“Ground Floor” in der TV-Serien-Kritik: Der Kapitalismus als Bühne für eine sympathische Comedy

Die Geschichte ist eigentlich schnell erzählt: Ganz oben in einem Hochhaus in San Francisco arbeiten die Karrieristen, ihr turbokapitalistischer Chef gönnt ihnen keine Pause. Im Keller des gleichen Gebäudes arbeiten die Geringqualifizierten, die wenig verdienen, sich um die Haustechnik kümmern und viel Spaß dabei haben. Auf einer Firmenfeier lernt Brody von oben die unkomplizierte Jenny von unten kennen und verliebt sich in sie. Ihrem selbstverliebten Kollegen Harvard passt das gar nicht. Willkommen bei der TBS-Comedyserie „Ground Floor„.

Die Botschaft der Comedy ist natürlich offensichtlich: Karrieristen haben keinen Spaß und aufgrund ihrer 100-Stunden-Woche und ihres fürstlichen Gehalts die Bodenhaftung verloren. Die unten verdienen zwar kein Geld, aber haben dafür ein lustiges Leben. Besonders anstrengen müssen sie sich dabei nicht. Der einzige Berührungspunkt, den man überhaupt noch hat, ist das Nachtleben. Da ist sie also endlich: die Parodie des menschenverachtenden Kapitalismus‘.

Ein Wiedersehen mit „Dr.Cox“

Die Kritik bleibt zwar seicht, doch die Rollen sind geschickt verteilt. Natürlich steht die Schwierigkeit der Beziehung von Jenny und Brody im Vordergrund. Doch eigentlich jeder Charakter ist derart überzogen, dass sich hieraus sympathischer Humor entwickelt: der hoffnungslose Gutmensch Jenny, der leicht rebellierende und deswegen umso erfolgreichere Sympathieträger Brody, der kreative Intrigant Harvard, der erfolglose Opportunist Threepeat oder die Arbeitsverweigerin Tori, die ihren Job trotzdem behält, nur weil sie gut aussieht.

Ground Floor

John C. McGinley, der in der Krankenhauscomedy „Scrubs“ den selbstverliebten und doch innerlich zerrissenen Zyniker Dr. Perry Cox mimte, schlüpft auch in „Ground Floor“ wieder in seine Paraderolle als Misanthrop. Seine Untergebenen hart arbeiten lassen, um ihnen am Schluss doch den verdienten Bonus zu streichen – das ist seine vermeintliche Taktik, um den Nachwuchs abzuhärten und sich wenigstens einen würdigen Nachfolger heranzuzüchten. Seine menschliche Seite blitzt eigentlich nur dann auf, wenn Brody ihn wieder einmal mit Beziehungsfragen nervt und der vermeintlich harte Chef plötzlich ehrlich gemeinte Tipps zur Verfügung stellt.

Ähnlichkeiten mit „The IT Crowd“

Vielleicht ist es der Stil einer britischen Comedy, der „Ground Floor“ so interessant macht – Ähnlichkeiten mit der Serie „The IT Crowd“ zeigen sich etwa in der Zusammensetzung der Kellermannschaft und des kapitalistischen Chefs. Nur ein Brody als sympathisches Bindeglied fehlt im Original. Der Humor ist allerdings ähnlich grotesk und entzündet sich an Kleinigkeiten. Da freuen sich die kleinen Leute im Keller über den Zigarrenregen von oben, weil der Chef es sich leisten kann, von jeder teuren Kubaner nur ein paar Züge zu nehmen und sie danach über dem Balkon zu entsorgen. Da klaut Harvard den leicht rollenden Schreibtischstuhl vom Chef, um endlich einmal das kellerinterne Stuhlrennen zu gewinnen. Da bietet der Chef Brody den besten Wein der Welt an – nicht um ihn zu belohnen, sondern um seinen Geschmack für immer zu verderben.

„Ground Floor“ ist im englischsprachigen Original ein Feuerwerk an hintergründigen Gags, die sich teilweise nur schwer übersetzen lassen werden. Es dürfte sich also lohnen, auf das Original zu warten. In Deutschland allerdings wurde die zehnteilige erste Staffel der Serie bisher noch nicht ausgestrahlt. Ein Zeichen dafür, dass sie im Mutterland aber durchaus gut ankam: TBS hat inzwischen die zweite Staffel bestellt. Sie soll im Dezember in den USA anlaufen.

Gute Comedy ist schwer. Den Produzenten von „Ground Floor“ allerdings könnte sie gelungen sein. Wir haben bereits vorab einen Blick auf die Folgen der ersten Staffel werfen können und waren trotz der offensichtlichen Botschaft sehr angetan: Das hat richtig Spaß gemacht!

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