Designed by Loewe in Oberfranken: Deutscher Traditionshersteller will die Produktion auslagern

Der deutsche Traditions-Hifi-Hersteller Loewe will seine Produktion und die Fertigung der Komponenten nach China auslagern. Das sagte der Vorstandsvorsitzende Matthias Harsch dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. „Wir sind kein Gerätehersteller mehr“, sagte Harsch, „das versuche ich der Firma auch auszureden. Unser Thema ist Entertainment.“

Für die Produktion suche man einen strategischen Partner in China. Harsch hob hervor, die dortige Industrie werde in den kommenden Jahren deutlich wichtiger werden, ähnlich wie derzeit in der Solarindustrie. Abgeben will er auch die Grundlagenentwicklung; mit einigen Herstellern sei man schon in Verhandlung. Es müsse allerdings in den kommenden drei Monaten ein Partner feststehen, denn dann läuft der Gläubigerschutz aus, den Loewe erfolgreich beantragt hatte. Fokussieren will sich Loewe demnach auf das Design und die Software der Geräte.

Ein Vorbild für die Franken wären damit im Prinzip Apple und der Slogan „designed in California“. Forschung und Entwicklung betreibt der Marktführer bei den Tablets an seinem Stammsitz im Silicon Valley. Produziert werden iPhones, iPads und iPods allerdings schon seit jeher in Übersee, meist auf dem chinesischen Festland. Nahezu alle Hersteller lassen den Großteil ihrer Hardware heute dort herstellen. Loewe würde also dem hohen Kostendruck nachgeben und nur das tun, was fast alle anderen auch tun. Bisher produziert der TV-Hersteller noch vor Ort im fränkischen Kronach. Dass hier also Arbeitsplätze wegfallen, wird Loewe kaum vermeiden können.

In Kronach würden die Entwicklungsabteilung und die Verwaltung verbleiben: die Konzepte für Fernseher, Software und andere Elektronikgeräte würden also weiterhin in Deutschland entworfen. Loewe hatte jüngst etwa ein innovatives Smart-TV-Konzept vorgestellt und setzt noch immer Zeichen mit seinen Designs. Für Apple hat sich die Produktion in Übersee nicht nachteilig ausgewirkt – im Gegenteil. Der Hersteller wurde mit seinen Designs Marktführer bei Smartphones, Tablets und tragbaren Audioplayern. Mehr als 16.000 Menschen beschäftigt Apple derzeit an seinem Stammsitz in Cupertino im Silicon Valley. Diese Zahl soll in den kommenden Jahren noch kräftig aufgestockt werden. Eine Auslagerung der Produktion muss also noch lange nicht das Ende für ein Unternehmen sein.

Auch der kleinere deutsche TV-Hersteller Metz rechnet für dieses Jahr mit einem Umsatzrückgang. Man will aber an einer Produktion in Deutschland festhalten und sich auf einfache Geräte für die Generation 50+ spezialisieren.

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Ein Kommentar zu “Designed by Loewe in Oberfranken: Deutscher Traditionshersteller will die Produktion auslagern
  1. Die Verlegung der Produktion wäre ein schwerer Fehler. Inzwischen gibt es genügend Beispiele wie Nokia und Apple, was dabei letztendlich passiert. Für die Kunden wird dadurch ein Unternehmen als Massen-Geldverdien-Scheinfabrik entzaubert. So eine Auslagerung überzeugt nur Banken, die nix vom Geschäft verstehen aber überall mitreden wollen. Sobald Loewe im Ausland produziert, wird dadurch die finale Endphase eingeleitet. Besser wäre es die Insolvenz geordnet laufen zu lassen und zusammen mit den verbliebenen Metz usw. eine zentrale deutsche Produktion einzurichten und die Markenrechte in eine neue Gesellschaft übertragen. Die Geldmittel müssen von bankenunabhängigen Privatinvestoren kommen. Em Ende stelle ich mir als Kunde die Frage: „Warum soll ich als Deutscher um meinen Arbeitsplatz Angst haben und gleichzeitig ein China-Produkt kaufen, während hier ständig innovative Arbeitsplätze wegfallen?“

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