p, also Full HD, aufnimmt. Sprich: Selbst das kleine Smartphone da in ihrer Hand bietet schon eine bessere Auflösung als die HD-Kanäle auf ihrem Fernseher. Das neue Amazon Tablet Kindle Fire HDX übertrumpft Full HD gar noch – obwohl es bloß 7 Zoll groß ist. Und die ersten Laptops der Spitzenklasse geben sich mit Full HD nicht mehr zufrieden. Sharp und Samsung stellten in diesem Jahr bereits Laptop-Displays mit einer Auflösung von 3.200 x 1.800 Pixeln vor, etwa doppelt so viel wie Full HD.

HD eher enttäuschend?

Womit wir dann auch bereits in der Nähe von Ultra HD wären. Mit der kommenden Definition 4K ist eine Auflösung von 2.160p, also 3.840 × 2.160 Pixeln gemeint. Es wäre die vierfache Full-HD-Auflösung. Erste Mediatheken wie von Sony führen bereits Filme mit dem kommenden Standard. Zahlreiche TV-Geräte, die in diesem Jahr unter anderem auf der IFA vorgestellt wurden, bieten eine 4K-Auflösung. Noch sind die Geräte teuer, aber der Standard wird kommen. Vergleicht man einen großen Wohnzimmer-Fernseher mit einem Smartphone und bedenkt dabei, dass beide heute die gleiche Auflösung haben, dann macht eine höhere Auflösung für Fernseher auch durchaus Sinn.

Allerdings stellen die hohen Datenmengen von 4K UHD enorme Anforderungen an die Datennetze, die derzeit nicht für einen Massenbetrieb mit einem Verbrauch von rund 1 GB pro Minute ausgerüstet sind. Die Netzbetreiber zeigen sich deswegen interessiert an dem neuen Standard, sie wissen aber sehr gut, dass noch eine Dekade ins Land ziehen kann, ehe Ultra HD in Deutschland flächendeckend verfügbar sein wird. Die Gerätehersteller sind den Netzbetreibern um Jahre voraus. Fairerweise muss man dazu sagen, dass ein flächendeckender Ausbau schneller Netze ein geschätztes Tausendfaches der Produktion eines neuen TV-Gerätes kostet.

Angesichts dieser Möglichkeiten und höher auflösender Standards allerdings wirkt HD mit 720p plötzlich gar nicht mehr so attraktiv. Es ist eine notwendige, ein überfällige Aufrüstung. Aber Einfach-HD wird nur eine Durchgangsstation sein – und könnte von Nutzern mit hochauflösenden Smartphone-Displays vielleicht schon bald als ein wenig enttäuschend empfunden werden. Zumal bereits der nächste Standard in Planung ist: 8K UHD, ein Bild mit der vierfachen 4K-Auflösung. Ein Ende wird hier wohl nie erreicht sein.

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2 Kommentare zu “HDTV kommt – und könnte schon bald enttäuschen

  1. Diese Jagd nach immer höherer HD-Auflösung erinnert mich stark an den Megapixel-Wahnsinn bei Digitalkameras. Da ist mittlerweile auch ein Punkt erreicht, an dem normales DSLRs mit 20-30 MP auflösen und dann der PC/Mac zum Flaschenhals wird, weil so viele Daten auch erst einmal verarbeitet werden wollen und es zudem auch fraglich ist, ob der normale Verbraucher solche Auflösungen überhaupt benötigt. Einige Hersteller zeigen aber auch Vernunft und schrauben bei neuen Modellen die MP nicht weiter hoch. Ich hoffe, dass sich auch bei den HD-Auflösungen irgendwann ein gesundes Mittelmaß einpendeln wird. Wenn ich lese, dass mit 4K UHD 1GB pro Minute fällig wird (=133 MBit/s), kann ich über 8K nur den Kopf schütteln. Glaube aktuell nicht, dass das in den nächsten 10-15 Jahren zum Standard wird. Vom Gigabit-DSL sind wir dafür noch viel zu weit entfernt.

    1. Zudem sind die Megapixel ja garnicht der einzig entscheidende Faktor ob ein Bild scharf wird oder nicht, es ist nur die gängigste Eigenschaft die so kursiert.

      Ich persönlich habe die HD-Ready Generation abgewartet und erst dann zugeschlagen, als ein paar Full-HD Geräte auf dem Markt zu normalen Preisen waren. Damit bin ich auch zufrieden.

      Sollte 4K der Standard werden und viele TV-Sender etc mitziehen bzw die Übertragungsnetze ausgebaut sein, dann werde ich auch dort wieder aktiv werden. 😉

      Dennoch muss man schon sagen, HD gegenüber SD -> Welten.

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