Fünf Jahre Spotify: Ein Rückblick

Das britisch-schwedische Musikstartup Spotify feiert in dieser Woche seinen fünften Geburtstag und stellt passend dazu die zwölf meist gespielten Hits dieser Zeit vor. Darunter sind durchaus erstaunliche Songs wie der Dauerbrenner „Radioactive“ von Imagine Dragons und der Ohrwurm „Call me Maybe“ von Carly Rae Japsen. Macklemore & Ryan Lewis sind gleich mit zwei Hits dabei, ebenso wie Rihanna.

Spotify hat eine bemerkenswerte Geschichte hinter sich. Das Startup war nicht der erste Vertreter mit einer Musikflatrate für Zuhause oder unterwegs – Napster etwa war hier früher dran. Spotify war lediglich das erste Startup, das diese Flatrate auf dem iPhone salonfähig und so einfach wie iTunes machen wollte. Der Kreativen- und Startup-Szene gefiel vor allem die augenfreundliche App und der ansprechend gestaltete Player. Auch wenn Spotify noch heute in aller Munde ist, täuscht das nicht über Probleme des Unternehmens und der gesamten Musikindustrie hinweg.

Kritiker Thom Yorke

Denn zum einen entwickelt sich die Nutzerbasis für Webverhältnisse erstaunlich langsam. Neue Zahlen hat Spotify zwar nicht vorgelegt. Im März 2013 allerdings hatte man 24 Millionen aktive monatliche Nutzer weltweit bei 6 Millionen zahlenden Abonnenten. Mittlerweile ist Spotify in 32 Märkten aktiv, vor allem in europäischen Ländern, aber auch in den USA, Argentinien, Australien oder Malaysia. Es stehen über 20 Millionen Songs zur Verfügung, von denen 80 Prozent mindestens einmal angehört wurden. Die Nutzer haben mittlerweile 1 Milliarde Playlists erstellt, was allerdings keine besonders aussagekräftige Zahl ist. Über 500 Millionen US-Dollar an Tantiemen seien seit dem Start an Rechte-Inhaber ausbezahlt worden, berichtet Spotify.

Das klingt viel, ist allerdings eher mickrig im Vergleich zu den Einnahmen aus CD-Verkäufen, Downloads oder Konzerten. Immer wieder gerade in jüngerer Zeit gab es Beschwerden über mickrige Ausschüttungen an Künstler. Bands wie „The Black Keys“ wollten ihre neuesten Alben nicht auf Spotify sehen. Und vor allem Radiohead-Frontmann Thom Yorke – der zufälligerweise am gleichen Tag Geburtstag feiert – tat sich als Gegner des Unternehmens hervor und kritisierte Spotify und die Musiklabels erst vor wenigen Tagen wieder mit unflätigen Worten. In der Tat steht Spotify in der Kritik, den Musikmarkt nicht wirklich revolutioniert zu haben, sondern das Spiel der Musikindustrie, bei der die Künstler nur einen Bruchteil der Einnahmen erhalten, munter mitzuspielen.

Viele Mitspieler, wenig Nutzer

Und dann gibt es auch wirtschaftliche Bedenken gegen Spotifys Geschäftsmodell. Die teuren Ausschüttungen stehen trotz der ordentlichen Konversionsrate noch in keinem Verhältnis zu den wahrscheinlichen Einnahmen. Offizielle Finanzzahlen gibt Spotify hier nicht bekannt, Experten rechnen allerdings auch weiterhin mit roten Zahlen. Hinzu kommt Spotifys langsame Expansion: man tat sich sehr schwer damit, sich mit den Verwertungsgesellschaften in den USA und Deutschland zu einigen und startete deswegen sehr spät in diesen wichtigen Märkten. 24 Millionen aktive Nutzer nach fünf Jahren sind wenig im Vergleich zu Facebook, Twitter und Co.

Mittlerweile gibt es zahlreiche potente Mitspieler in diesem Geschäft mit Deezer und Rdio als den wohl bekanntesten. In Deutschland mischen unter anderem noch Simfy, Napster und Ampya als Einzelkämpfer in diesem Markt mit. Und auch die Großen wie Microsoft (Xbox Music) und Google (Play All Access) sind inzwischen mit ähnlichen Angeboten präsent. Spotify hat hier keinen entscheidenden Vorteil mehr, lebt vor allem von seinem guten Ruf und ist gerade noch nicht sehr erfolgreich bestrebt, das Angebot zu einem Social Music Network zu transformieren.

Spotify hat dennoch einen wichtigen Schritt getan: Das Unternehmen hat es für die Nutzer so einfach wie nie gemacht, die gewünschte Musik so oft und überall zu hören wo sie wollen und dabei neue Musik kennenzulernen. Und das alles in einem legalen, durchaus günstigen Angebot. Die Lösung aller Probleme von Musikindustrie und Künstlern bieten aber auch Spotify und Co. nicht. Dazu wären weitere Reformen oder gar eine Revolution notwendig.

Wie gefällt Dir dieser Beitrag?
Bewertung wird geladen …
Nichts mehr verpassen!

Bleib immer auf dem neuesten Stand mit unserem Newsletter! Täglich um 17:00 Uhr frisch in deinem Postfach.

Newsletter abonnierenRSS-Feed abonnieren
Schreibe einen Kommentar

Hinterlasse hier deinen persönlichen Kommentar. Wir freuen uns über deine Meinung.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

*