Frauenquote bevorzugt: Kinos im Schweden möchten Filme nach dem Bechdel-Test bewerten

In Stockholm haben einige Kinos damit begonnen, Kinofilme nach dem sogenannten Bechdel-Test zu bewerten und danach Filme bevorzugt dann zu zeigen, wenn sie diesen Test bestehen. Der Bechdel-Test entscheidet darüber, wie präsent Frauen im Film auftreten und dargestellt werden.

Wer den Test bestehen will, muss drei Voraussetzungen erfüllen: Es müssen mindestens zwei Frauen vorkommen, sie müssen sich miteinander unterhalten und sie dürfen dabei nicht über Männer reden. Eine andere Fassung besteht auch noch darauf, dass es sich bei den Frauen nicht um Statistinnen handeln darf.

Der Test selbst wurde im Comic „Dykes to Watch out for“ von Alison Bechdel erstmalig erwähnt. Die Idee stammt von ihrer Freundin – Liz Wallace. Der Test wird in der neofeministischen Bewegung dazu verwendet, die Menge der Frauen in populären Medien zu bewerten. Neben Filmen wird dieser Test auch auf andere Medien angewandt. Ursprünglich bezog er sich jedoch nur auf Filme.

Die Kinos erhoffen sich von dem Bewertungssystem nicht nur eine größere Präsenz von Frauen in Filmen, sondern wollen darauf aufmerksam machen, dass Frauen immer noch eine zu kleine Rolle in populären Filmen spielen. Man möchte damit erreichen, dass Frauen im Film vermehrt gezeigt werden und zwar nicht nur als Beiwerk, das sich über Männer unterhält.

Auch wenn die Idee dahinter vielleicht nett ist – mehr ist sie nicht. Zu viele Kritikpunkte sprechen gegen eine Bewertung von Medien nach diesen drei Faktoren.

Der Test sagt nichts über die Qualität der Filme und der Rolle der Frau darin aus

Mein größter Kritikpunkt ist, dass die drei Regeln keinerlei Aussage darüber treffen, wie eine Frau in einem Film dargestellt wird. Hat man zum Beispiel einen Film mit einer starken Hauptdarstellerin, die aber sonst keine andere Frau hat, mit der sie redet, fällt dieser Film durch. Unterhalten sich in einem Film aber zwei Frauen klischeegetränkt endlos über Schuhe, dann besteht der Film diesen Test. Sollte das Ziel der Kampagne sein?

Ein bestes Beispiel für einen bestandenen Test, aber ein fragwürdig dargestelltes Frauenbild, ist die „Twilight“-Saga. Die Filme schaffen es alle durch den Bechdel-Test, allerdings besteht die Hauptgeschichte durchgehend daraus, dass die Hauptdarstellerin mit DEM einen Mann zusammen sein will und sich selbst völlig aufgibt, als er aus egoistischen Gründen die Beziehung beendet. Streckenweise behandelt er sie schlecht und unfair, verbietet ihr sogar den Umgang mit anderen Männern, mit denen sie befreundet ist – sie nimmt ihn aber in Schutz und beteuert ihre Liebe. Die Reihe zeigt sogar Ansätze zu selbstverletzendem und selbstgefährdendem Verhalten als Antwort auf die Ablehnung des Mannes. Da sich die Teenagermädchen aber auch über Abschlussbälle und Kleider unterhalten, schafft der Film es durch den Test.

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„Who’s Afraid of Viginia Woolf“, ein Film in dem Liz Taylor eine ihrer größten Rollen spielt, fällt durch. Wieso? Liz Taylor führt in dem Film größtenteils Monologe über ihr Leben und ihren Mann. Sie stellt damit den extremen Gegensatz zu der etwas eingeschüchtertern Studentin Honey dar, mit der sie sich nicht abgeben möchte. Und obwohl Martha das Bild der unabhängigen, selbstbestimmten Frau vermittelt, reicht es nicht für diesen Test.

Star Wars, die meisten Harry-Potter-Filme und fast alle Superhelden-Filme fallen ebenfalls durch. Wall-E übrigens auch.

Bestimmte Geschichten bevorzugen, andere beschneiden – eine Form der Zensur

Mein zweiter Kritikpunkt ist, dass die Bevorzugung von einer bestimmten Art von Storyplot beziehungsweise die Verweigerung der anderen Art der Geschichtengestaltung durchaus als Zensur gewertet werden könnte. In meinen Augen sollte man Filme, Bücher, Serien, wenn überhaupt, nur auf gesetzlichen Grundlagen basierend einschränken. Kunst sollte weder durch politische noch gesellschaftliche Strömungen eingeschränkt oder beschnitten werden.

Auch wenn ich die Idee gut finde, Frauen in populären Medien sichtbarer zu machen und es auch für wichtig halte, dass man dieses Thema anspricht, ist die Art und Weise, wie dies getan wird, ungeschickt. Die Ergebnisse dieser Methode liefern überhaupt keine Lösung. Die Bechdel-Methode nun aber als Wunderwaffe gegen die Diskriminierung von Frauen in Filmen zu feiern, ist oberflächlich.

Kunst ist nur der Spiegel der Gesellschaft

Kunst wird durch die Gesellschaft beeinflusst, in der sie gemacht wird. Ändert sich das Denken der Gesellschaft, ändert sich auch die Kunst. Das Frauenbild in der Kunst unterliegt einem steten Wandel. Dabei hat aber die Kunst die Gedanken der Gesellschaft widergespiegelt. Zwar kann Kunst auf ihren Betrachter beeinflussend wirken, jedoch sind die sozialen Geflechte viel größere Faktoren.

Wenn in einem Film Frauen ungerecht dargestellt werden und dieser Film erfolgreich wird, liegt das Problem in der Gesellschaft, die diesen Film erfolgreich macht, und nicht an dem Film, der dadurch erfolgreich ist.

Die Veränderung muss im Kopf eines jeden einzelnen stattfinden. Eltern müssen heute ihren Kindern beibringen, niemanden ungerecht zu behandeln, damit die späteren Generationen wie selbstverständlich damit umgehen. Wer mit anderer Erziehung aufgewachsen ist, muss seine Gedanken selbst hinterfragen. Die Einstellung, Erziehung und Prägung der Menschen ist der Auslöser. Filme, Bücher und andere Medien sind nur die Symptome unserer Zeit.

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Ein Kommentar zu “Frauenquote bevorzugt: Kinos im Schweden möchten Filme nach dem Bechdel-Test bewerten
  1. Genau sieht es aus.

    Ich brauche den Quatsch nicht, ich hab schon Filme (Alien 2, Terminator 1) mit starken Frauen gesehen wo die Salon Feministinnen noch in die Biowindel gemacht haben.

    Eher wird mir durch Zwang sowas vermiest.

    Eines ist mir aber auch klargeworden:

    Egal ob Rechte, Linke, Sozialisten, Feministen, Faschisten, Bolschwisten und Islamisten..sie sind doch im Kern alle gleich:

    Von der wirklichen Freiheit des Einzelnen haben sie alle keine Ahnung, sie denken nur in Gruppen und in Feindbildern und wie man andere (Mund)-Tot machen oder Umerziehen kann.

    Macht für den der sie nicht will.

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