Strand mit Liegestühlen (Bild: Pixabay/Stevebidmead)

Geoblocking abgeschafft: Netflix und Spotify auch im EU-Ausland streamen

Wer zuhause für einen Streamingdienst zahlt, soll diesen auch im Urlaub nutzen können – zumindest in einem Land der EU. Sogar Bundesligaspiele können dann am Mittelmeerstrand geschaut werden.

Habt ihr euch auch immer geärgert, wenn ihr im Urlaub keine Musik über Spotify streamen oder neue Serienfolgen über Netflix schauen konntet? Ab 2018 wird genau das möglich sein. Ihr könnt dann alle Dienste, bei denen ihr ein Streaming-Abo habt, auch in anderen Ländern der Eeuropäischen Union nutzen – ganz so wie zuhause. Grundlage ist die Verordnung zur “grenzüberschreitenden Portabilität”, die das Europäische Parlament gerade verabschiedet hat. Nur noch der EU-Ministerrat muss zustimmen, doch das gilt als Formsache.

Bundesligaspiele am Mittelmeerstrand

Grund für das aktuelle kleinstaatliche Grabendenken ist, dass die Lizenzen für urheberrechtlich geschütze Inhalte nicht für die gesamte Europäische Union vergeben werden, sondern nur für einzelne Länder. Wenn ein Dienst dann anhand der IP-Adresse erkennt, dass sich ein Kunde in einem anderen Land aufhält, werden keine Inhalte zum Download freigegeben oder gestreamt. Dieses Geoblocking wird nun innerhalb der EU abgeschafft. EU-Bürger, die sich zeitweilig in einem anderen EU-Land aufhalten, sollen vollen Zugriff auf die Inhalte erhalten, für die sie zuhause gezahlt haben.

Das gilt offenbar für den Zugriff auf Musik, Serien und Spielfilme unter anderem über über Spotify, Deezer, Netflix, Amazon Prime und Maxdome – aber auch für das Streamen von Bundesligaspielen via Sky Go sowie für Online-Videospiele und das Herunterladen von E-Books. Ungeregelt bleibt, was mit Gratis-Diensten wie Spotify Free geschieht. Einerseits schafft der Dienst die technischen Grundlagen für seine zahlenden Kunden, die dann auch für alle Kunden genutzt werden könnten. Andererseits könnte die Nutzung im Ausland auch zu einem Premium-Feature werden. Öffentlich-rechtlichen Sendern wird es ausdrücklich freigestellt, ihre Mediatheken auch im EU-Ausland zugänglich zu machen.

Nur für eine begrenzte Zeit

Ebenfalls unklar bleibt, was unter zeitweiligem Aufenthalt im Ausland zu verstehen ist. Urlaub und Dienstreise sind dabei wohl eingeschlossen. Doch was passiert bei einem längerem Aufenthalt wie einem Auslandssemester? Muss jemand zwei Verträge bei einem Dienst abschließen und doppelt zahlen, der ein Ferienhaus jenseits der Grenze hat und mehrere Monate im Jahr dort verbringt? Die Streamingdienste dürfen eine übermäßge Nutzung unterbinden. Die Frage ist bloß, wo diese anfängt. Die Verordnung jedenfalls nennt keine zeitliche Grenze in Form von Stunden oder Tagen.

Um weiteren Missbrauch zu vermeiden, wird bei Vertragsabschluss der Wohnort des Nutzers festgestellt – per Personalausweis, IP-Adressen, Konto- oder Steuerdaten. Dadurch soll unterbunden werden, dass die Verträge in einem Land abgeschlossen werden, in dem die Tarife günstiger sind als im eigenen Land.

Und wer von euch nun sagt: “Na, und? Ich habe nie Probleme in Ausland gehabt”, der hat wohl ein Virtual Private Network (VPN) genutzt, bei dem die eigene IP-Adresse verschleiert wird, so dass der Dienst annehmen musste, dass man zuhause sei. Der Opera-Browser beherrscht dies beispielsweise.

Bild: Pixabay/Stevebidmead

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