Das ging gründlich daneben: SIMSme, das WhatsApp der Deutschen Post, versagt im ersten Test

SIMSme_Screen

Die Deutsche Post hat einen eigenen Mobile Messenger für Smartphones vorgestellt. Ja genau, eben die Deutsche Post, die es in zwei Jahren nicht geschafft hat, diesem Autoren ein Account für das eigene Bezahlsystem PostPay freizuschalten und deren Mitarbeiter am Schalter bei der Frage nach der Packstation mit einem „Haben wir nichts mit zu tun“ abwinken. Für gewöhnlich würde ich sagen: Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, doch die Probleme setzen sich auch im Test mit SIMSme, der neuen „Secure Chat App“ der Bonner fort. Der WhatsApp-Konkurrenz des Briefzusteller mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und Servern in Deutschland versagte im ersten Test komplett.

Dass SIMSme anders ist als andere Chat-Apps, ist ja an sich kein Problem. Bei der Anmeldung wird ein Passwort verlangt, sonderbarerweise allerdings mit dem Zusatz, man könne es nie mehr zurücksetzen. Nachdem ich meine Mobilfunknummer auf Wunsch eintippte, meldete SIMSme zu meinem Erstaunen, sie sei bereits registriert. Danach dauerte es Minuten, bis die App mein Android-Telefon nach meinen Kontakten durchforstet hatte, nach denen es nach eigenen Angaben „anonymisiert“ sucht. Ganz klar wird nicht, was das genau bedeutet und warum das im Vergleich zu WhatsApp so lange dauert.

SIMSme_Screen

Schlussendlich schlägt die mehrmalige Suche nach Kontakten in meinem Test nach den ersten Minuten fehl. Egal ob die automatische oder händische Suche: nichts gelingt. Möglicherweise waren die Server der Post dem Ansturm nicht gewachsen. Die App findet unter meinen immerhin 855 Kontakten beim zweiten Versuch nur einen gewissen Lutz B., den ich nicht persönlich kenne, der aber irgendwie in einen meiner Kreise auf Google Plus und darüber in mein Adressbuch gerutscht sein muss. Das ist alles im Moment. Andere Nutzer berichten auf Twitter ebenfalls über Fehlermeldungen, entweder wenige, gar keine oder zu viele Kontakte. Bei mir loggt sich die App immer wieder aus und wieder ein, mehr Kontakte aber findet sie nicht, auch wenn andere Nutzer in meinem Adressbuch schwören, sich mittlerweile registriert zu haben.

Server in Deutschland als Qualitätsmerkmal?

02_securityDabei gibt sich SIMSme erstaunlich modern. Eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung soll die Daten sichern. Die Server stehen in Deutschland – was neuerdings als Qualitätsmerkmal beworben wird, obwohl die Vorratsdatenspeicherung hier aktuell noch Gesetz ist. Ausländische Geheimdienste wie NSA und GCHQ wird es außerdem nicht davon abhalten, die Daten abzufangen. Hier wird die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung interessant, die SIMSme einsetzt. Die Post setzt hier allerdings – ähnlich wie der Schweizer Dienst Threema – auf eine proprietäre statt einer quelloffenen Software. Man muss dem Anbieter also praktisch blind glauben, dass seine Software die Sicherheitsstandards einhält.

Sehr jugendlich – und wenn man so will auch datenschutzfördernd – ist ein weiteres Feature von SIMSme: Eingehende Nachrichten werden auf Wunsch nach einem selbst bestimmten Termin gelöscht. Eine Idee, die die Deutsche Post von Snapchat übernommen hat, dem bei Jugendlichen sehr beliebten Chatdienst. Der Illusion, dass niemand, der das Smartphone ausspäht, diese Nachrichten lesen kann, sollte man sich allerdings nicht hingeben. Die Nachrichten werden natürlich trotzdem auf dem Telefon und den Servern der Post zwischengespeichert. Wer sie abfangen will und über die notwendigen Mittel verfügt, der schafft das auch. Bei SIMSme kostet die Selbstzerstörungsfunktion übrigens 89 Cent, während die App an sich kostenlos ist.

TÜV-geprüft und doch voller Fehler

03_selfdestructNach etlichen Fehlermeldungen, zahlreichen automatischen Neuanmeldungen und noch immer keinem Erfolg auf der Suche nach weiteren Kontakten außer dem geschätzten Lutz B. breche ich den Test ab. Es ist noch früh, die Medien berichteten am ersten Tag zahlreich – der Ansturm war wohl zu hoch. Neu zu registrierende Nummern, die angeblich schon hinterlegt sind, ein ständiges Abstürzen und die fehlgeschlagene Suche nach Kontakten wirken zumindest im ersten Moment allerdings nicht sonderlich seriös. Dass die Post selbst in der eigenen Pressemeldung hervor hebt, dass SIMSme „umfassend sowohl von mediaTest digital als auch von TÜViT geprüft und als ‚Trusted App‘ ausgezeichnet“ worden sei, klingt angesichts der Probleme mit simplen Funktionen wie blanker Hohn. Was genau haben die da getestet?

Ich werde wohl in ein paar Tagen noch einmal vorbei schauen müssen, in der Hoffnung dass die Anfangsprobleme dann hoffentlich behoben sind. Der erste Eindruck jedenfalls ging komplett daneben. Einen mobilen Messenger ruft man wohl doch nicht mal so mit links ins Leben, auch ein Unternehmen nicht, das nach eigenen Angaben auf der Webseite „500 Jahre Erfahrung in der Übermittlung von Nachrichten“ hat.

3 Kommentare zu “Das ging gründlich daneben: SIMSme, das WhatsApp der Deutschen Post, versagt im ersten Test

Kommentare geschlossen.