DVB-T2 kommt: Warum das eine gute Sache ist [Kommentar]

Die Regierungskoalition will laut einem Bericht des „Focus“ den Weg freimachen für DVB-T2. Schon 2016 – pünktlich zum Großereignis Fußball-EM – sollen die ersten Ballungsräume dann mit der neuen Technik versorgt werden. Dabei nutzten im vergangenen Jahr nur elf Prozent der Bundesbürger den aktuellen Vorgängerstandard DVB-T. Die Technik kämpft seit jeher mit Problemen. Für DVB-T2 wird die Anschaffung neuer Empfangsgeräte nötig. Und trotzdem ist die Einführung eine gute, eine wichtige Entscheidung.

Ja, die große Masse der deutschen Haushalte verfügt über einen Kabelanschluss oder einen Satellitenempfänger. Und auch das Fernsehen über das Internet wird immer beliebter. Bis 2018 sollen alle deutschen Haushalte gemäß des Breitbandausbaus über Breitbandanschlüsse mit mindestens 50 Mbit/s (entweder Festnetz oder mobil) verfügen – was auch Internet-TV-Angeboten völlig neue Möglichkeiten eröffnet. Und da soll noch eine Notwendigkeit für DVB-T2 sein?

Ultra HD bis 8K möglich

Ja, sagen die Medienanstalten, die Sender und auch die Regierungskoalition. Denn DVB-T2 soll deutliche Vorteile gegenüber dem wenig beliebten DVB-T1 mitbringen. Zum einen wäre da die Möglichkeit, sogar Ultra HD bis zu 8K (8192 × 4320 Pixel) auszustrahlen. Der Standard wäre also für die Zukunft gerüstet. Die öffentlich-rechtlichen und die Privatsender rüsten ihr Programm derzeit auf Einfach-HD um (720p oder 1080i), über DVB-T1 jedoch ist kein HD-Empfang vorgesehen.

Zum anderen sollen die leidigen Verzögerungen, die Aussetzer, die Störer durch andere Funksignale wie vorbeifahrende Busse bei DVB-T2 der Vergangenheit angehören.

Aber warum denn noch eine weitere Empfangstechnik, wenn dann jeder Deutsche eine Breitbandleitung von 50 MBit/s haben soll? Nun, einmal wird dieses Versprechen der Politik nicht vor 2018 eingelöst – wenn sich das nicht noch einmal verzögert. Dann sind TV-Empfang und Internetanschluss meist noch immer unterschiedliche Übertragungswege, sprich: andere Anbieter. Die Interprovider klagen schon jetzt über verstopfte Leitungen und den teuren Netzausbau. Sie können natürlich Live-TV anbieten und tun das auch schon jetzt. Sie sind allerdings auch kreativ, was das Erfinden neuer Angebote, sprich: Preise anbelangt. Mitverdienen wollen außerdem die Online-TV-Anbieter, die, wie Zattoo, für den HD-Empfang einen monatlichen Obolus wollen. Kurz gesagt: Es tut immer gut, hier noch eine Alternative zu haben.

Nicht den Launen der Internetprovider ausgesetzt

Trotz des schon weit fortgeschrittenen Breitbandausbaus gucken noch immer Millionen von TV-Haushalten die aktuelle WM nur in Standard statt High Definition (HD). Und für die schnelle mobile Breitbandleitung LTE stehen nach wie vor nur Tarife mit begrenzten Datenvolumen bereit. Die Anbieter machen keine Anstalten, hier mobile Flatrates einzuführen. Selbst einige Gigabyte sind allerdings schnell aufgebraucht, wenn man Fernsehen in HD unterwegs guckt. Bei DVB-T2 würde man hier nichts extra zahlen, selbst wenn man unterwegs Fernsehen schaut – etwa auf dem Laptop mit einem entsprechenden Empfänger.

Ja, DVB-T1 war kein großer Spaß, Kabel und Satelliten sind auf dem Vormarsch, HD wird in absehbarer Zeit auch über das Internet und dann über Smart TVs empfangbar sein. Vielleicht – auch das orakeln ja nicht wenige Experten seit Jahren – wird sogar das lineare Fernsehen in absehbarer Zeit verschwinden und wir dann nur noch On-Demand-Fernsehen haben. Aber bis dahin brauchen wir gute Übergangslösungen. Mehr wird DVB-T2 wohl nicht sein. Aber wenn die Hardware-Preise ähnlich gering ausfallen wie bei DVB-T1, wenn die zweite Version endlich mit den Kinderkrankheiten der ersten aufräumt, dann kann DVB-T2 noch für einige Jahre HD-Fernsehen in viele deutsche Haushalte bringen.

Mehr Infos zur Umstellung auf DVB-T2 HD

Das Bild zeigt einen DVB-T2-Stick von TBS. Die Bildrechte liegen beim Hersteller.

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