Children of the Machine: Jetzt produziert sogar BitTorrent eine eigene TV-Serie

Du bist nicht mehr relevant, wenn du nicht deine eigene Qualitäts-TV-Serie drehst – könnte überspitzt ein heutiges Motto in der Medienlandschaft lauten. Denn egal ob Privatsender, Pay-TV-Anbieter, Hersteller von Spielkonsolen wie Playstation oder Xbox, bekannte Webdienste wie Yahoo und Amazon oder ehemalige DVD-Versandhäuser wie Netflix: Alle arbeiten an eigenen Serien, um ihren Abonnenten etwas zu bieten. Nun will auch BitTorrent mit einer eigenen Drama-Serie in diesem Rennen mitmischen und somit das eigene Negativimage bekämpfen.

Das künden die Betreiber der Filesharing-Technologie in ihrem eigenen Blog an. Die Serie soll „Children“ of the Machine“ heißen, die Pilotfolge im Dezember auf dem Portal BitTorrent Bundle frei empfangbar sein. Wem der Inhalt dann gefällt, der kann sich an der Finanzierung der ersten Staffel beteiligen und erhält für 9,95 US-Dollar Zugang zu allen acht einstündigen Episoden, sobald sie fertig sind.

Zum Inhalt von „Children of the Machine“ haben die Anbieter noch nicht viel verraten, außer dass es um das Leben junger Heranwachsender nach einem massiven technischen Umbruch gehen soll, eine dystopische Geschichte in nicht all zu ferner Zukunft. Produzent ist der deutschstämmige Marco Weber über seine Firma Rapid Eye Studios, der nach einigen Independent-Produktionen wie „The 13th Floor“, „Igby“ oder „Unthinkable“ mit Samuel L. Jackson kein Unbekannter in der Branche ist. Er sieht die Art der Produktion als „Mischung aus Netflix und Kickstarter„. Damit die Serie zustande kommt, muss er allerdings mindestens 250.000 zahlende Unterstützer finden. Mit knapp 2,5 Millionen Dollar wäre das damit noch ein niedrig veranschlagtes Projekt. Die geplante und ebenso lange deutsche Produktion „Babylon Berlin“ etwa soll das Zehnfache kosten.

Die Firma hinter dem Protokoll

BitTorrent ist eigentlich nur ein Filesharing-Protokoll, das es mit Hilfe entsprechender Software erlaubt, Dateien an eine große Masse von Empfängern ohne einen zentralen Server auszuliefern. Den gleichen Namen verwendet allerdings auch das Unternehmen namens BitTorrent Inc, das sich als treibende Kraft hinter dem Protokoll versteht und seit jeher darum bemüht ist, der Technik einen besseren Ruf zu verpassen. Denn natürlich eignet sich das Protokoll wunderbar für den illegalen Austausch urheberrechtlich geschützten Materials und wird auch dafür genutzt. BitTorrent Inc allerdings sieht sich nicht für die Fehltritte der Nutzer verantwortlich. Vielmehr versucht das Unternehmen, Medienschaffende und sogar Hollywood-Studios mit bisher eher mäßigem Erfolg von den Vorteilen der Technik zu überzeugen.

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Im vergangenen Jahr rief BitTorrent Inc das Programm BitTorrent Bundles ins Leben, eine Plattform, auf der vor allem unabhängige Künstler ihre Werke wie Musik, Kurzfilme oder Graphic Novels gegen eine Gebühr bereitstellen können. Im Rahmen dieses Projekts erscheint nun auch „Children of the Machine“ als bisher wohl ambitioniertestes Projekt von BitTorrent Bundle.

Und angesichts immer neuer Mitspieler bei Drama- oder Comedyserien stellt sich die Frage, ob die Bezeichnung „TV-Serie“ eigentlich noch treffend ist. Das Medium für welches eine Serie zuerst produziert wird, wird zunehmend belangloser. TV-Kanäle stellen ihre Serien auch für Tablets oder das Internet bereit; zunächst für das Web produzierte Serien wie „House of Cards“ werden von Pay-TV-Anbietern und Free-TV-Kanälen in aller Welt aufgekauft und ausgestrahlt. Es wird in Zukunft nur noch auf Qualität und Inhalt ankommen.

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