Neue Unitymedia-Tarife bieten Kabelanschluss mit bis zu 400 Mbit/s

Wenn nicht die Sternchen unter der Tariftabelle wären, würde der Internetanschluss mit 20 Mbit/s beim Kabelanbieter Unitymedia dauerhaft 19,99 Euro im Monat kosten, das Alles-drin-Paket mit 400 Mbit/s und TV-Anschluss 49,99 Euro. Schaut selbst.

Wieviel Bandbreite benötigt ihr denn so? Filme über Netflix in Ultra-HD streamen? Zeitgleich in beiden Kinderzimmern? Nebenbei noch neue Software downloaden? Und der Fernseher im Wohnzimmer braucht auch noch ein Bild? Der Kabelnetzbetreiber Unitymedia möchte Internetanschlüsse mit bis zu 400 Mbit/s bezahlbar machen (wahlweise mit oder ohne TV-Kabelanschluss) und hat dafür seine Tarife überarbeitet. Im Vergleich mit den bisherigen: Die günstigeren Angebote im Portfolio werden teurer, die teureren günstiger. Und wenn auch auf den ersten Blick alles schön einfach aussieht: Der Teufel steckt im Tarifdetail.

Internetanschlüsse mit 20 bis 400 Mbit/s in Download-Richtung

Zwei Produktlinien stehen zur Auswahl: Unitymedia 2play kombiniert Internetzugang mit Telefonanschluss und Festnetz-Flatrate. Unitymedia 3play enthält zusätzlich noch einen TV-Kabelanschluss, auch wenn das lineare Fernsehen aus der Mode zu kommen scheint (Videostreaming hat schon gewonnen). In jeder Linie gibt es drei Tarife (Start, Jump und Fly), die sich in der Bandbreite bzw. Geschwindigkeit unterscheiden und natürlich auch im Preis.

Prinzipiell hört sich das nach einer einfachen Tarifstruktur an, doch weit gefehlt. Während die Internetanschlüsse der 3play-Anschlüsse mit Kabel-TV mit 60 Mbit/s, 120 Mbit/s und 400 Mbit/s (jeweils in Download-Richtung) gestaffelt sind, gibt es bei den 2play-Anschlüssen eine Ausnahme: Der einfachste, leistungsarmste und günstigste Tarif Unitymedia 2play Start lädt Daten nur mit 20 Mbit/s und kostet bei Vertragsbeginn auch nur 19,99 Euro im Monat. Mir persönlich würde das sogar reichen. Maximal zwei parallele Netflix-Streams in HD, mehr muss mein Haushalt nicht verkraften. Bei Unitymedia kommt Netflix sogar über die Horizon-Box.

Die 2play-Tarife von Unitymedia: Das Kleingedruckte macht die Preise groß (Bild: Unitymedia)

Die Tarife mit der höchsten Leistung sind entsprechend teurer: Unitymedia 2play Fly mit 400 Mbit/s downstream und 10 Mbit/s upstream kostet zu Vertragsbeginn 39,99 Euro im Monat, der entsprechende Tarif mit TV-Anschluss 49,99 Euro. Bei den 3play-Tarifen wird ein Kabelanschluss von Unitymedia vorausgesetzt. Sofern dieser nicht bereits im Haus vorhanden ist und über die Mietnebenkosten abgerechnet wird, werden monatlich 20,99 Euro zusätzlich berechnet. Einmalig wird eine Einrichtungsgebühr von 69,99 Euro sowie eine Versandkostenpauschale von 9,99 Euro für die Hardware fällig. Euer Anschluss wird dann auch zu einem WLAN-Hotspot, der bei Unitymedia Wifispot heißt.

Eingebaute Preiserhöhung in allen Tarifen

Und jetzt zu dem Punkt, an dem ich mir als Kunde verarscht vorkommen würde. In der Pressemitteilung heißt es vollmundig: „Unitymedia verzichtet bei den häufig nachgefragten Bundle-Tarifen auf die marktüblichen Staffelpreise. Nach sechs oder zwölf Monaten wird es für den Kunden nicht plötzlich teurer, der Preis bleibt über die Mindestvertragslaufzeit von 24 Monaten stabil.“ Bei Unitymedia erhöht sich die Grundgebühr auch nicht nach 6 oder 12 Monaten, sondern nach 24 Monaten, also mit Ablauf der Mindestvertragslaufzeit (um 5 Euro übrigens). Doch wer wechselt schon gerne? Und richtig krass wird die Aussage, wenn man entdeckt, dass in den beiden Start-Tarifen doch schon nach dem ersten Jahr der Preis hochgesetzt wird (um 10 bzw. 5 Euro).

Beim anderen großen Kabelanbieter, Vodafone Kabel (früher Kabel Deutschland), finden sich übrigens nicht weniger Sternchen in der Tariftabelle. Chapeau, wer da den Überblick behält. Unitymedia bietet seine Dienste in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg an, Vodafone Kabel im restlichen Deutschland. Schade, dass es einem die Internetprovider so schwer machen. Für mich gehört der Breitbandzugang zur Infrastruktur. Und gerade wer sein Wohnzimmer mit einem Ultra-HD-Fernseher und einem fetten Soundsystem ausgestattet hat, möchte auch, dass die Daten fließen – und zwar zu einem Preis, der vorher auch so in der Tariftabelle stand.

Die 3play-Tarife von Unitymedia: Warum nicht so, dass es jeder auf Anhieb versteht? (Bild: Unitymedia)

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4 Kommentare zu “Neue Unitymedia-Tarife bieten Kabelanschluss mit bis zu 400 Mbit/s
    • Die neuen Tarife gelten nur für Neukunden. Für Unitymedia sind das alle, die in den letzten drei Monaten kein Kunde gewesen sind. Aber ich bin mir sicher, dass demjenigen, der einen schnelleren Anschluss haben möchte und bereit ist, dafür auch mehr zu zahlen, dieses ermöglicht wird.

    • Finde schade, dass UM damit offenbar auch die „bis zu“-Politik mitzugehen scheint. „Bis zu 400 Mbit/s“ erhöht ja dann auch den Spielraum. Sind 40 Mbit/s nicht auch schon „bis zu 400 Mbit/s“?

    • Ich habe jetzt kein konkretes Gerichtsurteil im Kopf, aber auch bei „bis zu“ muss der tatsächliche Wert dem beworbenen recht nahe kommen.

      Im DSL-Bereich hat sich diese Formulierung eingebürgert, da die tatsächliche Bandbreite von der Kabellänge abhängt. So nimmt diese mit jedem Haus in einer Straße ab. Alles, was da noch in den Toleranzbereich fällt, wird dann unter „bis zu“ zusammengefasst.

      Beim Kabelanschluss ist das meines Wissens nicht so, dennoch handelt es sich um ein Shared Medium. Hier müssen sich mehrere Nutzer eine Bandbreite teilen, was dann zu individuellen Schwankungen führen kann. Damit ein einzelner Nutzer nicht unter einen beworbenen Wert fällt, wird normalerweise genug Bandbreite als Puffer eingerechnet. Aber wie überall im Internet gibt es immer irgendwo einen Flaschenhals, der mal einen Haushalt oder sogar ein ganzes Haus auch auf Dauer ausbremst.

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