Samsung hat zur CES 2018 seinen ersten Fernseher mit Micro-LED-Technik vorgestellt: The Wall (Bild: Samsung/Danny Moloshok/AP Images)

Micro-LED: So gut wie OLED-Fernseher, nur viel heller

Micro-LEDs sind hell und zeigen doch einen hohen Kontrast, satte Farben sowie ein tiefes Schwarz. Samsung vereint damit das beste von LED-LCD- und OLED-Fernsehern.

Welcher Fernseher zaubert das beste Bild auf die Mattscheibe? Lange schwankte die Debatte zwischen der LED-LCD-Technik, die durch ein besonders helles Bild bestach, und OLED, das satte Farben, ein tiefes Schwarz und einen hohen Kontrast besser hinbekam. Zur CES 2018 hat Samsung eine neue Technik präsentiert, die das beste aus beiden Welten vereint: Micro-LED oder kurz mLED.

Drei Micro-LEDs bilden ein Pixel

Bei einem Micro-LED-Fernseher besteht jedes Pixel aus drei dimmbaren LEDs, die mit weniger als 100 Mikrometern deutlich kleiner sind als herkömmliche LEDs. Ob der Farbraum aus den RGB- oder aus anderen Grundfarben aufgespannt wird, ist noch nicht bekannt.

Micro-LED-Fernseher wie The Wall zeigen dank LED-Technik ein sehr helles Bild (Bild: Samsung)

Micro-LED-Fernseher wie The Wall zeigen dank LED-Technik ein sehr helles Bild (Bild: Samsung)

Von den LCD-Fernsehern haben sie die enorme Helligkeit geerbt, Samsung verspricht sogar eine noch höhere Lichtausbeute. Doch im LCD sitzen die LEDs im Rahmen, um das Hintergrundlicht zu erzeugen. Die Farben werden erst durch verschiedene Filter hervorgebracht, die das Panel dann auch dicker machen als beim OLED.

Selbstleuchtend wie ein OLED, doch viel heller

Anders als die organischen OLEDs bestehen die mLEDs aus kristallinem Halbleiter. Im Vergleich sollen sie spürbar heller und auch langlebiger sein. Wer auf dem OLED ein Kinofeeling erleben möchte, sollte nämlich besser in einem abgedunkelten Raum schauen. Ein weiterer Kritikpunkt an den organischen OLEDs ist, dass sie recht schnell an ihr Lebensende gelangen können.

Micro-LED-Fernseher zeigen einen hohen Kontrast und satte Farben – ähnlich wie OLEDs (Bild: Samsung/Danny Moloshok/AP Images)

Micro-LED-Fernseher zeigen einen hohen Kontrast und satte Farben – ähnlich wie OLEDs (Bild: Samsung/Danny Moloshok/AP Images)

Jede Micro-LED lässt sich wie beim OLED einzeln ansteuern und auch komplett abschalten, wenn ein reines Schwarz angezeigt werden soll. Das spart dann auch Energie im Vergleich mit einem LED-LCD-Fernseher. Zudem bieten die neuen Micro-LEDs einen höheren Kontrast und schnellere Reaktionszeiten.

Nicht so komplex wie ein QLED-Fernseher

Die Micro-LED-Technik ist schon Samsungs zweiter Versuch, ein besseres Bild als herkömmliche LCD-Fernseher zu zeigen, ohne aber selbst auf OLED umzuschwenken. Im letzen Jahr wurden die ersten QLED-Fernseher vorgestellt, dessen Quantum Dots aber nur den klassischen Ansatz durch zahlreiche Optimierungen im Kleinen verbessern sollten.

Hauchdünne Panels, tiefe Schwarzwerte, hoher Kontrast: das will Samsung mit QLED-Fernsehern liefern.

Hauchdünne Panels, tiefe Schwarzwerte, hoher Kontrast: das will Samsung mit QLED-Fernsehern liefern.

Den direkten Vergleich mit OLED muss das QLED-Bild nicht scheuen, Farben und Kontrast zwischen beiden Techniken sind kaum noch zu unterscheiden. Doch die Micro-LEDs erreichen dies auch mit einem neuen und vor allem einfachen Ansatz.

Erster Micro-LED-Fernseher: The Wall

Einen ersten Fernseher mit der Micro-LED-Technik hat Samsung zur CES 2018 auch schon vorgestellt: The Wall. Die Bildschirmdiagonale misst unglaubliche 146 Zoll. Das sind umgerechnet 3,70 Meter. Wer sich darunter noch nichts vorstellen kann: Der Riesen-Fernseher ist 3,30 Meter breit und 2,10 Meter hoch. Entsprechend hoch ist die Auflösung mit 7.680 x 4.320 Pixeln. Das ist 8K.

Der Bildschirm von The Wall wurde aus kleinen, 19 x 9 cm großen Modulen zusammengesetzt, auf denen die Micro-LEDs sitzen. Samsung nennt dies modular, denn aus den kleinen Kacheln lassen sich auch recht einfach Fernseher mit anderen Diagonalen, Seitenverhältnissen und Auflösungen zusammensetzen.

Die Übergänge zwischen diesen Kacheln sollen sich bei einem normalen Bild nicht sehen lassen. Doch die ersten Betrachter konnten sie dennoch manchmal erkennen: bei einem tiefscharzen Bild(ausschnitt) oder beim Betrachten von der Seite.

Künstliche Intelligenz rechnet Auflösung hoch

Da es für die hohe 8K-Auflösung noch keine Inhalte gibt, nutzt The Wall künstliche Intelligenz, um diese passend hochzurechnen. Der proprietäre Algorithmus soll dabei Bildcharakteristiken der einzelnen Szene berücksichtigen. Neu ist diese Technik jedoch nicht, denn auch Full-HD-Inhalte werden heute schon auf 4K hochgerechnet. Die künstliche Intelligenz hat nichts mit Micro-LED zu tun, sondern findet sich auch in den neuen QLED-Fernsehern mit 8K-Auflösung.

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Schließlich ist auch der Sprachassistent Bixby Teil von The Wall. Darüber lässt sich nicht nur der Fernseher steuern, sondern auch Samsungs Internet-of-Things-Plattform SmartThings, sofern solche Geräte im eigenen Smart Home vorhanden sind.

Beim Kauf auf die Bildqualität achten

Der Preis von The Wall wird voraussichtlich ähnlich überdimensioniert sein wie seine Maße. Der erste Micro-LED-Fernseher soll jedoch erst Ende 2018 erscheinen und dann nicht einmal in Europa. Es wird also wohl noch ein paar Jahre vergehen, bis die ersten Geräte mit Micro-LED in unseren Wohnzimmer zu finden sein werden. Auch dann lässt sich erst wirklich beurteilen, wie gut das Bild tatsächlich ist.

Was ist von der Micro-LED-Technik nun zu halten? Neue Fernseher werden immer größer, doch ins Wohnzimmer passen sie dann doch nicht. Auch 8K-Auflösungen sind noch nicht sinnvoll, solange es nicht einmal genug Filme in 4K gibt. Wer einen guten von einen schlechten Fernseher unterscheiden möchte, muss auf die Bildqualität achten. Diese verbessert sich derzeit von Jahr zu Jahr. Im letzten Jahr und aktuell ist HDR ein großes Thema. Micro-LED hat die Chance, die nächsten Jahre zu bestimmen.

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