Das Ende einer Ära? Studios verarbeiten Startup-Boom zu TV-Serien

Es war einmal eine Zeit, in der Startups etwas Außergewöhnliches waren. Junge Studienabbrecher mieteten sich in einer Garage ein und programmierten in nächtelanger Arbeit zwischen Pizza-Kartons und (in Deutschland) Club Mate die Social Networks und Apps der Zukunft. So zumindest das Klischee.

Heute sind aus den kleinen Startups von einst milliardenschwere, teils börsennotierte Unternehmen wie Twitter, Facebook oder Dropbox geworden. Startups sind immer öfter Teil eines großen Inkubatoren-Programms von Großkonzernen, die hier wirtschaftlich mitmischen wollen. Revolutionäre neue Ideen findet man immer seltener, der alte Charme verfliegt zusehends. Das Ende kommt manchmal dann, wenn die Unterhaltungsindustrie auf das Thema aufmerksam wird, und das ist derzeit gehäuft der Fall.

Intrigen und Verrat

So soll unter anderem die Gründungsgeschichte von Twitter zu einer Serie verarbeitet werden. Stoff genug gibt es dafür schon: Der Tatsachen-Roman „Hatching Twitter“ von „New York Times“-Kolumnist Nick Bilton, der hier als Vorlage dient, hat alles über Eifersucht, Intrigen und Verrat.

Aber dabei soll es nicht bleiben: Im April soll beim bekannten US-Pay-TV-Sender HBO die Comedyserie „Silicon Valley“ anlaufen. Für den humoristischen Ansatz soll die interessante Produzenten-Kombination aus Mike Judge und Alec Berg sorgen. Letzterer stand für die Erfolgsformate „Seinfeld“ und „Lass es Larry“ Pate. Judge dürfte am besten für die umstrittene Amerika-Parodie „Beavis and Butthead“ bekannt sein, die in den 1990er Jahren auf MTV bei vielen männlichen Zuschauern zu einer Kultserie wurde.

Nach eigenen Angaben haben die beiden Produzenten sich viel auf Startup-Veranstaltungen herumgetrieben und Startup-Gründer interviewt, um sich ein Bild von den Protagonisten vor Ort zu machen. Hier habe man viele exzentrische Gründer kennengelernt, berichtet das Online-Portal Serienjunkies über die Ergebnisse der beiden Produzenten. Die Macken der Interviewten würde man zu Charakteren verarbeiten, auch wenn keine real existierenden Personen direkt dargestellt würden. Im Prinzip ist bei „Silicon Valley“ alles möglich: von einem rauschenden Erfolg bis hin zu einem totalen Flop.

Möglichst schnell Millionär werden

Das Lebensgefühl der Startup-Branche wurde bereits 2012 von der NBC-Tochter Bravo TV in der Doku-Soap „Start-ups: Silicon Valley“ verwurstet. Weil es hier mehr um Glamour und attraktive Darsteller ging als um Inhalte, kam die Serie beim Publikum nicht ganz so gut an. „Das Problem der meisten Startups sind ihre Gründer“, sagte passend dazu Seriengründer Gary Vaynerchuck im Dezember auf der Startup-Messe LeWeb in Paris. Die wenigsten von ihnen würden den Endkunden verstehen, was am allerwichtigsten sei. Zu viele würden sich statt dessen darum kümmern, wie sie besonders schnell Millionär werden können.

Natürlich bleiben Glamour, opulente Partys und Intrigen nicht aus, wenn junge Menschen plötzlich über Investorenkapital in Millionenhöhe verfügen dürfen. Aaron Sorkins und David Finchers turbulente Entstehungsgeschichte von Facebook, „The Social Network“, hat dies bereits anschaulich porträtiert. Insgesamt gesehen hatte der Oscar-prämierte Streifen allerdings auch seine Längen. Die Themen Wirtschaft und Informatik lassen sich nur selten sehr spannend und sexy auf die Leinwand oder TV-Bildschirme bringen. Jüngst scheint das Martin Scorsese mit dem Börsensatire „The Wolf of Wall Street“ zu gelingen – allerdings mit einem Film, der sich an tatsächliche Ereignisse aus den 1980er Jahren anlehnt.

„Betas“ mit sehr plattem Humor

Der jüngste Versuch, das Gefühl der Startup-Branche in Serienform zu verpacken, enttäuschte diesen Autor ein wenig: Amazons eigene Produktionsfirma „Amazon Studios“ versuchte sich nach dem erstaunlichen Erfolg einer Pilotfolge an der Startup-Serie „Betas“. Hier geht es um zwei junge Gründer, die an einem intelligenten Matchmaking-Tool arbeiten und Investoren von sich überzeugen wollen. Die sehr platte Handlung allerdings ist nicht jedermanns Geschmack und so gehen die Rezensionen weit auseinander.

Wie sich „Silicon Valley“ schlägt, werden die US-Zuschauer ab April wissen, wenn die Serie bei HBO anläuft. Letztendlich entscheidend für den Zuschauer ist eine gute Geschichte. Und dabei ist es fast egal, ob die Spannung sich am Aufstieg und Fall eines Startups, anhand unterhaltsamer Charaktere oder einfach nur einer besonderen Konfliktsituation aufbaut. Und während im Silicon Valley oder in Berlin immer mehr Startups zunehmend unter der Prämisse aus dem Boden gestampft werden, möglichst wirtschaftlich rentabel zu arbeiten, verliert das ehemals Exklusive seinen Reiz. Die große Glamour-Zeit der Startups scheint vorbei.

Bild: LeWeb2013 unter CC-Lizenz BY 2.0

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