Deutscher Musikmarkt: Die CD ist nicht tot zu kriegen

Der Deutsche ist gemeinhin als ein wenig konservativ bekannt, was neue Techniken anbelangt, im Musikmarkt allerdings zeigt er sich von seiner besonders trotzigen Seite. Alles, was er nicht anfassen kann, kauft er nicht.

Zumindest nicht so gerne. Und so ist verblüffend, dass auch fast 15 Jahre nach dem Start von Napster als Raubportal der seitdem oft wiederholte Abgesang auf die CD stets zu früh kam. Die silberne Scheibe sorgt nach aktuellen Halbjahreszahlen des Bundesverbands Musikindustrie für etwas weniger Anteil am Gesamtumsatz der Branche, aber immer noch 67,5 Prozent.

Etwas mehr als zwei Drittel also. Und wenn man noch den Anteil der Musik-DVDs mit einrechnet (5,2 Prozent), die sich immer besser schlagende Vinyl-Schallplatte (1,8 Prozent) hinzu nimmt und auch nicht vergisst, dass althergebrachte Formate wie die Musikkassette und andere experimentelle Formate zusammen auf rund 1 Prozent kommen, schaffen es die physischen Datenträger zusammen auf gut 75 Prozent des Marktes. Und mehr noch: Wie der Industrieverband stolz verkündet, schrumpft die Quote der physischen Datenträgern nicht mehr so schnell wie in den Vorjahren. Und auch mit dem Gesamtmarkt geht es um 1,2 Prozent auf 660 Millionen Euro nach oben.

Und rein digitale Angebote? Wachsen, gut, aber von einem Durchbruch sind sie in Deutschland weit entfernt. Digitale Download wie von iTunes und Google Play machen jetzt inklusive Klingeltönen 19,9 Prozent des Marktes aus. Und Streaming wie von Spotify oder dem heutigen, nicht mehr bösen Napster? 4,6 Prozent. Das entspricht zwar einer Verdopplung des Vorjahresmarktanteils. Digitale Angebote zusammen allerdings machen nicht einmal ein Viertel des Marktes aus:

Infografik Musikindustrie 1. HJ 2013

Die Gründe dafür: Zum einen sind CDs teurer als digitale Angebote. Eine CD kostet 10 bis 15 Euro, im Web machen die Kunden von der Möglichkeit regen Gebrauch, Songs für nur rund 1 bis 1,50 Euro einzeln zu kaufen. Besonders billig sind im Vergleich dazu Streaming-Dienste, die meist nur 5 oder 10 Euro im Monat kosten und es den Nutzern für diesen Pauschalbetrag erlauben, so viele Songs so oft zu hören, wie sie wollen. Ferner dürften Raubkopien immer noch eine große Rolle spielen, die in dieser Rechnung der Industrie natürlich nicht auftauchen.

Und nicht zuletzt ist er vielleicht wirklich sehr, sehr konservativ, der Deutsche. Die gute alte Plattensammlung wird so schnell nicht eingemottet, die Wohnzimmer-Stereoanlage ebenso wenig und das Autoradio – muss erstmal neu erfunden werden. Alles neu kaufen für einen vielleicht sogar schlechteren Sound? Niemals. Irgendwann in ferner Zukunft wird die CD dann wohl wirklich einmal hinter digitale Angebote zurückfallen – dafür sind die neuen Angebote einfach zu praktisch. Das aber wird noch einige Abgesänge lang dauern.

Wie gefällt Dir dieser Beitrag?
Bewertung wird geladen …
Nichts mehr verpassen!

Bleib immer auf dem neuesten Stand mit unserem Newsletter! Täglich um 17:00 Uhr frisch in deinem Postfach.

Newsletter abonnierenRSS-Feed abonnieren
Ein Kommentar zu “Deutscher Musikmarkt: Die CD ist nicht tot zu kriegen
Schreibe einen Kommentar

Hinterlasse hier deinen persönlichen Kommentar. Wir freuen uns über deine Meinung.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

*