Sengled Snap: Die smarte LED mit versteckter Überwachungskamera ausprobiert

Eine clevere Idee: In einer ganz normalen LED-Lampe befindet sich eine Überwachungskamera. Schraubt man die Sengled Snap an beliebiger Stelle in eine E27-Fassung, schon wird die Wohnung durch eine smarte Sicherheitslösung erweitert. Wir haben die Snap unter die Lupe genommen.

Schon beim Auspacken fällt auf: Die Sengled Snap ist keine gewöhnliche LED-Leuchte, dafür ist sie viel zu groß. Mit einem Gewicht von über 600 Gramm und einem Durchmesser von 12,1 Zentimetern dürfte sie nicht für alle E27-Fassungen gleichermaßen geeignet sein. Wichtig ist ein entsprechend großer Raum zwischen der Snap und beispielsweise dem Lampenschirm. Für den Wahl eines geeigneten Standortes nicht irrelevant: Auf der Vorderseite des Geräts befinden sich die 1080p-Kamera mit 140 Grad Weitwinkel-Objektiv sowie die Infrarot-LEDs und die eigentliche LED mit dem 850 Lumen hellen Licht.

Frisch ausgepackt. (Foto: Sven Wernicke)

Frisch ausgepackt. (Foto: Sven Wernicke)

Leicht einzurichten

Ein Blick in die kurze Aufbaueinleitung ist im besten Fall gar nicht nötig: Schraubt die Sengled Snap wie eine normale LED ein, installiert die App für iOS oder Android auf eurem Smartphone bzw. Tablet, startet diese und folgt den Erklärungen. Nach spätestens fünf Minuten ist die Snap mit dem heimischen WLAN-Netz und dem Internet verbunden sowie konfiguriert. Im Inneren des Systems befindet sich ein WLAN-Modul, das das 2,4GHz- und 5GHz- Netz unterstützt (2×2 MIMO). Sowieso funktioniert die Lösung von Sengled ausschließlich mit einem Zugang zu den Servern des Herstellers. Eine reine Offline-Verwendung ist leider nicht vorgesehen.

Die App ist Dreh- und Angelpunkt für die Video-Elemente. In dieser definiert ihr beispielsweise Überwachungszonen. Möchtet ihr, dass ihr nur dann eine Benachrichtigung erhaltet, wenn die integrierten Bewegungssensoren in einem bestimmten Bereich aktiv werden? Kein Problem. Auf Wunsch ignoriert die Sengled Snap also das Geschehen im Vorgarten, aber nicht das, was hinter dem Zaun passiert. Bequem auf dem Touchscreen des Smartphones werden die Zonen erstellt. Und spätestens hier sollte erwähnt werden: Die Snap ist dank IP54-Zertifizierung und 100%igem UV-Schutz auch für den Außeneinsatz gedacht. Alternativ dient sie selbstverständlich zu Überwachung der Räumlichkeiten in der Wohnung oder gar als Babycam.

Normale E27-Fassung, aber trotzdem recht groß. (Foto: Sven Wernicke)

Normale E27-Fassung, aber trotzdem recht groß. (Foto: Sven Wernicke)

Sengled Snap ausprobiert

Meinen ersten Versuch wagte ich in meinem Arbeitszimmer. Dort brachte ich die Sengled Snap einfach als Deckenlampe an. Was mich überraschte: 140 Grad Weitwinkel sind durchaus in der Lage, von oben herab fast den gesamten Raum wahrzunehmen. Einen Sessel wählte ich als Zone, was zur Folge hatte: Sobald ich mich auf diesen setzte, erhielt ich eine Info über die App. Lustig und mit wenig Praxisnutzen, aber ein Beweis dafür, wie gut das klappt. Eine Frage des Geschmacks ist zweifelsohne das sehr zielgerichtete und kalte Licht (3000 Kelvin), das für die Terrasse gewiss besser geeignet ist als für das Kinderzimmer.

Andererseits kann dieses via App gedimmt oder gar abgeschaltet werden. Spätestens dann werden die Infrarotsensoren aktiv, die mich positiv überraschten. Die Nachtsicht-Funktion liefert bei Entfernungen bis maximal vier, fünf Metern sehr gute bis solide Ergebnisse, darüber hinaus wird es problematisch. Das wurde bei einem zweiten Test deutlich: Ziel sollte es sein, mit der Snap nicht nur einen kleinen Vorgarten zu überwachen, sondern auch die rund sieben Meter entfernte Straße. Das klappte dann doch nicht wie gewünscht, unter anderem aufgrund störender Laternen sowie der Tatsache, dass Gesichter nicht mehr als solche zu erkennen waren. Davon abgesehen: E27-Fassung hin oder her – wenn die Snap an der Decke befestigt wird, sieht man im schlimmsten Fall nur die Köpfe der Einbrecher, nicht aber deren Antlitze.

Direkt in eine Deckenlampe geschraubt, betrachtet man das Geschehen von oben. Logo. Aber das muss berücksichtigt werden. (Foto: Sven Wernicke)

Direkt in eine Deckenlampe geschraubt, betrachtet man das Geschehen von oben. Logo. Aber das muss berücksichtigt werden. (Foto: Sven Wernicke)

Die Sengled Snap offenbart recht schnell die (technischen) Grenzen. Ihr solltet genau wissen, an welchem Ort ihr die LED einsetzen wollt. Die gezielte Kontrolle eines Raumes in der Wohnung bzw. im Haus halte ich für sinnvoll, genauso auch im überschaubaren Vorgarten oder unmittelbarer Nähe zum Gebäude. Größere Entfernungen kann die Snap einfach nicht in einer ausreichenden Qualität abdecken, was sicherlich der verwendeten Kamera geschuldet ist. Wichtig ist außerdem die korrekte Platzierung. Wenn die Lampe von oben nach unten in den Raum strahlt, sind die Bild- und Video-Resultate ggf. nicht brauchbar.

Trotzdem: Das Konzept ist schlüssig und überzeugend. Denn gerade dann, wenn es an Platz oder Möglichkeiten fehlt, eine „klassische“ und gerne auch sehr viel teurere Überwachungskamera anzuschließen, kann die Sengled Snap eine richtig gute Alternative darstellen. Für manche ist es dagegen nicht ideal, dass Aufnahmen ausschließlich in der Cloud bzw. auf externen Servern gesichert werden, nicht einmal ein SD-Kartenslot für das lokale Speichern ist vorhanden. Das ist für Käufer ernüchternd, für Sengled wiederum Teil eines Geschäftsmodells.

Gute Verarbeitung. (Foto: Sven Wernicke)

Gute Verarbeitung. (Foto: Sven Wernicke)

Monatliche Kosten

Ein Aspekt, den Sengled gerne überdenken kann, betrifft die unter Umständen anfallenden Kosten. Nach einer dreimonatigen Testphase, bei der Videos (mit Ton dank des verbauten Mikrofons) der letzten 24 Stunden sowie Fotos in HD-Auflösung in der Cloud gespeichert und aufs mobile Endgerät gestreamt werden, entstehen Monat für Monat weitere Kosten, sofern ihr sinnvolle Features verwenden wollt. Push-Benachrichtigungen und Cloud-Aufzeichnungen kosten dann extra. Für den Zugriff auf die vergangenen 24 Stunden werden 3,50 Euro fällig, für 7 Tage 6,50 Euro und für 30 Tage sogar 18,50 Euro. Alle 30 Tage. Wer kein Geld ausgeben möchte, muss sich mit Live-Streaming begnügen, was für eine ernsthafte Überwachungsfunktion wenig praktisch sein dürfte. Wenigstens die 24h-Sicherhung hätte man als Teil des Kaufpreises zur Verfügung stellen können.

Ja, eine ganz normale Fassung. Über die erhält die Kamera den "Strom". (Foto: Sven Wernicke)

Ja, eine ganz normale Fassung. Über die erhält die Kamera den „Strom“. (Foto: Sven Wernicke)

Wer sich also gegen das sogenannte Basic Paket plus entscheidet, erhält mit Sengled Snap eine LED-Lampe mit Kamera, bei der die Leuchte zu gewünschten Zeiten ein- und ausgeschaltet werden kann. Und seid ihr im Urlaub oder auf Arbeit, könnt ihr mit recht geringer Verzögerung (ein paar Sekunden) sehen, was daheim vor sich geht. Nur dafür muss die App immer gestartet sein, ein Zurückspulen der Ereignisse ist ohne kostenpflichtiges Paket nicht vorgesehen. Und auch die Erstellung der Zonen mit Bewegungsmeldung ist im Gratis-Angebot nicht brauchbar. Ihr bezahlt also mit dem Kaufpreis für etwas, das ihr später nicht im vollen Umfang nutzen könnt. Ernüchternd.

Fazit: Die Idee ist gut, aber…

Zugegeben: Etwas stören mich die Zusatzkosten, die nach dem Kauf der Sengled Snap entstehen. Mit einem Gratis-Zugriff auf die vergangenen 24 Stunden würde der Hersteller dem Kunden entgegen kommen und das eigentliche Produkt nicht unnötig beschränken. So aber erhaltet ihr erst dann die volle Funktionalität, wenn ihr jeden Monat mindestens 3,50 Euro zahlt. Das ist andererseits verständlich, schließlich wird euch das sichere Ablegen der Videodaten in der Cloud geboten, was im Fall eines Einbruchs mit Diebstahl der gesamten Hardware im Haushalt dann doch nützlicher ist. So hat man die Aufnahmen noch extern gesichert und abrufbereit. Dennoch: Das Bezahlmodell hätte fairer ausfallen können.

Wer sie woanders einsetzen will, kann die Lampe vom erstellten Account lösen und auf Werkzustand zurücksetzen. (Foto: Sven Wernicke)

Wer sie woanders einsetzen will, kann die Lampe vom erstellten Account lösen und auf Werkzustand zurücksetzen. (Foto: Sven Wernicke)

Unabhängig davon gefällt mir die Sengled Snap: Die Kamera ist in Windeseile installiert und einsatzbereit. In einem optimalen Szenario dient sie als Babycam, überwacht Räume oder den kleinen Vorgarten. Nur für zu große Flächen ist sie speziell bei Nacht nicht ausgelegt und stößt schnell an ihre Grenzen. Für den (All-)Tag dagegen bekommt ihr ein gut überlegtes Produkt, das vor allem dort eine Bereicherung ist, wo nur eine E27-Fassung zur Verfügung steht und Nutzer nicht bohren, basteln sowie Kabel verlegen wollen oder können.

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