Das waren die Trends des Jahres: Originalton

Für das deutsche Fernsehen werden ausländische TV-Sendungen seit jeher übersetzt. Punkt. Eine ganze Industrie teils hochprofessioneller Studios synchronisiert täglich stundenweise Videomaterial vornehmlich aus den USA, teils mit sehr guten Fassungen wie etwa für die Zeichentrickserie „Die Simpsons“ oder „How I met your Mother“.

Dann aber enttäuschen gerade einige Comedyserien auf ganzer Linie, weil der Witz der Originalfassung nicht herüber kommt. Das kann an Stimmen liegen, an Anspielungen und komplexen Dialogen, die sich nur schwer bis gar nicht übersetzen lassen. Viel Charme des Originals geht dann während der Übersetzung verloren, ist dann „lost in translation“. Nicht nur aus diesem Grund entstand in den vergangenen Jahren gerade bei der jüngeren Generation der Wunsch, die Lieblingsfilme und -serien doch lieber im Original zu sehen. Mittlerweile werden ihre Bitten erhört, besonders in diesem Jahr.

Ein wichtiges Entscheidungskriterium

Denn so viel Originalton wie heute gab es wohl noch nie im Wohnzimmer eines Deutschen. Sky strahlt schon lange einige Inhalte seiner Spartenkanäle auf Wunsch auf Englisch aus. Die Videoplattform Watchever, die in diesem Jahr an den Start ging, machte von Anfang an mit Originalinhalten auf sich aufmerksam. Damit war die Vivendi-Tochter derart erfolgreich, dass auch Mitbewerber Maxdome sich dazu veranlasst sah, eine Videoflatrate nachzureichen – mit Angeboten in Originalsprache. Und zuletzt zog auch Sky nach: die neu gestartete Videoflatrate Snap bietet Inhalte auf Wunsch im Original. Auch Sky Go, der mobile Service für Sky-Abonnenten, wird nach und nach um eine Originalspur ergänzt. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch der Start des neuen Spartensenders ProSieben maxx. Auf ihrer neuen Spielwiese zeigt die Senderkette ProSiebenSat.1 hier zahlreiche Serien testweise auf Englisch.

Es wurde nach und nach einfach immer mehr. Waren Filme im Original oder mit Untertiteln vor 15 Jahren noch etwas für Arthouse-Fans und Exoten, wurde die Möglichkeit des Mehrkanaltons zu einer Killer-Applikation der neu aufkommenden DVDs. Die fortschreitende Globalisierung tat ihr übriges: Junge Menschen, die gestern noch in Berlin waren, heute in Shanghai Zwischenhalt machen und morgen weiter nach New York reisen, bringen neue Trends mit, sprechen fließend Englisch und geraten über das Internet zunehmend in Kontakt mit neuen Inhalten – die zumeist im Original vorliegen. Zu Hause schreiben ihnen TV-Sender dann vor, dass sie noch zwei Jahre auf längst bekannte Folgen warten sollen und sie dann gefälligst auf Deutsch zu sehen haben. Das ist nicht mehr zeitgemäß.

Klagen oder anbieten?

Und wohl deswegen werden Angebote in Originalsprache zu einem wichtigen Entscheidungskriterium für Video-on-Demand-Angebote. Gerade noch rechtzeitig übrigens. Denn die junge Generation will sich nicht mehr gängeln lassen und ist sogar eher dazu bereit, zu illegalen oder halb-legalen Methoden zu greifen, um das zu sehen, was sie sehen will. Clevere Anbieter machen ein Geschäft daraus, andere klagen lieber.

Dass wir auch in Deutschland bald nicht mehr lange darauf warten müssen, bis wir die neuesten TV-Serien gleich nach der Erstausstrahlung sehen können, ist eine Frage der Zeit. Es war der Anbieter Watchever, der einen Coup damit landete, die mit Spannung erwarteten letzten Folgen der Erfolgsserie Breaking Bad nur wenige Tage nach dem US-Start auch hierzulande auszustrahlen – auf einem legalen Streaming-Angebot – und in Originalsprache. 2014 dürfte noch weit mehr davon kommen, frühzeitig und im Original.

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2 Kommentare zu “Das waren die Trends des Jahres: Originalton
  1. Wenn die Leute wirklich „Angebote in Originalsprache“ sehen wollten- warum sollte dann jemand Video on Demand – Angebote aus Deutschland dafür brauchen? Das Internet ist grenzüberschreitend. 🙂

    • Avatar

      Im Prinzip vielleicht. Aber wenn das so einfach wäre, dann könnte ich mir ja hier in Deutschland ohne Umwege (!) einen Netflix-Account zulegen oder Hulu Plus nutzen. Das schaffe ich aber nur mit Tricks und handle mir im schlimmsten Falle noch juristischen Ärger ein. 😉

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