Wi-Fi 6E: Neue Frequenzen für euer WLAN

5-GHz-Router halfen, als WLAN im 2,4-GHz-Band überlaufen war. Der neue Standard Wi-Fi 6E erschließt nun das nächste Frequenzband.

Wi-Fi 6E: Neue Frequenzen für euer WLAN

Stocken beim Videotelefonieren eure Streams? Oder beim Netflixschauen? Dann kann das durchaus an den Nachbarn liegen. Denn die Frequenzbänder um 2,4 GHz und 5 GHz sind oft überfüllt.

Der neue WLAN-Standard Wifi 6E öffnet nun ein neues Frequenzband. Das löst gleich mehrere Probleme auf einmal.

Wi-Fi 6E bringt viele, breite Kanäle

Wi-Fi 6E ist ein Triband-WLAN. Neben den bisherigen Frequenbereichen um 2,4 GHz und 5 GHz nutzt es erstmals das 6-GHz-Band – den Frequenzbereich zwischen 5,925 und 7,125 GHz. Das ist ein zusätzliches Funkspektrum von 1.200 MHz und für WLAN-Verhältnisse ein großes zusammenhängendes Stück.

Wi-Fi 6E
Wi-Fi 6E erweitert den WLAN-Standard 6 um ein neues Frequenzband (Bild: Wifi Alliance)

Aus diesem Grund passen auch besonders breite Kanäle hinein. WiFi 6E ermöglicht laut Standard bis zu 14 Kanäle mit einer Breite von 80 MHz (14 x 80 MHz) oder eben 7 x 160 MHz. Zumindest theoretisch. Denn in Deutschland hat die Bundesnetzagentur nur ein Spektrum von 480 MHz genehmigt. Dort ist bloß Platz für 6 x 80 MHz oder 3 x 160 MHz.

Es ist jedoch normal, dass das technisch Mögliche nicht überall umgesetzt werden kann, weil in unterschiedlichen Regionen der Welt die Frequenzen oft schon für andere Dienste vergeben sind.

Höhere Download-Geschwindigkeiten mit Wi-Fi 6E

Die breiteren Funkkanäle mit 160 MHz ermöglichen aber auch so schon hohe Downloadraten und damit Gigabit-WLAN.

Konkret kommt Wi-Fi 6E auf eine maximale Downloadrate von bis zu 1.201 Mbit/s je Antennen-Stream. Wenn euer Router vier Streams händeln kann und euch alle zur Verfügung stehen, dann kommt ihr auf maximal 4.804 Mbit/s im Download.

Es wird auch Router mit mehr Antennen geben, sodass der Datendurchsatz auf Routerseite noch höher sein wird. Allerdings wird es wohl keine Clients geben, die über so viele Antennen verfügen.

Die genannten Maximalwerte gelten allerdings nur bei Nutzung einer Kanalbandbreite von 160 Megahertz. Im Alltag jedoch dürften Router meistens 80 MHz breite Funkkanäle nutzen.

Highspeed auf kurzen Distanzen

Das Gleiche gilt für den Uplink. Bei vier Antennen könnt ihr mit bis zu 1,5 GBit/s rechnen. Die Latenz soll unter 2 Millisekunden liegen – auch weil sich im neuen Frequenzband weniger Geräte in die Quere kommen.

Die einzelnen Datenpakete gelangen also schneller zu euch. Dadurch werden Augmented Reality und Virtual Reality flüssiger, AR- und VR-Apps stocken nicht mehr so häufig. Und auch im Netflix-Stream gibt es weniger Ruckler.

Das liegt aber nicht nur am neuen Frequenzband, sondern vor allem am Modulationsverfahren 1024QAM, das bereits bei Wi-Fi 6 zum Einsatz kommt und den Datenaustausch vor allem auf kurzer Distanz beschleunigt.

Ihr profitiert also mehr, wenn ihr im Wohnzimmer auf dem 4K-Fernseher schaut und der Router im selben Raum steht – nicht so sehr, wenn ihr mit dem Laptop ein paar Räume weiter im Bett liegt.

Weniger Probleme mit den Nachbarn

Wi-Fi 6 und Wi-Fi 6E versorgen auch viele Teilnehmer sehr effizient. Das merkt ihr, wenn ihr mit vielen Menschen parallel das WLAN nutzt – im Fußballstadion, auf einem Konzert, zu Silvester.

Wi-Fi 6(E) kann auch besser damit umgehen, wenn viele WLAN-Netze sich auf engem Raum befinden und sich gegenseitig beeinflussen. Es löst also euer Problem mit den Nachbarn nicht nur, wenn ihr auf das neue 6-GHz-Band ausweicht (der Nachbar aber nicht) – sondern auch, wenn ihr auf der gleichen Frequenz im gleichen Kanal funkt.

Das E steht übrigens für Extended, denn wie bereits Wi-Fi 6 wird auch Wi-Fi 6E vom Standard IEEE 802.11 ax abgedeckt. Der Unterschied liegt allein in der Nutzung des neuen Frequenzbandes.

Neue Hardware notwendig

Da Wi-Fi 6E nicht mit anderen WLAN-Standards kompartibel ist, auch nicht mit Wi-FI 6, müsst ihr wohl oder übel neue Hardware anschaffen. Der neue Standard benötigt neue Antennen, um den neuen Frequenzbereich vollständig nutzen zu können.

Die ersten Geräte werden voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2021 erscheinen. Passt auf: Es wird Router geben, die den neuen Standard nicht komplett umsetzen. Es wird Modelle mit weniger Antennen geben. Da für die Demodulation viel Rechenleistung benötigt wird, könnten die Hersteller auch daran sparen.

WLAN-Router Nighthawk Tri-Band WiFi RAXE500
Nighthawk Tri-Band WiFi RAXE500: Der erste WLAN-Router, der im 6-GHz-Band funkt (Bild: Netgear)

Und wie immer gilt: Wenn zwei Geräte über Wi-Fi 6E miteinander kommunizieren wollen, dann müssen auch beide den neuen Standard beherrschen. Es reicht also nicht, einen neuen Router anzuschaffen. Beim nächsten Smartphone oder Laptop müsst ihr ebenfalls darauf achten.

So reicht es zum Beispiel nicht, bei einem Laptop das WWAN-Modul auszutauschen, weil es eben auch auf die Antennen ankommt. Die lassen sich aber nicht so leicht wechseln.

Netgear hat mit dem Nighthawk RAXE500 zur CES 2021 einen ersten Triband-WLAN-Router vorgestellt, der Wi-Fi 6E beherrscht. Er kann über zwölf Streams funken – vier pro Frequenzband. Unter optimalen Bedingungen käme er so auf eine maximale Datenrate von 10,8 Gbit/s. Auf der Endgeräteseite dürfte das Samsung Galaxy S21 Ultra 5G das erste Smartphone sein, das Wi-Fi-6E-fähig ist.

Fazit: Die Daten fließen schneller

Die Hersteller werden den neuen WLAN-Standard Wi-Fi 6E voraussichtlich mit Gigabit-WLAN bewerben. Doch diese hohen Downloadraten benötigt kein einzelner Haushalt – nicht einmal mit mehreren Kindern, die alle 4K streamen. Die Vorteile liegen im Netz-Management.

Wi-Fi 6E bringt zwei Verbesserungen:

  1. Ein neues Spektrum verteilt die Last besser. Nicht für alle, sondern nur für diejenigen, die sich bereits in dem neuen Frequenzband bewegen. Ihr merkt dies aber nur, wenn das 5-GHz-Band bei euch schon ausgelastet ist.
  2. Geringere Latenzen. Gefühlt ist das Internet in den letzten Monaten langsamer geworden. Webseiten benötigen 30 Sekunden und mehr, um vollständig geladen zu sein. Der neue Standard verspricht Besserung. Wie groß die ausfallen wird, bleibt allerdings abzuwarten.
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