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Telekom Stream On: Netflix streamen kostet nichts, Spotify aber schon – ist das fair?

In einigen Mobilfunk-Tarifen der Telekom lassen sich Musik und Videos streamen, ohne das Datenvolumen zu belasten – aber nicht mit allen Diensten. Die Option Stream On bringt Freude oder Frust. Was soll das nur?

Was führt die Telekom bloß im Schilde? Vor einem Jahr wird das kostenlose Streaming über Spotify noch ordentlich zurückgestutzt, doch jetzt gibt es mit Stream On eine neue Tarif-Option, über die sich nicht nur ein Musik- oder Video-Dienst streamen lässt, sondern gleich mehrere – ohne dass dies auf das Datenvolumen angerechnet wird. Doch Spotify ist nicht mehr dabei. Damals wurden EU-Regelungen als Grund genannt (die werden jetzt wohl haarscharf eingehalten), aber auch die hohen Kosten. Durch die Spotify-Nutzung habe sich die Datennutzung im Schnitt vervierfacht, hieß es damals. Wie soll das denn erst werden, wenn Netflix gestreamt wird?

Video-Streams nur in DVD-Qualität

Die Mobilfunk-Option Telekom Stream On gibt es in drei Varianten. Stream On Music lässt sich ab dem Tarif MagentaMobil M buchen und ist auch nur dort sinnvoll. Wer Musik über die Dienste Apple Music, Amazon Prime Music, Amazon Music Unlimited, Napster, Juke oder Radioplayer.de streamt, bekommt dies nicht auf sein Datenvolumen angerechnet. Es fehlen aber zum Beispiel die Dienste Spotify, Google Play Music, Deezer, Soundcloud und Audible.

Die Option Stream On Music und Video steht erst ab dem Tarif Magenta Mobil L zur Verfügung. Sie bietet Bewegtbilder in DVD-, aber nicht in Full-HD-Qualität, gestreamt über Netflix, Amazon Prime Video, Youtube, Sky Go, Entertain TV und weiteren. Hier fehlen unter anderem Google Play Video, Maxdome, Apple Video und Myvideo. Hinzu kommt noch Stream On Music und Video Max, das sich nur in Verbindung mit Magenta-Eins-Tarifen buchen lässt und eine bessere Bildqualität bringt.

Spotify könnte noch aufspringen

Stream On ist kostenlos, kann aber erst ab dem 19. April 2017 gebucht werden. Voraussetzung ist ein neuer Mobilfunktarif. Telekomkunden müssen ihren Vertrag vorzeitig verlängern oder in einen höherwertigen wechseln. Erst dann wird das Streaming nicht mehr auf den regulären Datenverbrauch angerechnet. Das gilt auch, wenn die Drosselung einsetzt. Allerdings werden auch die Musik- und Videostreams gedrosselt, was sie dann praktisch unnutzbar macht. Wird ein Speed-On-Ticket gebucht, geht es wieder mit der vollen Geschwindigkeit, aber auch mit den kostenlosen Streams weiter.

Spotify und Google müssen nicht außen vor bleiben. Jeder Streamingdienst kann eine Partnerschaft mit der Telekom eingehen. Direkte Gebühren werden dafür offenbar nicht erhoben. Damit dürfte kein einzelner Dienst bevorzugt werden und eine wichtige EU-Vorgabe zur Netzneutralität eingehalten werden. Die Drosselung der Streams nach Aufbrauch des Inklusivdatenvolumens ist eine andere und ebenfalls erfüllt. Dennoch glaube ich, dass solche Tarife in ein Zwei-Klassen-Internet führen.

Gratis-Daten für kommerzielle Anbieter

Das Streaming wird hier besser gestellt als der Datenverkehr im freien Internet. Es geht mir nicht darum, dass in meiner Funkzelle die Daten knapp werden könnten, weil die Leute neben mir gerade ihre Lieblingsserie streamen. Ich zerbreche mir auch nicht den Kopf darüber, dass meine Downloads warten müssen, weil der Datenstrom gestreamter Videos möglichst nicht abbrechen sollte. Doch in den Genuss kostenloser Daten kommen nur die Kunden kommerzieller Anbieter. Das macht mich stutzig.

Nur wer einen Streaming-Anbieter eine monatliche Gebühr bezahlt und per App seine Daten preisgibt, erhält etwas geschenkt. Das ist in meinen Augen keine Netzneutralität. Und ja, es gibt mit dem ZDF auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen unter den Medienpartnern, doch für mich ist das bloß ein Feigenblatt. Außer Böhmermann einmal in der Woche schaue ich diesen Sender nicht.

Auch die Telekom wird profitieren. Die Option Stream On wird zwar als kostenlos beworben, ist aber nur Bestandteil der teureren Tarife. Einige Kunden werden deshalb ihren Tarif wechseln oder überhaupt zur Telekom wechseln, andere nach Aufbrauch des Inklusivvolumens eher mal die kostenpflichtige Speed-On-Option wählen. Unter dem Strich dürfte der Betrag auf der Rechnung höher ausfallen. Entweder hat die Telekom genug ungenutzte Kapazitäten, oder die Kosten werden in der Grundgebühr versteckt. Mir wäre es allerdings lieber gewesen, die Tarife generell mit mehr Datenvolumen auszustatten oder aber die Grundgebühr zu senken.

2 Kommentare zu “Telekom Stream On: Netflix streamen kostet nichts, Spotify aber schon – ist das fair?

  1. Klingt mir nach einem typischen Bedenkenträger. Ich genieße es einfach Musik zu hören und Filme zu schauen. Wenn man sich einen Vertrag bei der Telekom nicht leisten kann/ mag/ will sind das persönliche Probleme.

    • Den Autor (also mich) als Bedenkenträger zu bezeichnen, ist kein Argument. Lapidar zu sagen: ‘Die Einen können es sich leisten, die Anderen halt nicht’, auch nicht. Es geht hier nicht nur um Netzneutralität (was allein schon ein komplexes Thema ist), sondern auch ganz einfach darum, dass die Netze nicht überlastet werden.

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