Netflix verliert zwar 2019 viele Disney-Filme, aber auch Zuschauer? (Bild: Netflix)

Telekom Stream On: Netflix streamen kostet nichts, Spotify aber schon – ist das fair?

In einigen Mobilfunk-Tarifen der Telekom lassen sich Musik und Videos streamen, ohne das Datenvolumen zu belasten – aber nicht mit allen Diensten. Die Option Stream On bringt Freude oder Frust. Was soll das nur?

Was führt die Telekom bloß im Schilde? Vor einem Jahr wird das kostenlose Streaming über Spotify noch ordentlich zurückgestutzt, doch jetzt gibt es mit Stream On eine neue Tarif-Option, über die sich nicht nur ein Musik- oder Video-Dienst streamen lässt, sondern gleich mehrere – ohne dass dies auf das Datenvolumen angerechnet wird. Doch Spotify ist nicht mehr dabei. Damals wurden EU-Regelungen als Grund genannt (die werden jetzt wohl haarscharf eingehalten), aber auch die hohen Kosten. Durch die Spotify-Nutzung habe sich die Datennutzung im Schnitt vervierfacht, hieß es damals. Wie soll das denn erst werden, wenn Netflix gestreamt wird?

Video-Streams nur in DVD-Qualität

Die Mobilfunk-Option Telekom Stream On gibt es in drei Varianten. Stream On Music lässt sich ab dem Tarif MagentaMobil M buchen und ist auch nur dort sinnvoll. Wer Musik über die Dienste Apple Music, Amazon Prime Music, Amazon Music Unlimited, Napster, Juke oder Radioplayer.de streamt, bekommt dies nicht auf sein Datenvolumen angerechnet. Es fehlen aber zum Beispiel die Dienste Spotify, Google Play Music, Deezer, Soundcloud und Audible.

Die Option Stream On Music und Video steht erst ab dem Tarif Magenta Mobil L zur Verfügung. Sie bietet Bewegtbilder in DVD-, aber nicht in Full-HD-Qualität, gestreamt über Netflix, Amazon Prime Video, Youtube, Sky Go, Entertain TV und weiteren. Hier fehlen unter anderem Google Play Video, Maxdome, Apple Video und Myvideo. Hinzu kommt noch Stream On Music und Video Max, das sich nur in Verbindung mit Magenta-Eins-Tarifen buchen lässt und eine bessere Bildqualität bringt.

Spotify könnte noch aufspringen

Stream On ist kostenlos, kann aber erst ab dem 19. April 2017 gebucht werden. Voraussetzung ist ein neuer Mobilfunktarif. Telekomkunden müssen ihren Vertrag vorzeitig verlängern oder in einen höherwertigen wechseln. Erst dann wird das Streaming nicht mehr auf den regulären Datenverbrauch angerechnet. Das gilt auch, wenn die Drosselung einsetzt. Allerdings werden auch die Musik- und Videostreams gedrosselt, was sie dann praktisch unnutzbar macht. Wird ein Speed-On-Ticket gebucht, geht es wieder mit der vollen Geschwindigkeit, aber auch mit den kostenlosen Streams weiter.

Spotify und Google müssen nicht außen vor bleiben. Jeder Streamingdienst kann eine Partnerschaft mit der Telekom eingehen. Direkte Gebühren werden dafür offenbar nicht erhoben. Damit dürfte kein einzelner Dienst bevorzugt werden und eine wichtige EU-Vorgabe zur Netzneutralität eingehalten werden. Die Drosselung der Streams nach Aufbrauch des Inklusivdatenvolumens ist eine andere und ebenfalls erfüllt. Dennoch glaube ich, dass solche Tarife in ein Zwei-Klassen-Internet führen.

Gratis-Daten für kommerzielle Anbieter

Das Streaming wird hier besser gestellt als der Datenverkehr im freien Internet. Es geht mir nicht darum, dass in meiner Funkzelle die Daten knapp werden könnten, weil die Leute neben mir gerade ihre Lieblingsserie streamen. Ich zerbreche mir auch nicht den Kopf darüber, dass meine Downloads warten müssen, weil der Datenstrom gestreamter Videos möglichst nicht abbrechen sollte. Doch in den Genuss kostenloser Daten kommen nur die Kunden kommerzieller Anbieter. Das macht mich stutzig.

Nur wer einen Streaming-Anbieter eine monatliche Gebühr bezahlt und per App seine Daten preisgibt, erhält etwas geschenkt. Das ist in meinen Augen keine Netzneutralität. Und ja, es gibt mit dem ZDF auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen unter den Medienpartnern, doch für mich ist das bloß ein Feigenblatt. Außer Böhmermann einmal in der Woche schaue ich diesen Sender nicht.

Auch die Telekom wird profitieren. Die Option Stream On wird zwar als kostenlos beworben, ist aber nur Bestandteil der teureren Tarife. Einige Kunden werden deshalb ihren Tarif wechseln oder überhaupt zur Telekom wechseln, andere nach Aufbrauch des Inklusivvolumens eher mal die kostenpflichtige Speed-On-Option wählen. Unter dem Strich dürfte der Betrag auf der Rechnung höher ausfallen. Entweder hat die Telekom genug ungenutzte Kapazitäten, oder die Kosten werden in der Grundgebühr versteckt. Mir wäre es allerdings lieber gewesen, die Tarife generell mit mehr Datenvolumen auszustatten oder aber die Grundgebühr zu senken.

9 Kommentare zu “Telekom Stream On: Netflix streamen kostet nichts, Spotify aber schon – ist das fair?

  1. Klingt mir nach einem typischen Bedenkenträger. Ich genieße es einfach Musik zu hören und Filme zu schauen. Wenn man sich einen Vertrag bei der Telekom nicht leisten kann/ mag/ will sind das persönliche Probleme.

    • Den Autor (also mich) als Bedenkenträger zu bezeichnen, ist kein Argument. Lapidar zu sagen: ‚Die Einen können es sich leisten, die Anderen halt nicht‘, auch nicht. Es geht hier nicht nur um Netzneutralität (was allein schon ein komplexes Thema ist), sondern auch ganz einfach darum, dass die Netze nicht überlastet werden.

  2. Wie du selbst sagst, gehört für das Zwei-Klassen-Internet dazu, dass die Dienste, die freigeschaltet sind dann aber kommerziell zu erwerben sind. Du nennst mit dem ZDF eine Ausnahme, vergisst darüber jedoch den Video-Riesen Youtube, der von einer unglaublich breiten Masse, ich denke da vorallem an die Jugend, genutzt wird. Außerdem bieten einige der kommerziellen Anbieter auch einen kostenlosen Tarif an, wie etwa Spotify mit Free und Premium (ich weiß, die sind noch nicht dabei, aber von den anderen kenne ich die Namen der Modelle nicht). Auch die freien Nutzungen der Dienste werden denke ich mal kostenlos sein.
    Von den Vertragspartnern auf der Telekom Seite sehe ich auf den ersten Blick folgende kostenlose Anbieter: Chip, Welt, Spiegel, Youtube, ZDF, ProSieben(eingeschränkt) im Video. Das ist knapp die Hälfte.
    Bei den Musikdiensten kenne ich mich nicht so aus, aber es laufen ja wohl scheinbar Gespräche mit Spotify, ich weiß nicht wie es mit Soundcloud aussieht..Und ansonsten gibt es ja auch kaum freie Musikstreaming-Dienste im Internet. Last.fm vielleicht noch. Jeder Dienst kann kostenlos eine Partnerschaft mit der Telekom eingehen, jeder Dienst entscheidet also selbst ob er „erste“ oder „zweite“ Klasse sein möchte.
    Das liegt aber mMn einfach im Charakter der Rechteverwertung für Bild und Ton, da sind die meisten Anbieter komerziell, der Musiker will ja auch was davon haben. Welche Dienste fehlen dir denn da jetzt, die benachteiligt sind? YouPorn und RedTube?

    Du sprichst weiterhin noch Downloads an. Was muss man denn großartig unterwegs gigabyteweise herunterladen, was nicht auch zu Hause geht? Da fallen mir höchsten geschäftliche Dinge ein, und für die gibts große Geschäftsverträge.

    • In den USA protestieren gerade 800 Startups gegen eine Aufweichung der Netzneutralität, weil sie genau wissen, dass das ihre Geschäftsgrundlage torpedieren würde. Aber auch Großkonzerne protestieren mit, weil sie sich noch daran erinnern, wie sie gestartet sind. Und hier in Deutschland diskutieren wir also darüber, ob sich das ZDF ohne weitere Kosten streamen lässt, die ARD aber nicht. Wir sind also schon einen Schritt „weiter“ oder: ich würde lieber sagen: mal wieder einen Schritt zurück. Wir haben uns also längst mit einem Ende der Netzneutralität abgefunden.

      Hat die Telekom clever gemacht. Sie zwingt die Dienste jetzt dazu, mit ihr zu verhandeln und wird damit zum Türsteher des Internet. Des Internet, wohl gemerkt, das barrierefrei sein sollte, im Sinne von „ohne Schranken“. Jeder Dienst sollte gleich behandelt werden. Hat 25 Jahre sehr gut geklappt und jetzt ist es damit vorbei. Dass da Gelder fließen, mit denen sich Dienste bei der Telekom einkaufen können, dürfte klar sein. Ein neues Startup, das vielleicht ein besseres YouTube oder ein besseres Fernsehen im Netz machen würde, worüber dann die Nutzer entscheiden, kann es unter diesen Voraussetzungen nicht mehr geben.

      Das ist ein Kniefall vor den Großkonzernen. Und ich frage mich, ob die Leute das schlicht nicht sehen oder einfach nicht sehen wollen, weil es in einem so attraktiven Gewand daherkommt.

    • Es geht gar nicht um einzelne Dienste. Das ist ja gerade das Wesen der Netzneutralität, dass alle Dienste gleich behandelt werden.

      Dienste, die einen Vertrag mit der Telekom eingehen, sind auch in jedem Fall kommerziell – unabhängig davon, ob die Nutzer eine Gebühr bezahlen, Werbung anschauen müssen oder ob ihre Daten verwertet werden. Auch wenn die Nutzung von YouTube ‚kostenlos‘ ist und die Plattform überwiegend von jungen Leute genutzt wird, die sich kostenpflichtige Dienste nicht leisten können oder wollen, so steckt doch eine Menge Geld hinter dem Dienst.

      Und das ist der Knackpunkt: Wer das Geld hat, könnte sich ohne Netzneutralität einen schnellen Zugang zum Nutzer erkaufen und hätte damit einen Vorteil, den ein Newcomer so nicht hätte (solange nicht Milliardäre bei ihm investieren). Es gewänne nicht unbedingt der die Kunden, der das bessere Produkt hätte, sondern der mit dem besseren Zugang zum Kunden. Wenn die Zugangsprovider die Möglichkeit hätten, das auszunutzen, würden sie es auch tun. Ganz konkret würden sie viel Geld von Netflix, Amazon und Spotify verlangen, die das dann wieder vom Kunden reinholen müssten.

  3. Meines erachtens nach gilt: Wenn man nunmal den Freischein für alles gibt (unlimited data), steigt die Last immens, da Gamer das doch begrenzte LTE Netz mit nutzen – und leider auch die illegalen Aktivitäten. Grenzt man das ein und lässt nur legale Streaming Anbieter zu, kann man sicherlich einen echten Mehrwert für Endnutzer bieten, ohne dass der Wartungsaufwand ins unermässliche geht und bei DSL so teuer wird, dass eigentlich eine Drosselung sinnvoll wäre – bzw. dass Poweruser mehr zahlen müssten. Ich sehe die Netzneutralität als nicht besonders schützenswert an, da man dennoch andere Dienste nutzen kann und man nicht gezwungen wird, diese zu nutzen und legale Webseiten jederzeit kostenfrei Partner werden können. Von meiner Hochschule weiß ich, dass die Hälfte der Kosten für die Infrastruktur nur drauf geht, um Personen mit illegalen Aktivitäten – und da ist DE nach Russland Europaweit leider Spitzenreiter – zu ermitteln oder die Schreiben abzusondern, weil aus Datenschutz oder sonstigen Rechten das Ermitteln nicht erlaubt ist. Begrenzt man das Internet so, dass alles nicht angerechnet wird, was illegal ist oder was wie Games bei einem Mobilfunknetz nicht notwendig ist, kann man einen echten Mehrwehrt bieten. Im Gegensatz zum o2 Netz läuft das Telekom Netz wenigstens und ist stand jetzt auch nicht überlastet.

    • Illegale Inhalte sind natürlich ein Problem, aber keines das mit der Netzneutralität zu tun hat. Die illegalen Übertragungen der Bundesliga-Spiele über russische Server lassen sich nicht unterbinden, indem die Daten von Sky Ticket Vorrang im Internet erhalten. Das Problem ist meiner Meinung nach hier die Lizenzvergabe und die daraus resultierende Preisgestaltung.

      Unlimited Data ist auch nicht das gleiche wie Netzneutralität. Wenn es im Mobilfunk echte Flatrates ohne Drosselung gäbe, da sind wir uns einig, da wären die Netze kaum noch zu nutzen. Bei der Netzneutralität geht es aber um etwas anderes: Ob jemand 500 MB oder 2 GB im Monat zur Verfügung hat, kein Dienst soll bevorzugt werden. Oder anders formuliert: Kleine Startups, die mit einem neuen Produkt auf den Markt kommen, dürfen nicht benachteiligt werden, weil die großen und etablierten Anbieter für die Bevorzugung ihrer Daten Geld zahlen.

  4. Fasse mich kurz: Wie wäre es einfach die 10€ Aufpreis zu schlucken und sich zu freuen! Die ganzen anderen Punkte sind füe mich Nonsens! Streaming Dienste zahlt heutzutage jeder und wenn der Autor im Mobilfunk Vertrag der Konkurrenz gefangen ist: Pech gehabt!
    Streaming auf dem Lenovo Yoga Pad 3 Pro LTE und den gepairten JBL Stereo Bluetooth Speakern im Kleingarten / See oder Pavillon? Ein komfortables Vergnügen! Hm vielleicht mAl darüber nachdenken und kosten für Magenta 1 ( ohne Entertain) addieren 😉

    • Ich nutze sogar das Telekomnetz und bin auch gerne bereit, etwas mehr zu zahlen, wenn ich eine bestimmte Leistung nutzen möchte. Ich möchte aber auch nicht, dass das Mobilfunknetz der Telekom an bestimmten Orten und zu gewissen Zeiten so überlaufen ist, wie es das E-Plus-Netz vor einen Jahren sehr oft und auch das O2-Netz jetzt noch manchmal ist.

      Daher bin ich immer erst skeptisch, wenn etwas freigegeben wird. Irgendwo müssen dann doch Grenzen eingezogen sein, und ich bin mir sicher, dass die Telekom daran gedacht haben wird. Sie sorgt nur nicht wo und wie. Transparent wäre es zum Beispiel, StreamOn in den regulären Vertrag einzubeziehen, sondern als zubuchbare Option anzubieten. Dann wäre klar: Der Eine zahlt für diese Leistung, der andere nicht. Zudem ließe sich sagen: Wenn die Netzkapazitäten eng werden, besteht kein Anspruch darauf.

      Und ja, am Fluss zu sitzen, etwas zu essen, zu trinken und das Internet dabei, ist schon eine geile Sache.

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