DVB-I macht das Fernsehen leichter: Das musst du wissen

Nach DVB-T, DVB-C und DVB-S folgt: DVB-I. Dieser neue Standard für TV-Geräte lässt lineares Fernsehen mit dem Internet verschmelzen. Eine gute Sache.

DVB-I macht das Fernsehen leichter: Das musst du wissen
Foto: DVB-Project

DVB-I steht für „Digital Video Broadcasting – Internet“ und ist ein offener Standard, den Unternehmen wie Hersteller von Fernsehern nutzen können. Bereits 2019 wurde DVB-I erstmals vorgestellt, nun nimmt das lineare Fernsehen über das Internet Fahrt auf. Das braucht es heutzutage noch? Durchaus, wie ein genauerer Blick zeigt.

Das Wichtigste in Kürze

  • DVB-I ist der neue Standard, der lineares Fernsehen mit dem Internet verschmelzen lässt.
  • Der Standard verspricht eine eingängige, einfache Bedienung ohne zahllose Apps und Optionen.
  • Voraussichtlich ab September 2026 werden erste Geräte mit DVB-I vorgestellt.

Was steckt hinter DVB-I?

Hast du bereits DVB-T(2) oder DVB-C erlebt, kennst du sicherlich die einfache Benutzeroberfläche und das schnelle Wechseln zwischen TV-Sendern. Genau das verspricht DVB-I auch – allerdings streamst du über das Internet lineares Fernsehen. Eine Antenne oder einen Kabelanschluss benötigst du nicht. Es genügt ein Internetanschluss für den TV-Empfang.

Aktuelle Fernseher könnten technisch gesehen womöglich ein Update erhalten. (Foto: Samsung)
Aktuelle Fernseher könnten technisch gesehen womöglich ein Update erhalten. (Foto: Samsung)

DVB-I hat sich das Ziel gesetzt, lineares Fernsehen (über IP) so intuitiv wie klassisches TV zu gestalten. Auf Zusatzfunktionen wie Mediatheken, Elemente für Barrierefreiheit oder an HbbTV erinnernde Dienste musst du nicht verzichten.

Der Unterschied zu bisherigen Lösungen

Kaufst du dir einen neuen Fernseher, ist dieser bereits mit zahllosen Streaming-Apps und Hersteller-eigenen Angeboten „vollgestopft“. Längst ist die Bedienung heutiger Geräte nicht mehr so intuitiv wie noch vor 10 Jahren. Das kann auch schon erfahrenere Anwender:innen überfordern. Genau hier kommt DVB-I ins Spiel: Der Standard schafft eine gemeinsame technische Grundlage für alle Plattformen.

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Im besten Fall gibt’s also nicht mehr für jeden Streamingdienst und TV-Sender eine eigene Anwendung, sondern Live-TV, Internet-TV und Video-on-Demand können dank DVB-I zusammengeführt werden. Und damit steigt der Bedienkomfort deutlich.

DVB-I sorgt dafür, dass sich das Schauen des TV-Programms wie lineares Fernsehen anfühlt (und auch ist), aber du greifst über eine einheitliche Oberfläche auf alle von dir gewünschten Angebote zu.

DVB-I ist in der Lage, Signale von Kabel, Satellit, Antenne und Internet zu vereinen. Hersteller können DVB-I für ihre TV-Geräte einsetzen und eine einheitliche Oberfläche schaffen – sogar plattformübergreifend für mobile Geräte wie Smartphones und Tablets, aber auch für neue Set-Top-Boxen, Streamingsticks oder gar Laptops.

Neu ist in erster Linie die Vereinheitlichung: Es gibt nur noch eine Plattform für alles, nicht mehr zig Apps mit unterschiedlichen Features und Menüführungen. TV könnte so auch im Internet-Zeitalter wieder so „wie früher“ zu bedienen sein.

Wer DVB-I nicht zwingend braucht

Es ist aber auch ganz klar: Wer lineares TV gar nicht mehr schaut und voll auf seine favorisierten On-Demand-Dienste setzt, der wird sich für DVB-I nicht begeistern können. Solltest du mit den bisherigen Apps und Sender auf deinem Fernseher zufrieden sein, gibt es auch keinen Grund, sich mit dem neuen Standard auseinanderzusetzen.

Dennoch: In Zukunft könnte ein einheitliches und eingängiges Interface auch diejenigen ansprechen, die sich vom linearen Fernsehen verabschiedet haben. Ein Kaufargument für einen neuen Fernseher ist DVB-I aber wahrscheinlich nicht.

Ab 2026 geht’s los

DVB-I besitzt einen reizvollen Vorzug: Trotz unterschiedlicher Anbieter, Sender und Streamingdienste ist der Standard in der Lage, diese alle gemeinsam abzubilden und so eine komfortable Verwendung des Fernsehers (wieder) zu ermöglichen. Genau das ist es, was sich gewiss auch viele Besitzer:innen eines aktuellen TV-Geräts wünschen.

Keine Sorge: Auch wenn du dir jetzt einen neuen Fernseher ohne DVB-I kaufst, musst du bezogen auf Sendervielfalt und Streaming auf nichts verzichten. (Foto: Samsung)
Keine Sorge: Auch wenn du dir jetzt einen neuen Fernseher ohne DVB-I kaufst, musst du bezogen auf Sendervielfalt und Streaming auf nichts verzichten. (Foto: Samsung)

DVB-I ist ein Standard für die Zukunft des linearen TV, nicht einfach ein weiteres Streamingangebot. Seit 2023 arbeitet die Initiative „DVB-I Germany“ an einer Umsetzung für den hiesigen Raum. Geleitet wird das Projekt von ARD, ZDF und der RTL Group. Wohl ab September 2026 soll der Standard an den Start gehen – dann sicherlich mit weiteren Partnern wie TV-Sendern und Herstellern.

Benötige ich neue Geräte für DVB-I?

Bisher noch nicht ganz klar ist, ob  DVB-I seitens der TV-Produzenten via Update auf bereits erhältliche Fernseher kommt. Technisch soll das möglich sein, ältere Modelle sind aber eventuell nicht leistungsstark genug.

Nicht ganz ausgeschlossen ist, dass Streamingsticks (zum Nachrüsten) und sogar Apps mit DVB-I-Inhalten folgen – aber angekündigt wurde bisher nichts (Stand Ende August 2026). Mit Vorstellungen neuer Produkte ist beispielsweise auf der IFA 2026 zu rechnen.

Sehr wahrscheinlich ist, dass du für PC, Tablets oder Smartphones nur eine Software benötigst, um DVB-I genießen zu können.

Unterschied DVB-I, IPTV, HbbTV

Wer soll da noch durchblicken? Im Bereich TV-Programm und Streaming über das Internet gibt es mittlerweile etliche Begriffe, die womöglich irritieren könnten. Zur Aufklärung:

  • DVB-I: Erlaubt das Streamen von TV-Inhalten über das offene Internet und ergänzt diese mit Broadcast- und IP-Inhalten.
  • IPTV: Fernsehen über einen von einem Anbieter über das Internet zur Verfügung gestellten Dienst. Beispielsweise Zattoo, Waipu oder Magenta Home.
  • HbbTV: HbbTV ergänzt bereits seit vielen Jahren lineares Fernsehen um interaktive Dienste wie Mediatheken oder Zusatzfunktionen. Dafür ist eine Internetverbindung nötig. Das TV-Signal kommt dagegen über Kabel, Satellit oder Antenne.

Ausblick: Nicht das nächste große Ding, aber…

Allein die Einrichtung eines modernen Fernsehers ist heutzutage kein „Zuckerschlecken“ mehr. Auch wir als erfahrene Technik-Enthusiasten schauen ab und an im wahrsten Sinne des Wortes in die Röhre. Tatsächlich könnte es DVB-I schaffen, wieder ein einfaches, einsteigerfreundliches und aufgeräumtes Bedienerlebnis auf moderne Fernseher und andere Geräte zu bringen. Der Standard wird sicherlich keine neuen Maßstäbe setzen können, auch weil Angebote wie Zattoo oder Joyn schon jetzt lineares Fernsehen gut streamen können. Aber ein einheitliches Konzept könnte lineares Fernsehen wieder attraktiver machen. Und das klingt schon nach einem echten Mehrwert.

Wer genervt vom regelmäßigen App-Wechsel und überfrachteten Menüs ist, der sollte beim nächsten TV-Kauf darauf achten, ob das favorisierte Modell womöglich schon DVB-I unterstützt. Es sei andererseits betont: Zwingend nötig wird der Standard niemals sein. Optionen zum Nachrüsten werden sicherlich auch folgen – in Form von Streamingplayern zum Beispiel.

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