Der Traum vom Multimedia-Alleskönner für 100 Euro: Der Nexus Player und seine Konkurrenten

Sie kosten an die 100 Euro und versprechen Streaming, das problemlose Abspielen von Medien und sogar zahlreiche Spiele für Groß und Klein. Dieses Weihnachten buhlen etliche Hersteller um die Gunst potentieller Kunden. Und die haben tatsächlich die Qual der Wahl. Ein Überblick.

Nexus Player

Frisch angekündigt, ist aktuell noch gar nicht bekannt, ob es der 100 US-Dollar günstige Nexus Player rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft in hiesige Ladenregale schafft. Das von Asus gefertigte Gerät fällt schon durch die kreisrunde Gestaltung auf, im Inneren werkelt ein relativ schwacher Intel Atom-Quadcore-Chip mit 1,8 GHz. Interessant dagegen ist der Grafikchip (PowerVR Series 6), der in ähnlicher Form im iPhone 5S bzw. iPhone 6 steckt. Das dürfte für auch grafisch ansprechende Spiele geeignet sein, fürs Streaming aus dem Internet – Videos und Musik beispielsweise – sowieso. 1GB RAM, 8GB Flash-Speicher und ein Micro-USB 2.0-Port klingen jetzt nicht gerade spektakulär, löblich ist dagegen flottes WIFI 802.11ac 2×2 (MIMO). Und der Nexus Player macht den Chromecast-Stick ebenfalls überflüssig – praktisch.

Nexus Player mit beiliegender Remote und optionalem Controller. (Foto: Google)

Nexus Player mit beiliegender Remote und optionalem Controller. (Foto: Google)

Interessant am Nexus Player ist gewiss das extra für HDTVs entworfene Android TV. Das Betriebssystem stellt übersichtlich Apps dar und dürfte es auch Entwicklern leicht machen, ihre Android-Programme für die Streamingmaschine umzusetzen. Apps für Netlix und andere bekannte Anbieter sind so gut wie sicher.

Von Haus aus ist eine kleine Remote dabei, die sogar Spracheingaben dank eines integrierten Mikrofons ermöglicht. Ein Controller für 40 US-Dollar extra ähnelt dem Xbox 360-Gamepad und ist speziell zum Spielen gedacht. Beide Elemente bietet auch ein sehr ähnlicher Mitbewerber…

Amazon Fire TV

In den USA bereits seit einiger Zeit erhältlich, schaffte es Fire TV pünktlich vor Weihnachten kürzlich in hiesige Gefilde. Interessenten müssen derzeit allerdings mit recht langen Wartezeiten rechnen. Bezogen auf die Hardware dürften die Unterschiede zum Nexus Player relativ gering ausfallen, setzt der Händler doch auf einen Qualcomm Snapdragon 8060 Quadcore-Chip mit 1,7 GHz. Dieser Chip ist bereits über zwei Jahre alt, dafür bekommt er von einer Adreno 320 Grafikeinheit und 2GB RAM sowie 8GB Flash-Speicher Unterstützung. In der Praxis sollte das für Streaming und einige weniger aufwändige Spiele absolut ausreichen. Vorteilhaft hier: Ethernet-Port und optischer Audioausgang werden angeboten, das besitzt der Nexus Player nicht.

Winziger Player mit den wichtigsten Angeboten. (Foto: Amazon)

Winziger Player mit den wichtigsten Angeboten. (Foto: Amazon)

Der Nachteil wiederum: Kunden bewegen sich im Mikrokosmos von Amazon. Obwohl das verwendete Fire OS auf Android basiert, erhält man nur Zugriff auf den Amazon-eigenen Appstore und ist am besten bei Amazon-eigenen Diensten aufgehoben – besonders als zahlender Prime-Kunde. Dennoch lockt auch hier der Preis: 100 Euro für den Start, 40 Euro zusätzlich für den nicht zwingend nötigen Game-Controller, der von vielen (Android-)Spielen bereits gut unterstützt wird.

PlayStation TV

Apropos Spiele: Wer familienfreundliche Unterhaltung wünscht, könnte womöglich bei PlayStation TV besser als bei den Konkurrenten liegen. Auch hier werden 100 Euro fällig, allerdings wird ein Controller dringend benötigt. Gamepads für PlayStation 3 oder PlayStation 4 werden unterstützt und kosten ab 40 Euro. Damit ist diese Variante teurer, andererseits bekommt man hier auch eine vollwertige Spielkonsole, die in der Lage ist, einen Großteil der PlayStation Vita-Titel auf den HDTV in 720p (mehr wird nicht angeboten) bringt. Zusätzlich kann man Spiele für die PlayStation 1 und PSP aus dem integrierten PlayStation Network laden, ab 2015 startet mit PlayStation Now ein Cloudgaming-Dienst, über den man PlayStation 3-Spiele direkt aus dem Internet auf den Fernseher streamt.

Spannend ist ferner Remote Play: Games von der PlayStation 4 werden im eigenen Haushalt auf PlayStation TV gebracht: So können beispielsweise die Kinder in ihrem Zimmer auf PSTV ein PS4-Spiel starten, obwohl sich die PlayStation 4 in einem anderen Raum befindet.

Eine relativ große Box. (Foto: Sony)

Eine relativ große Box. (Foto: Sony)

PlayStation TV ist trotz der Hardware-Basis der mobilen PlayStation Vita solide ausgestattet, 512MB RAM sind allerdings zu wenig. Und 1GB Flash-Speicher schreien regelrecht danach, aufgerüstet zu werden – mittels speziellen Speicherkarten. Leistungsstark ist der PowerVR SGX543-Quadcore-Grafikchip, der dem des Nexus Player vermutlich unterlegen ist. Die CPU besitzt auch vier Kerne (ARM Cortex-A9) und wird bis maximal 2GHz getaktet. Aber: Die Technik ist auf Gaming ausgelegt, was einerseits von Vorteil, andererseits von Nachteil ist: Denn ausschweifende Appangebote sind nicht vorhanden. Es gibt Netflix und Sony-eigene Dienste, aber dann hört es schon auf. Das wird sich vielleicht noch in den nächsten Monaten ändern. Bis dahin ist PlayStation TV mehr für Wenig- und Gelegenheitsspieler eine Option und ab Mitte November 2014 erhältlich.

Apple TV

Apples Streamingbox gilt gewissermaßen als Vorreiter in diesem Bereich, wobei Apple TV schon sehr lange kein Update mehr erhielt. Unverändert behandelt der Konzern diesen Player sehr stiefmütterlich. Dabei besitzt das Gerät unverändert etliche Vorteile: Perfekter Zugriff auf das Kauf- und Leihsortiment von iTunes (seit einiger Zeit auch TV-Serien), Netflix, Watchever und einige weitere Dienste, optimales Airplay Mirroring, das iPhone- sowie iPad- Inhalte schnurlos auf dem HDTV darstellt und eine insgesamt gute Integration in die eventuell eh vorhandene Apfel-Welt machen Apple TV nach wie vor zu einer Empfehlung.

Apple TV ist ein guter Player, wenn man wenig erwartet. (Foto: Apple)

Apple TV ist ein guter Player, wenn man wenig erwartet. (Foto: Apple)

Allerdings hat Apple den Anschluss verpasst: Spiele sind nicht vorgesehen und die Hardware wirkt antiquiert. Im mittlerweile 2 1/2 Jahre alten Modell der dritten Generation werkelt ein A5-Chip, der aus einer Singlecore-CPU und einer DualCore-PowerVR SGX543MP2-GPU besteht. 512MB RAM sind aus heutiger Sicht zu wenig. Ja, klar – zum Streamen genügt das, aber für mehr eben auch nicht.

Die Zukunft?

Ohnehin stellt sich die Frage, ob es sich nicht vielleicht lohnt, sich noch etwas zu gedulden. Für 2015 kündigen sich vor allem Nexus Player-Konkurrenten an, beispielsweise von Nvidia und Razer. Diese könnten mit deutlich mehr Leistung, mehr Arbeitsspeicher und anderen Verbesserungen (4K-Auflösung, Ethernet, optischer Ausgang, USB-Anschlüsse, mehr Speicher etc.) aufwarten. Android TV ist wie Android für Smartphone und Tables ein offenes Betriebssystem, das weitere Hersteller dazu animieren wird, eigene Streamingplayer anzubieten.

Bereits vor einiger Zeit zeigte Razer eine auf Android TV basierende Microkonsole. (Foto: Razer)

Bereits vor einiger Zeit zeigte Razer eine auf Android TV basierende Microkonsole. (Foto: Razer)

Womöglich könnte auch die vierte Generation des Apple TV anstehen, denn unauffällig ebnet Apple selbst den Weg zu neuen Möglichkeiten. Seit iOS7 werden explizit Game-Controller unterstützt, längst machen Hunderte Spiele Gebrauch von separat erhältlichen Gamepads – allerdings bisher nur für iPhone und iPad.

Nächstes Jahr wird sich auch abzeichnen, ob Sony in der Lage ist, mehr aus PlayStation TV herauszuholen als eine billige Spielkonsole mit Streamingtauglichkeit und Cloudgaming. Sie ist durch den Controller-Zwang derzeit die teuerste Option.

Wer eh auf den Preis schaut, könnte sich auch nach günstigeren Lösungen umschauen: Ein Chromecast-Stick bringt Smartphone-Inhalte zum HDTV und erfüllt nach wie vor ähnliche Zwecke – für 35 Euro. Manchen genügt vielleicht auch ein HDMI-Kabel, das das Tablet mit dem Fernseher verbindet. Tatsache ist: Der Markt wird zunehmend unübersichtlicher, und die eierlegende Wollmilchsau hat bisher kein Hersteller parat.

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Ein Kommentar zu “Der Traum vom Multimedia-Alleskönner für 100 Euro: Der Nexus Player und seine Konkurrenten
  1. Echt fraglich wann und ob überhaupt der Nexus Player hier erscheint. Ich bin mit meiner jetztigen Android 4.4 Box (Orbsmart S82) mehr als zufrieden. 4K Support, Quadcore, 2GB RAM, XBMC & Netflix vorinstalliert. Schade das es sowas bei Euronics immernoch nicht gibt :/

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