Wikipedia-Streik: Auch die US-Regierung spricht sich jetzt gegen DNS-Eingriffe aus

Das World Wide Web für 24 Stunden ohne die englischsprachige Version von Wikipedia: Protest der Online-Enzyklopädie gegen DNS-basierte Websperren.

„Einen gruseligen Präzedenzfall in Sachen Zensur“ nennt Wikipedia-Gründer Jimmy Wales den am 26. Oktober 2011 im US-Repräsentantenhaus eingebrachten umstrittenen Gesetzesvorschlag für den „Stop Online Piracy Act“ (SOPA) und den „Protect IP Act“ (PIPA). Nach einer gewaltigen Protestwelle gegen die geplante Internet-Zensierung durch DNS-basierte Websperren hat sich jetzt auch die US-Regierung gegen Eingriffe in das Domain-Name-System ausgesprochen – und das geplante Gesetz vorerst gestoppt.

Bei dem eingebrachten Gesetzesvorschlag sollten Urheberrechtsverletzungen im Netz unter anderem mit Netzblockaden gegen ausländische Websites bekämpft und im Ausland gehostete Domains auf richterlichen Beschluss mittels einer DNS-Blockade gesperrt werden. Nach zwei eingebrachten Anti-SOPA-Petitionen gegen das geplante Gesetz heißt es jetzt aus dem Weißen Haus: „Gesetzesvorschläge dürfen nicht an der technischen Architektur des Internet rütteln, indem sie das Domain Name System manipulieren […] Wir müssen eine Gesetzgebung vermeiden, die Anwender auf gefährliche, unzuverlässige DNS-Server schickt und zukünftige Sicherheitsmaßnahmen wie DNSSEC gefährdet.“ Gleichzeitig stellt die Obama-Regierung klar, dass noch in diesem Jahr Gesetze erarbeitet werden sollen, die den Strafverfolgungsbehörden und Rechteinhabern neue Möglichkeiten eröffnen, „Urheberrechtsverletzungen zu verfolgen, auch wenn sie von außerhalb der Vereinigten Staaten ausgehen“.

Jimmy Wales hat indessen angekündigt, die englischsprachige Version von Wikipedia am 18. Januar für 24 Stunden vom Netz zu nehmen um seinem Protest gegen behördlich vorgenommene DNS-Sperren Nachdruck zu verleihen. Wales wörtlich: „Dies ist eine extraordinäre Maßnahme. Während wir bedauern, der Welt den Zugang zu Wikipedia auch nur für eine Sekunde zu verwehren, können wir einfach nicht ignorieren, wie SOPA und PIPA die freie Meinungsäußerung in den USA und der ganzen Welt bedrohen.“

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