Babylon Berlin: ARD und Sky finanzieren deutsche Qualitäts-TV-Serie

Geplant ist sie schon länger, die deutsche TV-Serie „Babylon Berlin“ unter der Regie des Filmemachers Tom Tykwer. Nun wurden erstmals Details zur Finanzierung bekannt. Und die haben es in sich: Um nämlich endlich einmal etwas Anspruchsvolles aus deutschen Landen als Serie ins Fernsehen zu bringen, was nichts mit Bergdoktoren, Traumschiffen und Stürmen der verbotenen Liebe zu tun hat, tun sich keine geringeren als ARD und Sky zusammen. Veranschlagte Produktionskosten: 25 Millionen Euro – ein Niveau US-amerikanischer TV-Serien.

Und die werden gerne als leuchtendes Beispiel dafür genommen, was deutschen Produktionen noch fehlt. Vielschichtige Charaktere, Kinoatmosphäre, aufwändige Kulissen, teuer produziert wie „House of Cards“, „Game of Thrones“ oder „True Detective“. Man muss aber nicht zwingend nach Amerika schauen: Die britischen Produktionen „Sherlock“ oder „Utopia“, die dänische Politserie „Borgen“ oder auch die französische Mysteryserie „The Returned„: beinahe alle unserer Nachbarn scheinen eine Qualitätsserie zu haben. Aber in Deutschland, dem Land international anerkannter Schauspieler wie Daniel Brühl und August Diehl und Regisseuren wie Wim Wenders, Florian Henckel von Donnersmarck oder eben Tom Tykwer, soll das irgendwie nicht möglich sein.

Berlin der 1920er Jahre

Also genug lamentiert und lieber produziert: „Babylon Berlin“ soll die TV-gerechte Umsetzung der Bücherserie „Gereon Rath“ von Volker Kutscher werden. Kutscher beschreibt darin die Fälle des Kölner Polizisten Gereon Rath, der im Jahr 1929 nach Berlin kommt, um dort in der Unterwelt zu ermitteln. Die Weimarer Republik erlebt zu dieser Zeit nach kurzen Jahren der Stabilität einen Rückfall, der schließlich zum Erstarken der Feinde der Republik und zur Machtergreifung der Nationalsozialisten führt. Das Berlin der 1920er Jahre: eines der spannendsten Kapitel der deutschen Geschichte und für die geschichtsbewussten Deutschen ein dankbares Thema.

Der Produktionsrahmen soll laut Recherchen der „Süddeutschen Zeitung“ 25 Millionen Euro kosten, von denen die ARD 9 Millionen Euro tragen würde und Sky 4 Millionen. Für die erste Staffel sind acht bis zehn Folgen à 60 Minuten geplant. 2,5 Millionen Euro würde eine Folge also mindestens kosten, das wäre in etwa auf dem Niveau von teuren US-Serien. So lassen sich Parallelen zur atmosphärisch dichten Mafiaserie „Boardwalk Empire“ ziehen, die in den USA zu Zeiten der Prohibition spielt. Wann „Babylon Berlin“ an den Start gehen soll, ist allerdings noch nicht geklärt. Jetzt muss erst einmal produziert werden. Kutschers Bücher zumindest geben Stoff für derzeit fünf Staffeln her. Die neueste Geschichte „Märzgefallene: Gereon Rarths fünfter Fall“ soll im November erscheinen.

Sollte es wirklich gelingen mit einer anspruchsvollen deutschen TV-Serie, die Millionen vor die Mattscheibe lockt und gute Kritiken erhält, dann könnte das ein Wendepunkt sein. Weg vom ewig seichten Heimatidyll auf der Mattscheibe oder vom politisch stets überkorrekten „Tatort“ hin zu vielschichtiger, qualitativ hochwertiger Unterhaltung im deutschen Fernsehen. Das klingt noch fast zu schön, um wahr zu sein. Hoffen wir aber mal, dass das Vorhaben gelingt!

Bild: Marc Wathieu via Flickr unter Creative Commons Lizenz BY 2.0

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