Das waren die Trends des Jahres: Binge-Watching – Serien am Stück

Binge-Watching: Serien staffelweise hintereinander weg schauen, anstatt sie wöchentlich im TV zu sehen. Gefördert wird dies durch frühe DVD- und Bluray-Veröffentlichungen der Serien und durch diverse legale wie illegale Streaming-Portale, die ganze Staffeln zum direkten Anschauen anbieten.

Ich bekenne mich selbst schuldig, ich betreibe Binge-Watching. Ich schaue keine Serien mehr im Fernsehen, weil ich mich auf die Handlung nicht konzentrieren kann, wenn sie wochenweise auseinander gerissen wird. Das Phänomen des Binge-Watchings ist aber kein Einzelphänomen, sondern ein Trend, für den es mittlerweile einen Wikipedia-Eintrag gibt – auch wenn er hier noch unschön mit „Komaglotzen“ übersetzt wird – und der vom Oxford-Verlag neben „selfie“ zu einem der Wörter des Jahres erklärt wurde.

Die problematische Entwicklung der Zuschauerzahlen der Serien im deutschen Fernsehen lässt die Frage zu, ob Binge-Watching den Einschaltquoten der Sender eher schadet und ob die wöchentliche Stückelung überhaupt noch dem bevorzugten Verhalten der Zuschauer entspricht. Mich erreichen die Sender mit ihrem Programm nicht mehr: Der Fernseher ist seit Jahren nicht mehr angeschlossen und steht auch nur noch in Wohnzimmer, damit es nicht so leer aussieht. Serien schaue ich bei kostenpflichtigen Streamingportalen. Die Auswahl dieser hat in den letzten Monaten stark zugenommen und so habe ich bereits einige neue Sendungen kennengelernt, von denen ich vorher nicht gedacht hätte, das sie mir gefallen würden. Darunter derzeit die BBC-Serie „Being Erica“, die ich eigentlich für eine 08/15-Frauenserie hielt und die sich jetzt als außergewöhnlich tiefgründige Serie entpuppt.

GameOfThrones

Das Fernsehen wurde bei Serienfans vom Internet abgelöst. Auch wenn zumindest RTL2 reagiert und zum Beispiel „The Walking Dead“ in der Halloween-Woche am Stück zeigte und damit sehr gute Einschaltquoten einfuhr, ist das eher die Ausnahme. Sender halten an dem Konzept der wöchentlichen Ausstrahlung fest und scheitern damit sogar bei guten Serien, deren Sendeplatz verschoben wird und die dann sogar abgesetzt werden.

Ich werde meine Serien auch weiter online schauen und den Fernseher aus lassen. So kann ich die Folgen schauen, wann und wie ich will und kann auf regelmäßige Unterbrechung durch Werbung verzichten. Diese Vorteile bietet mir ein Sender nicht.

Fernsehsender sollten ihr lineares Programm überdenken und eher dazu übergehen, sich in Mediatheken zu wandeln. Bis dahin wird es sicher noch ein weiter Weg werden, aber den Menschen die Freiheiten zu geben, wann sie etwas schauen und wie viel davon, ist der richtige Schritt, wie die Entstehung dieses neuen Begriffs beweist.

Wie gefällt Dir dieser Beitrag?
Bewertung wird geladen …
Nichts mehr verpassen!

Bleib immer auf dem neuesten Stand mit unserem Newsletter! Täglich um 17:00 Uhr frisch in deinem Postfach.

Newsletter abonnierenRSS-Feed abonnieren
Schreibe einen Kommentar

Hinterlasse hier deinen persönlichen Kommentar. Wir freuen uns über deine Meinung.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

*