Kommentar: Apple, bitte nachlegen!

Kommentar: Apple, bitte nachlegen!

Die Augen viele Notebook-Liebhaber schauen derzeit schmachtend in Richtung Taiwan. Das ist selten. Und noch erstaunlicher ist, dass das Objekt ihrer Begierde ein Gerät mit Googles Chrome OS ist. Denn das neue Acer Chromebook CB5-311 ist attraktiv: Quadcore-Prozessor, Full-HD-Display, 13 Stunden Akkulaufzeit, 1,7 Zentimeter dünn, ab 300 Euro – gut aussehen tut es auch noch. Apple sollte seine nächste Generation MacBook Air endlich auf die Höhe der Zeit bringen, um Laptop-Nutzer nicht zu verschrecken. So viel ist dazu gar nicht nötig.

Als Apple vergangenes Jahr im Sommer wie in jedem Jahr die neuen MacBooks Air vorstellte, dann gab es vielerorts lange Gesichter. Denn Apple hatte kaum etwas verändert: Die gleichen Displays, die gleichen Anschlüsse, weiterhin nur 4 GB RAM, kein neues Design, kein Touchscreen, noch nicht einmal ein neues Betriebssystem (OS X Mavericks kam erst ein paar Monate später), die neueste Chipgeneration von Intel, okay. Aber die verwendete die Windows-Konkurrenz bereits auch. Dafür gab es dieses eine schöne und höchst werbewirksame Detail: All-day Battery Life – ein Akku, der 12 Stunden und damit den ganzen Arbeitstag durchhält. Zusammen mit dem immer noch vorbildlichen Design und dem nach wie vor stimmigen Gesamtpaket aus Hard- und Software war das MacBook Air 2013 nach wie vor eine überzeugende Wahl – auch für diesen Autoren.

Apple_MacBookAir2013

Dann allerdings verwundert es schon, wie ein 300-Euro-Notebook dem dreimal so teuren MacBook Air mittlerweile in einigen Details den Rang ablaufen kann. Wir wollen nicht so weit gehen zu sagen, dass das neue Acer Chromebook im Gesamteindruck mit dem MacBook Air mithalten kann. Aber bei einigen Details zumindest fragt man sich schon, wie lange Apple noch darauf warten will. Die 12-Stunden-Akkulaufzeit wäre damals mit einem stärkeren Prozessor als dem Core i3 (seit dem Update im Frühling 2014 Core i5) und einem Full-HD-Display nicht möglich gewesen, hieß es von Apple.

Mit mehr Auflösung zwingend weniger Akkulaufzeit?

In der Zwischenzeit aber haben einige Ultrabook-Hersteller von Samsung über Toshiba bis Sony sehr wohl gezeigt, dass man Ähnliches mit stärkeren Prozessoren und höher auflösenden Displays bieten kann. Und nun kommt Acer sogar mit diesem Chromebook daher und bietet das Full-HD-Erlebnis mit einem 13-Stunden-Akku.

Acer_Chromebook_CB5-311

Wir wollen hier nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Das MacBook Air dürfte das Acer Chromebook in den meisten anderen Kategorien schlagen, und sei es bei der Auswahl an hochkarätigen Apps, bei der ein Chromebook Mac OS X und Windows 8.1 nicht viel entgegen zu setzen hat. Aber zwei oder eigentlich drei kleine Details sollten für ein Ultrabook im Jahre 2014 eigentlich zum Repertoire dazu gehören, weil sie einfach Sinn ergeben:

  1. Full-HD-Display: Ja, man mag darüber streiten, ob Displays mit QHD und Ultra HD wirklich schon notwendig sind. Aber Full HD ist es allemal – zumal selbst Apple jüngst dazu übergegangen ist, die HD-Option der meisten Kauf- und Leihvideos im iTunes Store von 720p auf 1080p zu erhöhen, also von HD-Ready auf Full HD. 1080p ist Standard für die meisten Camcorder, Smartphone-Kameras, auf YouTube, Vimeo und immer mehr Online-Videotheken. Die höhere Auflösung bietet mehr Details. Sie ist ein Stromfresser, klar, aber sie ist ein Erlebnis fürs Auge. Apple sollte hier nachziehen.
  2. Touchscreen: Trackpad und Maus, schön und gut. Aber in einer Welt, in der die Menschen seit mittlerweile einigen Jahren Touchscreens und die damit verbundenen Gesten von ihren Smartphones und Tablets gewohnt sind, vermisst man einige davon zunehmend auch auf dem MacBook. Beim entspannten Lesen eines Beitrags mal eben auf den Text tippen und den Bildausschnitt vergrößern. Bei Google Maps einfach auf den Bildschirm doppeltippen, um heranzuzoomen – derartige Gesten wünscht man sich auch auf einem Laptop. Nicht an Stelle eines Touchpads, aber zusätzlich.
  3. Mobilfunk-Variante: Was Tablets so schön praktisch macht: Man ist mit ihnen immer online, mit einem Mobilfunkchip auch unterwegs. Ein Klick und man ist im Netz. Ist man hingegen mit dem Laptop unterwegs, dann beginnt die Arbeit an einem anderen Ort außer dem Zuhause zunächst mit einer Frage: Wo kriege ich denn jetzt Internet her? Spekulationen gehen sogar so weit, dass die PC-Hersteller viele ihrer Probleme nicht hätten, wenn sie ihre Laptops, ebenso wie Tablets, schlicht in zwei Varianten anbieten würden: Mit Mobilfunkchip oder ohne, so dass man auf Wunsch auch mit einem Laptop immer online sein kann. Wenige Hersteller bieten diese Option, auch Apple nicht. Da aber Laptops und Tablets sich immer ähnlicher werden, sollten die Hersteller darüber nachdenken.

Apple wird die neueste Generation MacBooks Air voraussichtlich im September vorstellen, möglicherweise zeitgleich mit dem iPhone 6, das für den 9. September erwartet wird. Dann würden wir die obigen drei Optionen gerne in einem neuen Modell sehen.

Denn Apple braucht sich nach wie vor nicht vor der Konkurrenz zu verstecken. Besonders weit zurückfallen sollten die Kalifornier aber auch nicht. Schon gar nicht hinter den großen Konkurrenten Google und dessen Chromenbook-Linie, die gerade für Gelegenheits-Laptopnutzer immer interessanter wird.

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