Dolby Vision ist eine dynamische Version von HDR und liefert ein kontrastreicheres Bild (Bild: Dolby)

4K ist gut, HDR ist besser – Augen auf beim Fernsehkauf

Schönere Bilder durch höhere Kontraste: HDR bringt mehr Details auf den Fernseher. Mit den dynamischen HDR-Techniken Dolby Vision und HDR10+ sind sogar schon die Nachfolger am Start.

Die IFA 2017 hat einen Trend gezeigt: Wer im Wohnzimmer ein schönes Bild haben möchte, sollte zu einem Fernseher mit 4K/UHD-Auflösung greifen. Doch reicht das alleine? Hohe Auflösungen bringen nicht immer ein besseres Bild. Wenn die Pixel bereits so dicht gepackt sind, dass das menschliche Auge sie nicht mehr unterscheiden kann, hilft es auch nicht, noch mehr davon auf das Panel zu packen. Extrem hohe Auflösungen sind erst dann wieder sinnvoll, wenn auch die Bildschirme größer werden. Aber nicht jedes Wohnzimmer ist dafür geeignet und auch dann ist Ultra HD erst die halbe Miete.

LED- und mit OLED-Fernseher mit HDR

Die Lösung ist eine Kombination aus zwei Faktoren: einer besseren Auflösung und einer höheren Qualität des Bildes selbst, wie mit HDR. HDR-Fernseher können höhere Kontrastumfänge anzeigen. Die Lichter werden dann heller dargestellt und die Tiefen dunkler. Das menschliche Auge kann schließlich einen Kontrastumfang von 1:1.000.000 wahrnehmen. High Dynamic Range oder kurz HDR kommt dem schon nahe, zumindest viel näher als Standard Dynamic Range oder SDR, das sich in bisherigen Fernsehern findet.

Bei einem HDR-Bild kann der Mensch viel mehr Abstufungen in Helligkeit und Farbe erkennen (Bild: <a href="https://www.slideshare.net/pertonas/amd-radeon-technology-group-summit" target="_blank">AMD Radeon Technology Group Summit</a>)

Bei einem HDR-Bild kann der Mensch viel mehr Abstufungen in Helligkeit und Farbe erkennen (Bild: AMD Radeon Technology Group Summit)

Für einen höheren Kontrastumfang werden die einzelnen Farbwerte mit einer höheren Bittiefe dargestellt. Bei der gängigen 8-Bit-Darstellung gibt es pro Farbkanal nur 256 Abstufungen. Bei 10 Bit kann ein Display schon 1.024 Helligkeitsabstufungen anzeigen (HDR wird deshalb oft auch HDR10 genannt), bei 12 Bit sogar 4.096. Um diese Abstufungen auch tatsächlich erlebbar zu machen, gehen LED- und OLED-Bildschirme unterschiedlich vor. LED-Fernseher können mit mehr als 1.000 Nit (Candela/m2 ) besonders hell strahlen. Bei einem Schwarzwert von weniger als 0,05 Nit kommen sie dann auf einen Kontrastumfang von 1:20.000.

Dagegen zeichnen sich OLED-Fernseher durch einen guten Schwarzwert aus. Beträgt dieser weniger als 0,0005 Nit und die Helligkeit mehr als 540 Nit, ergibt sich ein Kontrastumfang von 1:1.080.000. Die beiden Konzepte sind nicht nur unterschiedlich, sie werden auch unterschiedlich empfunden. Bei schwacher Beleuchtung im Raum erscheint das Bild eines OLED-Fernsehers natürlicher. LEDs dagegen liefern auch in hellen Umgebungen ein brilliantes Bild. Ein großer Sprung nach vorne ist HDR in beiden Fällen: Herkömmliche TV-Geräte erreichen gerade einmal eine Helligkeit von 100 bis 300 Nit.

Dynamic HDR mit Dolby Vision und HDR10+

Besonders helle wie auch besonders dunkle Filme profitieren von dem höheren Kontrastumfang. Es sind einfach mehr Details zu sehen. Einmal dem HDR-Fernseher mitgeteilt, stellt er sich darauf ein. Doch was ist mit Filmen, in denen es sowohl helle als auch dunkle Szenen gibt? Wenn der Kontrastumfang alle Szenen abdeckt, bleibt für die einzelnen Szenen nicht mehr viel übrig. Beim dynamischen HDR kann der Fernseher deshalb den gesamten Kontrastumfang einzelnen Szenen zur Verfügung stellen. Auf der IFA 2017 wurden dafür zwei konkurrierende Techniken präsentiert: Dolby Vision und HDR10+.

Dolby Vision trickst hier: Links wird kein echtes HDR gezeigt, solange der Bildschirm dies nicht anzeigen kann (Bild: Dolby)

Dolby Vision trickst hier: Links wird kein echtes HDR gezeigt, solange der Bildschirm dies nicht anzeigen kann (Bild: Dolby)

Damit der HDR-Fernseher weiß, welchen Kontrastumfang er wählen soll, benötigt er für jede Szene eine konkrete Anweisung. Diese Informationen stecken in den dynamischen Metadaten. Dolby Vision liefert mit 12 Bit erst einmal eine bessere Qualität als das konkurrierende HDR10+ mit 10 Bit. Doch Fernseher mit Dolby Vision sind teurer, da auf den Kaufpreis noch eine Lizenzgebühr aufgeschlagen wird. HDR10+ dagegen soll nichts extra kosten.

HDR10+ hängt in der Entwicklung aber noch hinterher. So hat die Blu-ray Disc Association die Dynamic-HDR-Technik noch nicht einmal für den Einsatz auf einer Disc mit 4K-Auflösung standardisiert. Die treibende Kraft hinter HDR10+ ist Samsung. Nach Amazon (für den Einsatz bei Amazon Prime Video) wurden zur IFA 2017 mit Panasonic und 20th Century Fox zwei weitere wichtige Partner vorgestellt. Damit wären neben Samsung ein weiterer Fernseher-Hersteller, ein Streaming-Anbieter und eine Produktionsfirma bzw. Blu-ray-Lieferant an Bord. 2018 sollen dann weitere Lizenzen vergeben werden. Samsungs UHD-Fernseher von 2017 sollen bereits HDR10+ unterstützen (auch QLED). Modelle aus dem Jahr 2016 sollen noch 2017 ein Firmware-Update für HDR10+ erhalten.

Alle Komponenten müssen HDR beherrschen

Das Konsortium, das auf Dolby Vision setzt, ist da schon weiter. Hier engagieren sich Samsungs größter Konkurrent LG sowie Sony, Loewe und weitere Hersteller. Die ersten Inhalte kommen von Warner. In den USA werden bereits Filme mit Dolby Vision gestreamt. Bis Ende 2017 soll aber auch die erste Ultra-HD-Blu-ray mit Dolby Vision erschienen sein. Neben Warner kann sich auch Disney vorstellen, auf seinen Ultra-HD-Blu-rays neben den statischen HDR10-Daten auch die Metadaten der beiden dynamischen HDR-Verfahren Dolby Vision und HDR10+ abzulegen. Ein Käufer müsste dann im Laden nicht aufpassen, eine Blu-ray im richtigen Format zu erwischen.

Für ein besseres Bild: Der Fernseher Samsung 65MU6459 beherrscht HDR und zeigt eine UHD/4K-Auflösung an (Bild: Samsung)

Für ein besseres Bild: Der Fernseher Samsung 65MU6459 beherrscht HDR und zeigt eine UHD/4K-Auflösung an (Bild: Samsung)

Generell gilt: Wer Filme in HDR schauen möchte, muss darauf achten, dass alle Komponenten diese Technik beherrschen – und zwar durchgängig. Das gilt schon für HDR, aber auch für die beiden Dynamic-HDR-Varianten Dolby Vision und HDR10+. So müssen bereits die Filme in HDR aufgenommen und so bearbeitet werden, dass alle Metadaten erhalten bleiben. In der Welt von Dolby Vision müssen UHD-Fernseher, Set-Top-Boxen, Blu-ray-Player, Blu-ray-Discs und sogar die SoC-Chips lizensiert werden. Und dann kann immer noch ein falsches Kabel das HDR-Erlebnis zunichte machen. HDR setzt HDMI 2.0a voraus, HDR10 schon HDMI 2.0b, HDR10+ sogar HDMI 2.1.

HDR-Streaming mit 20-25 Mbit/s

Im schlimmsten Fall kauft sich jemand einen teuren Dynamic-HDR-Fernseher, ohne dann HDR schauen zu können. Aus diesem Grund soll der Einstieg so einfach wie möglich gemacht werden: Die ersten HDR-Inhalte sind deshalb bei den Streaming-Anbietern zu finden – allen voran Netflix und Amazon Prime Video. Dann muss nur noch das Ausgabegerät passen. Netflix setzt einen Internetzugang mit 20-25 Mbit/s voraus, um HDR-Filme flüssig abspielen zu können. Die große Bandbreite ist aber vor allem notwendig, da die HDR-Inhalte gleichzeitig in 4K übertragen werden. Die HDR-Metadaten an sich sind nicht so groß.

Fazit: Nicht nur 4K bringt ein besseres Bild, auch HDR. Die Zeit ist reif dafür. Wer bereits jetzt auf Dynamic-HDR setzt, sollte jedoch aufpassen, dass seine Anschaffungen auch zukunftssicher sind. Ein aktueller HDR-Fernseher wird aber auf jeden Fall einen Qualitätssprung bringen, von dem sich jahrelang schwärmen lässt.

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Ein Kommentar zu “4K ist gut, HDR ist besser – Augen auf beim Fernsehkauf
  1. Die Erklärungen bezüglich UHD/4K und HDR finde ich sehr gelungen.
    Allerdings stimmen die HDMI Angaben bezüglich HDR nicht ganz.
    HDR=HDR10 und braucht HDMI 2.0a.
    HDR10+ ist für HDMI 2.1 optimiert soll aber auch mit HDMI 2.0a funktionieren und AV Receiver die Dolby Vision durch leiten sollen automatisch auch HDR10+ durch leiten können nach inoffiziellen Infos von der IFA 2017.
    HLG-HDR fehlt ganz im Text und braucht HDMI 2.0b.

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