CrowPi 2 im Test: Lern-PC voller Wunder

Der Elecrow CrowPi 2 ist Raspberry-Pi-Laptop und Lerncomputer in einem. Im Test überzeugt uns das Gadget, erschlägt uns aber auch mit seiner enormen Vielfalt.

CrowPi 2 im Test: Lern-PC voller Wunder

Das Konzept hinter dem CrowPi 2 ist so einfach wie genial. Man nehme einen handelsüblichen Raspberry Pi, stecke ihn in ein mit Sensoren und Elektronikanschlüssen vollgestopftes Notebook-Gehäuse und packe über 80 Elektronikkurse und passende Bauteile bei, mit denen Schüler die wunderbare MINT-Welt kennenlernen.

Zwar löste der Raspberry Pi 4 vor zwei Jahren das Vollwert-PC-Versprechen ein und das All-in-One-Modell Pi 400 trieb diese Desktop-Bemühungen auf die Spitze. Aber was der Hersteller Elecrow mit dem CrowPi 2, ist nicht weniger als die konsequenteste Form eines Lerncomputers, der beides vereint: zum Lernen anzuregen und dabei »echter« Computer zu bleiben.

Vollgestopft mit High-Tech

Der CrowPi 2 vereint Singleboard-Computer und Experimentierbaukästen in einem Notebook-Gehäuse mit einem 11,6 Zoll kleinen Full-HD-Bildschirm. Klappt ihr das Gerät auf, sieht es daher aus wie ein gewöhnlicher 08/15-Mobilrechner. Entfernt ihr aber die magnetisch arretierte, deutsche QWERTZ-Tastatur, kommt ein umfangreich bestücktes Board zum Vorschein. Darauf finden sich gut strukturiert Breadboard und Pi Hat, diverse Sensoren, Knöpfe, Sekundär-Displays und Bedienelemente. Alle fein säuberlich vorinstalliert.

Die üppige Bestückung im Gehäuseinneren ist aber nicht alles, was der CrowPi 2 bietet. Elecrow packt viele, viele zusätzliche Bücher, Gadgets, Bauteile und Spielereien bei. Als das hier zu testen oder auch nur komplett aufzulisten, würden den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Lassen wir daher Fotos sprechen:

Das obige Foto-Trio zeigt das Advanced Kit, das wir jedem Neueinsteiger gegenüber der Basic-Variante empfehlen. Für einen Aufpreis legt Elecrow noch ein paar weitere Sensoren für Gas-, Puls- und Lage-Messungen, ein Retro-Pie-OS samt zwei SNES-Controllern bei und veredelt das Gesamtpaket mit einem Raspberry Pi 4B mit satten 8 Gigabyte. Ob Advanced oder Deluxe: Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist klasse und die Qualität aller Inhalte fast durchgehend sehr gut. Nur die Tastatur fällt etwas ab und gibt, ins Gerät eingesetzt, in der Mitte etwas zu sehr nach.

Installation und Stromversorgung

Nennt ihr bereits einen Raspberry Pi euer Eigen, könnt ihr ihn einfach im Basic oder Advanced Kit installieren. Kompatibel sind die 3er-Iterationen und die aktuelle Pi-4-Generation. Zur Installation müsst ihr lediglich die Klappe auf der Unterseite entfernen, den Raspberry Pi mit der mitgelieferten microSD-Karte bestücken und ihn einstecken. Dann schließt ihr die Klappe wieder – fertig!

Die Pi-Bucht ist sauber verarbeitet. Den Einplatinencomputer steckt ihr nur ein, verbindet zwei Kabel und packt den Deckel wieder drauf.

Die Inbetriebnahme wäre damit fast abgeschlossen. Um Maus und Tastatur zu nutzen, müsst ihr den im Lieferumfang enthaltenen Dongle in eine der USB-Buchsen setzen – ohne geht es nicht, obwohl der Pi 4 von Haus aus Bluetooth an Bord hat.

Fehlt nur noch der Strom, den ihr via Powerbank mit 3 Ampere oder über das mitgelieferte Netzteil ins Gerät führt. Der Betrieb über eine Powerbank ist für den Mobilbetrieb unerlässlich, denn einen eigenen Akku besitzt der CrowPi 2 nicht. Ein Makel im ansonsten so durchdachten Konzept. Die Elecrow-Ingenieure haben zwar eine entsprechende Powerbank-Bucht auf der Rückseite platziert. Die ist aber so knapp bemessen, dass eigentlich nur ein einziger Akku-Typ darin Platz findet. Diesen gibt es nicht auf dem freien Markt und Elecrow bietet ihn nicht zum separaten Erwerb.

Im Alltag haben wir die Lade zweckentfremdet und kleinere Bastel-Elektronik verstaut.

Lernen und Experimentieren im Fokus

Den On/Off-Knopf betätigt, startet das modifizierte Raspberry OS und überrascht mit einer aufgeräumten Kachel-Ansicht. Diese vereint vorinstallierte Projekte, Lernkurse, Klickschaltflächen zu den Programmierumgebungen Thonny Python und Scratch sowie den Modulen für AI-Spielereien, Microbit und Arduino.

Bevor ihr eines der Lernprogramme aufrufen könnt, fordert euch das Elecrow-System auf, ein lokales Nutzerkonto samt Passwort anzulegen. Eine Netzregistrierung ist nicht vonnöten, denn der Account dient nur dazu, euren Lernfortschritt festzuhalten.

So gut und durchdacht das System insgesamt ist – ein wenig Kritik haben wir aber doch. Die Schaltfläche „Projects“ verbirgt die vorgefertigten Programm-Demonstrationen und nicht etwa eigene Vorhaben. Das kann anfangs irritieren. Auch, dass sämtliche Ressourcen nur in englischer Sprache vorliegen, schafft eine Barriere bei allen, die dieser Fremdsprache nicht mächtig sind.

Wie lernt es sich mit CrowPi 2?

Habt ihr die überwunden, entdekt ihr viele Freuden. Die vorgefertigten Projekte sind ideal, um die einzelnen Baugruppen und vielfältigen Möglichkeiten kennenzulernen. Die Programmierlektionen setzen die so erworbenen Grundkenntnisse voraus, um selbst Sensoren anzusteuern und zu programmieren. Schade, dass die Routinen bei deftigen Schreib- und Syntaxfehlern nicht selbständig einschreiten. Absolviert ihr den Kurs aber in aller Ruhe und tippt behutsam, stellen sich schnell erste Erfolge ein.

Richtig cool sind die Minecraft-Kurse! Anhand des populären Klötzchenspiels lernen die Programmier-Neulinge, wie sie gezielt zu einem Ort gelangen, Blöcke und ganze Gebäude generieren – alles mit der Magie des Programmiercodes. Dem setzt der Kurs noch einen drauf, wenn die Kleinen die beigelegten NFC-Tags selbst mit Informationen bespielen und in Blöcken verstecken. Setzen sie diese dann auf den RFID-Reader, spawnen Gold, Holz oder Steine.

Code auf einen anfassbaren Gegenstand bannen und den dann wie durch Zauberhand ins Spiel zurückbringen? Das fetzt, macht Spaß und motiviert immer wieder.

Immer noch ein echter Pi

Wir erwähnten eingangs, dass der CrowPi 2 Lerncomputer und klassischen Pi vereint. Mit dem beherzten Klick auf das entsprechende Symbol landet ihr in der Raspberry-Pi-OS-Oberfläche und könnt das Gerät wie einen klassischen Laptop verwenden, um im Netz zu surfen, Dokumente zu schreiben oder Filme zu genießen. Die Power des Einplatinenrechners reicht dafür mehr als aus. Wollt ihr wieder in die Lern-Umgebung zurückspringen, klickt ihr einfach auf das bunte Smybol in der Taskleiste. Einfacher geht es nicht.

Im Alltagsgebrauch überzeugt der CrowPi 2 schon. Die 11,6 Zoll des Full-HD-Displays sind noch ausreichend groß, die Tastatur trotz schwammiger Mitte gut für längere Tipp-Sessions und die beiden unten verbauten Lautsprecher geben den Ton in passabler Qualität wieder. Zwei kleinere Mängel gibt es dennoch: Die Portabilität ist wegen des Akku-Problems eingeschränkt und der klein dimensionierte Lüfter viel zu laut. Hier hätten wir uns gewünscht, Elecrow wäre den gleichen Weg gegangen wie der Raspberry Pi 400, der einfach ein passives und damit geräuschloses Wärmeleitblech nutzt.

Spielbanause mit Retro-Hang

Bei Spielen wird es – zumindest unter Raspberry Pi OS – finster. Battle for Wesnoth, 0AD oder das Adventure Beneath A Steel Sky sind mit ein paar Befehlen installiert. Große Kracher gibt es aber nicht und die von Elecrow mitgelieferte Spieleauswahl entpuppt sich als Sammlung der Wireframe-Spielchen, die ihr in jeder der kostenlosen PDF-Ausgaben oder gedruckten Büchern selbständig aufsetzen könnt.

Elecrow bedient sich großzügig an den Wireframe-Codes, um ein paar einfache Spiele beilegen zu können.

Kauft ihr das Deluxe-Kit, sieht die Sache (etwas) anders aus. Auf der zweiten microSD-Karte findet ihr das bewährte Retropie. Ohne Spiele, die ihr extern zuladen müsst. Um den Einstieg zu erleichtern, schließt ihr einfach die beiden SNES-Gamepads an – den Rest hat Elecrow bereits konfiguriert. Für aufwendigere Plattformen wie PlayStation, N64, Dreamcast und PSP ist der Raspberry Pi 4 gewappnet, dann aber müsst ihr auf einen zeitgemäßen Controller wie den der Xbox Series setzen.

Fazit: Nah an der Perfektion

Der CrowPi 2 überzeugt als Lern- und Alltagscomputer in vielerlei Hinsicht. Das Konzept ist unfassbar gut durchdacht, toll verarbeitet und mit umfangreicher Software und riesigem Hardware-Inventar veredelt. Abzüge gibt es in der B-Note. Die Tastatur ist etwas lasch, die Lern-Oberfläche nur englischsprachig, die Portabilität wegen des fehlenden Akkus eingeschränkt. Das aber sind Kleinigkeiten, betrachtet man das große Ganze. Einen besseren Lerncomputer, der diesen Namen verdient, gab es bislang nicht!

Der bereits erschienene Elecrow CrowPi 2 ist in hellem Silber oder dunklem Grau erschienen. Die Basic-Version empfehlen wir nicht und raten mindestens zum Advanced Kit. Das kostet knapp 350 Euro. Das Deluxe Kit mit weiteren Sensoren und Raspberry Pi 4 mit 8 GB kostet um die 400 Euro. Beide Versionen gibt es derzeit nur bei Elecrow direkt.

close

Neue Beiträge abonnieren!

Täglich frisch um 17 Uhr im Postfach

Änderungen jederzeit über die Abo-Verwaltung möglich – weitere Themen verfügbar

Jetzt kommentieren!

Ein Kommentar zu “CrowPi 2 im Test: Lern-PC voller Wunder

Schreibe einen Kommentar

*
*
Bitte nimm Kenntnis von unseren Datenschutzhinweisen.