Letzter Strohhalm? GMX und Web.de machen De-Mail kostenlos

Die De-Mail ist in Deutschland bislang nicht in die Gänge gekommen – nun macht einer der prominentesten Anbieter United Internet den Dienst für seine beiden Marken GMX und Web.de für alle Kunden kostenlos. Die vermeintlich sichere E-Mail-Alternative startet damit einen letzten Versuch, den Service doch noch unters Volk zu bringen.

Digitale Einschreiben bleiben kostenpflichtig

Der nun kostenlose Service umfasst die Basis-Version des Dienstes. Digitale Briefe lassen sich damit an offizielle Stellen versenden. GMX- und Web.de-Geschäftsführer Jan Oetjen stellte die kostenlose Variante in dieser Woche auf der Hightechmesse CeBIT in Hannover als „De-Mail-Flatrate“ vor. Die erlaubt das unbegrenzte Versenden von Nachrichten mit dem De-Mail-Protokoll. Sollten Nachrichten allerdings als eine Art Einschreiben aufgegeben werden, fallen weiterhin Kosten an. Bei Web.de etwa 78 Cent für die Variante „persönlich“ und 1,12 Euro für die Sicherheitsstufe „vertraulich“. Das wirkt nach wie vor altertümlich.

Altmodisches Konzept

Die De-Mail darf zum jetzigen Zeitpunkt getrost als Flop bezeichnet werden. Die Kommunikationsform sollte deutschlandweit der offizielle Nachfolger der Briefpost werden und eine rechtssichere Kommunikation mit Ämtern, Behörden oder sonstigen offiziellen Stellen ermöglichen. Durch die De-Mail sollte etwa offiziell bestätigt werden können, dass ein amtliches Schreiben auch eingetroffen ist und gelesen wird. Der Dienst geriet allerdings schnell in die Kritik durch löchrige Sicherheit, die Beschränkung auf den deutschen Raum und die Kopplung an deutsche Anbieter, während viele Internetnutzer ausländische E-Mail-Dienste wie GMail oder Outlook bevorzugen.

Deutsche Post kocht eigenes Süppchen

Laut Oetjen hat die De-Mail bei United Internet zu diesem Zeitpunkt immerhin rund 500.000 Nutzer. Mit der Kostenlosoption hofft man nun offenbar, den endgültigen Durchbruch zu schaffen – oder dem Dienst eine letzte Chance zu geben. Denn bei unveränderter Sicherheitsproblematik, weiterhin komplizierter Handhabung und nicht zuletzt auch keinem Zwang, den Dienst zu nutzen, dürften die Kunden nun immer noch nicht in Scharen zu möglichen De-Mail-Anbietern rennen, zu denen auch die Telekom zählt. Zu allem Überfluss will die Deutsche Post es außerdem noch einmal mit ihrer bislang ebenso wenig erfolgreichen De-Mail-Alternative, dem E-Postbrief, versuchen. In Form des E-Postscans soll Kunden auf Wunsch die gesamte Briefpost automatisch eingescannt werden.

Der Bedarf ist durchaus da

Für eine rechtlich und technisch sichere Zusatzoption zur E-Mail wäre in der Tat nach wie vor Bedarf. Auch auf nationaler Ebene könnte dies gelingen, auch wenn Deutschland gerade für einen nationalen Alleingang immer wieder kritisiert worden war. Eine wirklich sichere behördliche Mail könnte sich bei hinreichend leichter Handhabung etablieren, das Konzept dann in andere Länder exportiert werden. Die De-Mail taugt dafür allerdings nur wenig. Hier klang es von Anfang an nach dem zum Scheitern verurteilten Versuch einiger Dienste, mit einer bloßen Digitalisierung bestehender papierner Dienste auf Kosten argloser Bürger groß Kasse zu machen. Das musste ebenso scheitern wie in den 1980er Jahren der überteuerte deutsche Internet-Alleingang BTX.

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Ein Kommentar zu “Letzter Strohhalm? GMX und Web.de machen De-Mail kostenlos
  1. Habe immer noch nicht verstanden, wozu man so etwas brauchen soll. Warum kann ich nicht meine bestehende E-Mail-Adresse (z.B. von Gmail) bei den entsprechenden Ämtern autorisieren/verifizieren (o.ä.) und dann diese für die behördliche Kommunikation nutzen? Wäre wesentlich verbraucherfreundlicher.

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