Endlich ein kritischer Film, der die Welt wachrüttelt? Oliver Stone dreht Spielfilm über Edward Snowden

Regisseur und Filmproduzent Oliver Stone ist so etwas wie die kritische Stimme des US-amerikanischen Blockbuster-Kinos. Zwar nicht unpatriotisch aber dann doch meist schonungslos steht er für mehrere Filme, die dem US-Publikum weh taten. Darunter sind etwa „Wall Street“, das schon früh vor den Folgen des Spekulationswahns und der Gier an der New Yorker Börse warnte, die Anti-Kriegsfilme „Platoon“ und „Geboren am 4. Juli“, in der die USA nicht gerade gut wegkommen, oder auch die von vorne bis hinten blutige und bitterböse Gesellschafts- und Mediensatire „Natural Born Killers“. Wenn sich dieser Mann nun der Geschichte des Whistleblowers Edward Snowden annimmt, dann dürfte das im patriotischen Amerika wieder kaum jemandem gefallen. Und das ist gut so.

Die Dreharbeiten an dem Film mit dem Arbeitstitel „Snowden“ begannen Anfang der Woche, wie Joseph Gordon-Levitt auf seiner Facebook-Seite bekannt gab. Der Schauspieler übernimmt die Rolle des Titelträgers in Stones neuer Produktion. Shailene Woodley, die Hazel Grace aus John Greens Jugendroman-Verfilmung „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, übernimmt die Rolle von Snowdens Freundin Lindsay Mills. Glenn Greenwald, der Journalist, der federführend für Snowdens Leaks im britischen „Guardian“ steht, wird von Zachary Quinto gemimt. Weitere bekannte Gesichter unter den bisher bekannten Schauspielern sind Nicolas Cage und Tom Wilkinson.

Endlich ein kritischer Film?

Gordon-Levitt veröffentlichte auf seiner Facebook-Seite ein Foto (oben), wie er Snowden während der Ausbildung bei den US-Streitkräften spielt. Demnach strebte Snowden eine Karriere in der Armee an, brach sich allerdings bei der Ausbildung beide Beine und wurde schließlich ein Schreibtischtäter, der als externer Berater in den Geheimdienst eintrat und dort Protokolle sammelte, wie US-amerikanische und britische Geheimdienste die Kommunikation des ganzen Welt überwachen. Er brachte die Protokolle mit Hilfe von Greenwald an die Öffentlichkeit, was den NSA-Überwachungsskandal auslöste. Was brachte den Patrioten Snowden zu dieser Veröffentlichung?

Viel mehr ist noch gar nicht bekannt über die Produktion. Aber es steht zu hoffen und zu wünschen, dass wieder eine US-kritische Produktion dabei herauskommt. Nicht nur Amerika beginnt erst langsam zu begreifen, dass Snowden kein Vaterlandsverräter, sondern ein Held ist, der den größten Überwachungsskandal der Menschheitsgeschichte publik werden ließ. All unsere Kommunikation, wer mit wem was bespricht, wird jetzt gerade in diesem Moment von ausländischen Geheimdiensten überwacht, protokolliert und untersucht. Die Folgen davon sind noch gar nicht absehbar – was es auch so schwer macht, die Tragweite dieser Überwachung und ihre möglichen negativen Auswirkungen zu begreifen.

Vielen gilt Snowden als Verräter

Bei der jüngsten Oscar-Verleihung hatte die Snowden-Dokumentation „Citizenfour“ den Oscar gewonnen. Ein wichtiges, ein mutiges Zeichen der Academy. Aber dass es noch ein weiter Weg ist, bis Snowdens Datenpreisgabe als Heldentat anerkannt wird, bewies nicht zuletzt auch Comedian Neil Patrick Harris, der dem Whistleblower in einem missglückten Scherz während der Oscar-Verleihung Hochverrat unterstellte. Snowden lebt derzeit im russischen Exil. Es gibt nur wenige Länder auf der Welt, die ihm Asyl gewähren würden. In den USA kann er derzeit keinen fairen Prozess erwarten. Ihm droht dort schlimmstenfalls die Hinrichtung wegen Landesverrats.

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