Mac oder PC, Runde 10: Mit Betriebssystemen auf Augenhöhe kommt es endlich wieder auf die Hardware an

Streitet man sich heute in „religiösen“ Technikfragen, dann geht es eigentlich meist um Apple gegen Android statt um Mac gegen PC. Der simple Grund: Von Smartphones werden mittlerweile mehr verkauft. Smartphones und Tablets sind oft billiger und für viele ersetzen sie bereits einen PC. Wenn es aber doch mal einer sein muss, dann ist ein Faktor besonders entscheidend, der bald zu einem neuen Duell auf Augenhöhe führen dürfte.

Zum „wirklichen“ Arbeiten ist ein PC unentbehrlich

Die Post-PC-Welt mit Smartphones, Tablets und ihren bunten Apps ist schön. Mit den Geräten ist man auf Knopfdruck im Netz und kann entspannt unterwegs mal was nachgucken, während man sonst einen Laptop herauskramen müsste. Aber seien wir ehrlich: Wenn es darum geht, wirklich etwas zu arbeiten, einen lang Text zu schreiben, eine Präsentation zu erstellen, etwas zu programmieren, zu designen oder eine umfangreiche Tabellenkalkulation einzuarbeiten, dann führt an einem PC oder Laptop kein Weg vorbei.

Apple MacBook mit dem neuen Betriebssystem OS X El Capitan

Apple MacBook mit dem neuen Betriebssystem OS X El Capitan

MacBook Air wegen des Betriebssystems gewählt

Mein aktuelles Arbeitsgerät ist seit zwei Jahren ein Apple MacBook Air. Wenn mich jemand fragte, warum, dann musste ich die ersten Male kurz nachdenken. Heute kann ich direkt auf den mir wichtigsten Grund tippen: das Betriebssystem. Mac OS X ist für mich das System, das mir am logischsten und nutzerfreundlichsten erschien, bei dem ich mich selbst als am produktivsten sehe. Ich brauche kurze Wege von einem Fenster zum nächsten. Ich kann die Arbeitsoberfläche maßgeblich so gestalten, wie ich möchte. Es gibt tolle Apps, ich bin glücklich damit.

Ein Graus namens Windows 8

Ich habe zuvor mit Windows 7 auf einem PC gearbeitet und war damit recht zufrieden. Wenig später wollte ich mir ein Ultrabook kaufen. Aus Produktivitätsgründen und weil man es leicht überall mit hin nehmen kann. Dann kam Windows 8 und ich stellte nach einigen Wochen des Ausprobierens fest, dass das System nicht meins war. Die neuartigen Gesten machten mich nicht produktiver, das Hin- und Her zwischen den Vollbild-Apps und den zwei Welten kosteten mich Zeit, die bunte Kacheloberfläche kreischte zu sehr nach Aufmerksamkeit, als das sie mir dabei half, das zu erledigen, was ich wollte. Der Internet Explorer in der Kacheloberfläche beherrschte einige Techniken wie Flash und Java nicht. Wollte ich das nutzen, musste ich den Internet Explorer im herkömmlichen, als veraltet bezeichneten Desktop-Modus aufrufen. Welch ein Umweg!

Windows 8: Umstrittene, bunte Kachelwelt

Windows 8: Umstrittene, bunte Kachelwelt

Kurz: Ich wollte kein Ultrabook mit Windows 8 – obwohl mir die Hardware vieler der Geräte gefiel. Ultrabooks mit Windows 7 waren zu der Zeit schon größtenteils vom Markt genommen. Die Entscheidung wurde mir also leicht gemacht, mich für ein MacBook Air mit Mac OS X zu entscheiden. Trotz einiger Macken, die auch Mac OS X hat, habe ich die Wahl eigentlich nicht bereut.

Doch jetzt kommt Windows 10

Mittlerweile hat Microsoft eingesehen, dass Windows 8 ein Fehler war. Mit Windows 10 rudert man gleichermaßen ein Stück zurück, als dass man auch einen Schritt nach vorne geht. Aus den zwei Welten Desktop- und Kacheloberfläche wird nur noch eine. Das hilfreiche Startmenü kehrt zurück und integriert diesmal unterstützend das, was von der bunten Kacheloberfläche noch übrig bleibt. Die Suche wird direkt in die Taskleiste integriert, ein frischer, neuer Browser beerbt den verhassten Internet Explorer. Ich soll auf dem Desktop die gleichen Apps nutzen können wie auf einem Windows Phone, und dass Entwickler Apps aus iOS und Android mit ein paar Mausklicks zu Windows-Apps machen können, dürfte die Auswahl an wichtigen Apps im Vergleich zu Windows 8 und Windows Phone 8 mächtig erhöhen.

In einem englischen Wort: nice! Wenn Windows 10 am geplanten Starttermin (29. Juli) auch nur die Hälfte der Funktionen vom Fleck weg umsetzt, die Microsoft in Aussicht gestellt hat, dann hat das System die Chance, ein Riesending zu werden.

Fazit: Windows und Mac OS X treffen sich auf Augenhöhe

Und dann wäre auch das Rennen wieder eröffnet: Sobald Betriebssysteme und Nutzererfahrung von Windows und Mac OS X sich auf Augenhöhe treffen, dann kommt es wieder hauptsächlich auf die Hardware an. Welche Displays bieten das beste Bild, wer hat die leistungsfähigsten Prozessoren, welcher Akku hält am längsten durch, wo tippt es sich am schnellsten, wer versorgt den Nutzer mit allen notwendigen Anschlüssen?

Wird wieder besser: Windows 10

Wird wieder besser: Windows 10

Von einem starken Windows 10 können damit auch die darbenden PC-Hersteller von Asus über Dell bis zu Lenovo profitieren. Es sollte mich stark wundern, wenn PC-Verkäufe in diesem und im kommenden Jahr nicht einen deutlichen Sprung nach vorne machten!

Fußnoten, aber nicht unwichtige


1. Dass Tablets und Smartphones schlicht die leichteren Internet-Zugangsgeräte sind, ist im Prinzip auch nur ein Versäumnis der Laptop-Hersteller, die sich fast ausnahmslos weigern, ihre Geräte mit der Möglichkeit eines Always-on oder einem SIM-Karten-Slot auszustatten. Was heutigen Laptops sonst noch so alles fehlt, habe ich vor einiger Zeit einmal an dieser Stelle beschrieben.

2. Ich vergleiche hier nur Mac OS X mit Windows, sowie Android mit iOS, weil dies schlicht die wichtigsten Systeme im Consumer-Bereich sind und der Rest leider nur eine untergeordnete Rolle spielt. Um niemandem seiner Chance zu rauben, sei im Desktop-Bereich deswegen auf die vielen zahlreichen Linux-Distributionen hingewiesen, mit denen man ebenfalls PCs bestücken kann, als bekannteste wohl Ubuntu, Debian, OpenSuSe und Googles Chrome OS. Im mobilen Bereich gibt es ebenfalls weitere Vertreter wie Windows Phone (das mit dem Desktop-System zu Windows 10 zusammenfasst werden soll), Firefox OS, Blackberry 10, Sailfish OS, Samsungs Tizen und auch hier Ubuntu für Smartphones.

Google Nexus 9 mit Folio-Tastatur: Tablet oder Laptop?

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3. Am allerliebsten hätte ich ohnehin einen Laptop mit Android als Betriebssystem. Aber diesen Wunsch haben mir die Hersteller und auch Google mit einer nativen Anpassung des Systems bislang noch nicht wunschgemäß erfüllt (auch wenn es da von einigen Herstellern zaghafte, aber nicht besonders praxistaugliche Versuche gibt).

Bildquellen: Apple, Microsoft, Lenovo

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