Sprachassistenten wie der Amazon Echo werden meist von mehreren Personen genutzt (Bild: Amazon)

Radar soll Lautsprecher smarter machen – vielleicht auch das ganze Smart Home

Infineon hat neue Xensiv-Sensoren vorgestellt, die Bewegungen im Smart Home erfassen und sich hoffentlich bald auch zur Gestensteuerung nutzen lassen.

Smarte Lautsprecher sollen nicht nur verstehen, was der Mensch sagt. Sie sollen auch seine Bewegungen deuten können – und damit die Kommunikation vereinfachen. Zum Mobile World Congress (MWC) hat Infineon deshalb Radarsensoren gezeigt, die die notwendigen Informationen dafür liefern sollen. Wer sich auf einen Amazon Echo zubewegt, muss dann nicht mehr „Alexa“ sagen. Golem hat sich einen Prototypen vor Ort angeschaut.

Eine Technik für alle Systeme

Die Technik soll selbstverständlich auch mit anderen smarten Lautsprechern wie Google Home oder Apple Homepod funktionieren. Infineon zeigt lediglich seine Xensiv-Sensoren, bei denen Radarsensoren und Fernfeldmikrofone kombiniert werden. Die Xensiv-MEMS-Mikrofone mit einem hohen dynamischen Bereich von 105 dB und einem Ausgangssignal mit hoher Linearität sollen von Anwendungen genutzt werden, die ein geringes Eigengeräusch, geringe Verzerrungen und einen hohen akustischen Übersteuerungspunkt benötigen.

Mit Infineons MEMS-Technologie sollen Mikrofone nicht nur Stimmen aufnehmen, sondern viel mehr leisten (Bild: Infineon)

Mit Infineons MEMS-Technologie sollen Mikrofone nicht nur Stimmen aufnehmen, sondern viel mehr leisten (Bild: Infineon)

Wenn die Sensoren registrieren, dass sich jemand nähert, aktiviert dies den smarten Lautsprecher. Ein Aktivierungswort muss nicht mehr ausgesprochen werden. Der persönliche Assistent geht einfach davon aus, dass er gemeint ist. Schließlich sollen auch einzelne Personen an ihren Bewegungsmustern unterschieden werden können – zum Beispiel an ihrer Gangart. Wie gut dies bereits gelingt, ist uns nicht bekannt. Die Technik befindet sich auch noch am Anfang der Entwicklung.

Datenschutz hin, Datenschutz her

Infineon möchte mit seinem Ansatz ein Datenschutzproblem umgehen, denn sonst wird eine Kamera benötigt, um die Bewegungen der Nutzer zu erfassen. Theoretisch könnten die Bilder in fremde Hände gelangen. Insbesondere wenn diese in die Cloud geschickt werden, um dort auf einem Server die Gesichtserkennung durchzuführen.

Ganz so einfach ist es aber nicht, denn an anderer Stelle könnte ein neues Datenschutzproblem entstehen. So ist fraglich, ob sich einzelne Personen überhaupt eindeutig anhand ihrer Bewegungsmuster identifizieren lassen. Solange dies nicht hundertprozentig garantiert ist, sollte niemand den Zugriff auf sicherheitsrelevante Daten erlauben.

Lieber die Hand heben als sprechen

Aber zurück zum praktischen Nutzen: Es ist natürlich quatsch, jedesmal aufzustehen und auf den Lautsprecher zuzugehen, um nicht „Alexa“ sagen zu müssen. Auch dafür müsste die Technik erst einmal zuverlässig funktionieren. Doch die Idee gefällt mir – weil ich Sprachassistenten nichts abgewinnen kann. Ich würde lieber die Hand heben und Zeichen durch die Luft wischen, als in einen leeren Raum zu sprechen.

Die Idee der Gestensteuerung ist auch gar nicht neu. Zur Bedienung der Spielekonsole Xbox 360 hat Microsoft Kinect entwickelt. Später ließ es sich auch für Windows und Office nutzen. Kinect ortete die Gesten mit einer Kombination aus Tiefensensor, 3D-Mikrofon und Farbkamera. 2017 wurde das Projekt jedoch eingestellt. Mit singlecue gibt es heute noch ein ähnliches Projekt.

Mit einem smarten Ring am Finger

Wesentlich eleganter fand ich den Logbar Ring. Der Name verrät es bereits: In die Luft wurden Zeichen mit dem Finger gemalt, an dem ein präparierter Ring steckte. Auf diese Weise wurden die Gesten viel präziser erkannt. Microsofts Kinect funktionierte dagegen nur auf kurze Distanz gut. 2015 vorgestellt ist der Logbar Ring jedoch nicht mehr erhältlich. Mit Bird gibt es aktuell noch eine etwas klobige Alternative.

Ein bisschen erinnert das Szenario an Tom Cruise, wie er im Film Minority Report vor einem großen Bildschirm steht und mit den Händen wild herumfuchtelt. In klein gibt es das sogar schon, wenn auch nicht ganz so komplex: Der Fibaro Swipe lässt sich unter einem Wohnzimmertisch oder hinter einem Badezimmerspiegel verstecken. Er erkennt dann alle Gesten, die unmittelbar darüber bzw. davor ausgeführt werden.

Einfache, aber smarte Fernbedienungen

Ich persönlich benötige ein solche komplexe Steuerung auch gar nicht. Zu diesem Haushalt gehören zwei Personen, zwei Katzen, zwei Smartphones und zwei Laptops. Es gibt hier weder einen Fernseher noch Lautsprecher noch eine intelligente Heizungssteuerung. Wenn ich wirklich ein Gerät bedienen möchte, ohne aufzustehen – und ohne zum Smartphone zu greifen –, dann würde eine Fernbedienung reichen.

Statt einer langen Leiste mit vielen Knöpfen geht es auch einfacher, dafür aber intelligenter. Eine neue Art der Fernbedienung sind smarte Schalter, wie sie euch Kollege Sven Wernicke hier auf dem Trendblog vorgestellt hat.

Unsichtbare Schalter im Raum

Gelungen finde ich auch den Infrarot-Scanner Hayo, der im Grunde nicht die Gesten erkennt, sondern wo im Raum die Hand etwas macht. Auf diese Weise lassen sich überall unsichtbare Schalter positionieren. Mit der Hand einmal auf die Tischecke gedrückt und es wird hell im Raum. Kurz mit dem Finger auf den Fernseher gezeigt und er startet Netflix.

Smarte Lautsprecher und darauf hausenden Sprachassistenten waren das große Thema des letzten Jahres. Einige, wie mein Kollege Jürgen Vielmeier, lieben sie, andere nicht. Einige gewöhnen sich erst langsam daran. Die Steuerung des Smart Home per Gesten könnte jedoch das nächste große Thema werden, vielleicht sogar schon in diesem Jahr. Infineon könnte mit seinen Radarsensoren einen wichtigen Baustein dafür liefern.

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