Urlaub von Windows: Ein Alltagstest mit dem Toshiba Chromebook

Windows 8 sollte die Revolution werden. Es sollte Microsoft, die PC-Hersteller und die Nutzer in eine neue Ära katapultieren, Tablets und Laptops vereinen. Ein gutes Jahr nach der Einführung zeigt sich jedoch: Die Ansätze sind vielversprechend, aber Windows 8 und auch 8.1 entzweien die PC-Fans. Die einen lieben das neue System, die anderen suchen nach Alternativen. Und hier gelobte Google in die Bresche zu springen: Chromebooks bieten sich als Low-Cost-Variante mit einem Cloud-basierten Betriebssystem an. Aber können sie Windows 8 und Microsoft denn überhaupt gefährlich werden?

Seit wenigen Wochen gibt es drei Chromebooks auch im Online-Shop von EURONICS zu kaufen. Wir haben das Toshiba Chromebook CB 30-102 dort herausgepickt und auf seine Alltagstauglichkeit hin getestet. Mit überraschenden Ergebnissen.

Kaum größer als ein Macbook Air

Nimmt man das Toshiba-Chromebook zum ersten Mal in die Hand, dann fällt eins sofort auf: Chromebooks wollen anders sein. Das Toshiba Chromebook erinnert farblich und konzeptionell ein wenig an das Apple MacBook Air, auch wenn letzteres noch schlanker, schneller und natürlich mit Mac OS X ausgestattet ist. Der erste Eindruck der Software auf dem Chromebook ist anders – aber erfreulich:

  • Das Toshiba Chromebook ist sofort startbereit. Keine Erstinstallation, kein Hochfahren. Man klappt das Gerät auf, wird direkt begrüßt und wie von einem Concierge-Service abgeholt. Das ist charmant.
  • Die erste Einrichtung geht schnell von statten. Mit einem Google-Login, den man bereits hat, wenn man etwa GMail oder Google+ benutzt, kann man sich anmelden und das Gerät erledigt den Rest. Alles, was es noch braucht, ist den WLAN-Schlüssel für den Zugang zum Heimnetzwerk. Auch eine Installation ohne Google-Login ist im Prinzip möglich, wenn auch lange nicht so attraktiv für das Google-basierte Betriebssystem.
  • Kleine optische Spielereien schaffen ein Gefühl für Geborgenheit: Ein buntes Hintergrundbild begrüßt den Anwender. Dies zeigt die Lichter einer Großstadt bei Nacht und sagt dem Benutzer gleich auf subtile Art hallo. Das eigene Profilfoto – sofern man ein solches bereits früher in einem Google-Account hinterlegt hat – wird automatisch dazu geholt und rechts unten in der Statusleiste dauerhaft angezeigt.
  • Der Akku hält mehrere Stunden lang durch. Man muss sich, ähnlich wie bei modernen Ultrabooks, um die Laufzeit kaum noch Sorgen machen.

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Die Einrichtung insgesamt ist angenehm und dezent. Das System spielt sich nicht in den Vordergrund. Und es verlangt auch nicht, sich erst einmal mit neuen Gesten vertraut zu machen, wie das bei Windows 8 notwendig ist. Wer bisher mit Windows 7, Mac OS X oder einer anderen Linux-Distribution gearbeitet hat (Chrome OS setzt ebenfalls auf einen Linux-Kernel auf), muss sich nicht groß ungewöhnen. Nach nicht einmal fünf Minuten ist man startbereit.

Satte Bässe, eine besondere Tastatur

Und beim ersten Soundcheck erlebten wir gleich die nächste positive Überraschung: Das Toshiba Chromebook hat für ein Laptop dieser Preisklasse und Ausstattung einen erstaunlich guten Sound. Vor allem die tiefen Töne werden bei einem Versuch mit dem Spotify Webplayer erstaunlich satt wiedergegeben. Das Chromebook gewinnt hier den direkten Vergleich mit meinem dreimal so teuren MacBook Air.

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Der nächste Blick fällt auf die Tastatur. Die ist zwar optisch ebenfalls der des MacBook Air nachempfunden, bringt aber einige Besonderheiten mit. So sind die Tasten mit Kleinbuchstaben belegt – ungewöhnlich für ein Notebook. An Stelle der – für mich ohnehin nutzlosen – Feststelltaste, hat Toshiba hier eine Suchtaste untergebracht. Drückt man darauf, öffnet sich das Startmenü, das ein Google-Suchfeld enthält. Die Steuerung- und Alt-Tasten links unten sind prominent und sehr groß. Auf meinem MacBook Air etwa finden sich an gleicher Stelle gleich vier kleine Tasten (fn, ctlr, alt und cmd).

Willkommen zurück!

Oberhalb der Zifferntasten gibt es Kurzwahlfunktionen etwa für Vor und Zurück im Browser, das Aktualisieren einer Webseite, das Umschalten in den Vollbildmodus, eine Übersicht der geöffneten Fenster und die Möglichkeit, mit jeweils zwei Tasten Helligkeit und Lautstärke zu regulieren. Ähnlich deplatziert wie auf dem MacBook ist allerdings auch beim Toshiba Chromebook oben rechts der Ein-Aus-Schalter – auf den man immer wieder Gefahr läuft zu drücken, wenn man die Delete-Taste aus Versehen nicht erwischt.

Wer den ganzen Tag mit Chrome als Browser arbeitet und sich sogar einmal bei einem Chrome-Browser angemeldet hat, dem wird die Arbeit Freude machen. Die Favoriten-Leiste ebenso wie alle Add-Ons werden bei der Erstinstallation bereits hinzugefügt. Was mich ebenso überrascht hat: Chrome für Windows 8 lässt sich seit einigen Monaten in einem Metro-Modus öffnen, der Chrome OS nachempfunden ist. Vor wenigen Wochen habe ich das einmal auf einem Windows-Laptop getestet und hier auch einige Apps probeweise installiert. Das Chromebook hat sich daran „erinnert“ und begrüßt mich in der Taskleiste mit genau den gleichen Apps. Praktisch!

Weniger Einschränkungen als vermutet

Für meinen Arbeitsalltag als Technikblogger genügt das Chromebook meinen Mindestanforderungen. Der Celeron-Prozessor wird einen Vergleich mit Intels Core-Serie verlieren, er erwies sich jedoch für die Arbeit im Browser als absolut zufriedenstellend. Eine Maus konnte ich problemlos an eine der beiden USB-Schnittstellen anschließen, und auch der Zugriff auf die Daten eines USB-Sticks oder einer externen Festplatte, die ich über USB anschloss, gelang problemlos. Das Chromebook war auch in der Lage, Video-Dateien von der externen Platte abzuspielen. Dafür ließ sich mein Drucker nicht an das Chromebook anschließen – Chrome OS erkannte ihn aber immerhin als solchen und wies auf die Möglichkeit von Google Cloud Print hin.

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Bildbearbeitungsprogramme, die diesen Namen verdienen, gibt es nicht im verfügbaren App Store, dem Chrome Web Store. Chrome OS bringt aber eine Bildvorschau in seinem mitgelieferten Dateimanager mit, der auch Basis-Bearbeitungsfunktionen enthält, wenn man etwa von einem Bild nur einen Ausschnitt wählen oder es aufhellen will. Um Bilder für meine Artikel herauszusuchen und zu bearbeiten, genügte mir diese Funktion.

Archillesferse App-Auswahl und Offline-Funktionalität

Für alles andere fand ich wenig Ersatz. Das sei hier bei trotz des positiven Gesamteindrucks erwähnt. Und das dürfte der oft besprochene Hauptnachteil von Chrome OS sein. Eine gute Twitter-App fand ich etwa nicht, für das täglich von mir genutzte Skype gibt es weder App noch einen Webmodus. Spotify und Twitter musste ich direkt über die jeweilige Webseite starten – eine Notlösung, aber immerhin möglich. Und natürlich muss der Nutzer sich mit Google-Diensten anfreunden können. Da ich auch schon auf anderen Rechnern GMail, Drive und den Google Kalender als jeweilige Standardlösung verwendet habe, hatte ich hier keine Probleme. Die meisten der Apps im Chrome Web Store sind Browser-basierte Lösungen. An den Komfort von nativen Apps wie für Windows 8, den Mac, iOS oder Android reichen diese leider nicht heran.

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Und auch offline hatte ich immer noch Schwierigkeiten. Die meisten Apps bieten keine oder allenfalls eingeschränkte Funktionen für die Nutzung ohne einen permanenten Zugang zum Netz. Wollte ich etwa bei Google Drive im Offline-Modus ein Dokument aufrufen oder ein neues erstellen, erhielt ich eine Fehlermeldung. Google hat sich in der Vergangenheit bemüht, die Offline-Funktionalitäten zu verbessen. Dafür hat das Unternehmen auch zum Beispiel eine spezielle GMail-Offline-App veröffentlicht. Die Beschreibung in der Google Hilfe, man könne auch offline auf den Kalender und Dokumente im Cloudspeicher Drive zu greifen, erwies sich bei mir im Test allerdings als schlicht falsch. Das funktionierte nicht.

Eine Frage der Gewöhnung

Auch für den Bildschirm sei leise Kritik angebracht. Der bietet zwar mit einer Auflösung von 1.366 x 768 Pixeln bei 13,3 Zoll die gleiche Pixeldichte wie mein MacBook Air, die Bildqualität ist aber auffallend schlechter. Das Display spiegelt stärker und macht die Arbeit gerade bei hellem Sonnenlicht schwer. Bei den Icons in der Taskleiste und dem App Launcher lässt sich aufgrund der geringen Auflösung beinahe jedes einzelne Pixel erkennen. Und schaut man ganz genau hin, dann erkennt man auch das Gitternetzmuster des Displays. Dann allerdings erinnert man sich daran, was man eigentlich will und was man für das Gerät bezahlt: Das Toshiba Chromebook kostet mit 299 Euro nur rund ein Drittel dessen, was man für ein modern ausgestattetes Ultrabook bezahlen muss. Und da lässt sich der eine oder andere kleine Nachteil verschmerzen.

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Die Arbeit mit dem Chromebook ist durchaus möglich. Am Ende des ersten Arbeitstages stellte sich bei mir allenfalls eine Art Lock-in-Gefühl ein. Ich kam mir ein wenig eingesperrt vor, weil ich den ganzen Tag praktisch nur eine App benutzt habe. Auf dem Mac öffnet man verschiedene Software, hat mehr Auswahl und deswegen eher das Gefühl der Freiheit – selbst wenn sich dort 80 Prozent meiner Arbeitszeit auf den Chrome-Browser konzentrieren. Es dürfte eine Frage der Gewöhnung sein.

Als Zweitrechner ideal

Ich könnte mir nur schwer vorstellen, ganz und für immer auf meinen Mac zu verzichten, zu einem Chromebook zu wechseln und täglich damit zu arbeiten. Dafür würden mir auf lange Sicht doch die Vielfalt, die App-Auswahl und vielleicht auch die letzten 30 Prozent Zusatzgeschwindigkeit fehlen, die das MacBook dank der leichtergängigen Tastatur und des Prozessors bieten. Wer aber keine anspruchsvolle Software braucht, wer das Google-Universum liebt, wer damit überhaupt nur Zuhause nach der Arbeit ein bisschen ins Internet oder hin und wieder mal ein Schreiben aufsetzen will – der kann mit einem Chromebook für knapp 300 Euro glücklich werden, auch ohne tief in die Tasche greifen zu müssen.

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Das Toshiba Chromebook CB30-102 ist im Online-Shop von EURONICS erhältlich. Außerdem gibt es derzeit in der Google-Chromebook-Linie derzeit auch das Acer Chromebook C720P Touch und das HP Chromebook 14.

Wer keine Highend-Gamingmaschine und auch keinen Arbeitsrechner für Zuhause braucht, wer nur hin und wieder mal im Web surfen oder mal bei Facebook & Co. vorbeischauen will, für den kann ein Chromebook eine preiswerte Alternative sein.

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