30 turbulente Jahre: Meine ganz persönliche Windows-Geschichte

30 turbulente Jahre: Meine ganz persönliche Windows-Geschichte

Microsoft pfiff es in dieser Woche selbst von den Dächern: Es sei nun 30 Jahre her, dass man den Mac kopiert Windows 1.0 ins Leben gerufen habe. 30 Jahre Windows also. Zeit, den ganzen Ärger, den man selbst mit Windows hatte, einmal Revue passieren zu lassen und festzustellen, dass es sooo schlimm auch wieder nicht war.

In den 80ern war das Rennen noch offen

Mittlerweile häuft es sich ein wenig mit den ganzen Geburtstagen. 30 Jahre „Zeitreisen“ feierten wir noch vor Kurzem. 30 Jahre Mac hieß es vor knapp zwei Jahren. Und war da nicht schon einmal etwas mit einem Windows-Jubiläum in diesem Jahr? Richtig: 20 Jahre Windows 95 sollten wir in diesem Sommer feiern. Während aber Windows 95 gefühlt sehr schnell an mir vorbei ging – wir rüsteten erst spät und dann nur kurzzeitig auf – kann ich zu Windows generell etwas mehr Leid klagen.

Ich kam in den späten 70ern zur Welt, mein erster Computer war ein Commodore 64. Er war ein Weihnachtsgeschenk, wenige Jahre nachdem Windows 1.0 erschienen war – was schon darauf hin deutet, dass das Rennen damals noch offen war. Apple, Commodore, Microsoft, IBM, sogar Xerox – viele Unternehmen und Lösungen mischten noch mit bei der Mission, jeden Haushalt mit einem Heimcomputer zu beglücken. Microsoft gewann aber schließlich das Rennen. Und als es Zeit war, die bessere Spielkonsole C64 gegen etwas Besseres zu tauschen, kam 1993 der erste PC in unser Haus – mit Windows 3.1.

Windows 3.0 – Anfang der 1990er Jahre beginnt Microsoft, die "Weltherrschaft in den Wohnzimmern" für sich zu entscheiden.
Windows 3.0 – Anfang der 1990er Jahre beginnt Microsoft, die „Weltherrschaft in den Wohnzimmern“ für sich zu entscheiden.

Fortan musste es alle paar Jahre ein neuer PC sein – der meist auch mit einem neuen Windows daher kam. Meinen ersten eigenen PC – abgesehen vom damaligen Familien-PC – kaufte ich mir 1999, damals mit Windows 98. Der Hass, der Microsoft damals entgegen schlug, war beachtlich. Windows 98 galt als instabil, schlecht programmiert; Microsoft-Gründer Bill Gates war bei vielen IT-Experten als der Teufel höchstpersönlich verschrieen. Echte Alternativen aber gab es nicht.

Windows 98: Verhasst und doch – mangels Alternative – millionenfach genutzt
Windows 98: Verhasst und doch – mangels Alternative – millionenfach genutzt

Rückblickend habe ich die Zeit mit Windows 98 gar nicht als so negativ in Erinnerung. Es überwiegen die positiven Gedanken, an der Kiste fleißig rumgeschraubt, Arbeitsspeicher aufgerüstet, viel Software ausprobiert und Stunden mit dem 56K-Modem die Telefonleitung blockiert zu haben. Mit den häufigen Systemabstürzen und schlecht programmierten Software-Tools hatte man sich irgendwann arrangiert. Windows ME übersprang ich aufgrund vernichtender Kritiken; statt dessen rüstete ich auf das stabilere Windows 2000 um. Den PC behielt ich fünf Jahre lang, bis ich ihn im Frühjahr 2004 durch meinen ersten Laptop ersetzte – damals mit Windows XP.

Plötzlich ist da dieses Internet: Windows 2000
Plötzlich ist da dieses Internet: Windows 2000

Auch da hatte sich Microsofts Ruf noch nicht verbessert. Windows XP: zwar besser als seine Vorgänger 98 und ME, aber Microsoft hatte mittlerweile den Unmut der Internetgemeinde auf sich gezogen. Den Browser-Krieg gegen Netscape hatte man gewonnen, und die ganze Welt musste mit dem unsäglichen Internet Explorer 6 durch die Welt surfen. Plötzlich begann sich Widerstand zu regen. Der Firefox erschien als Alternative, DSL erhielt in den meisten deutschen Haushalten Einzug und das Web 2.0 war geboren.

Windows 7 bis heute mein Favorit

Und plötzlich gab es Alternativen auch zu Windows. Apples Mac war seit dem Start von OS X und der iBook G4-Serie Ende 2003 zwar eine noch teure, aber echte Alternative geworden. Und ein Mark Shuttleworth strebte von London aus an, „ein Linux für menschliche Wesen“ in Millionen Haushalte zu bringen. Die erste stabile Version von Ubuntu erschien Ende 2004 und wurde von mir rege getestet.

Quietschebunt und doch beliebt: Windows XP war auf vielen Rechnern ein ganzes Jahrzehnt im Einsatz.
Quietschebunt und doch beliebt: Windows XP war auf vielen Rechnern ein ganzes Jahrzehnt im Einsatz.

Vielleicht hat es damit zu tun, dass ich Windows Vista übersprang und 2008 nach einem Laptop-Fehlkauf erstmals auf ein MacBook umstieg. Bis heute bin ich bei Mac OS X geblieben, aber auch Windows kreuzte noch mehrmals meinen Weg: In einem Büro, in das ich 2011 einstieg, war Windows 7 im Einsatz. Auch wenn mir Mac OS X etwas lieber war, kamen Windows 7 und ich nach einiger Zeit gut zurecht. Ich mochte die ruhige, zurückhaltende Art des Systems – ein zuverlässiger Wegbegleiter. Windows 7 ist bis heute mein liebstes Windows geblieben.

Windows 7: Mir als zurückhaltender, unermüdlicher, zuverlässiger Zeitgenosse in Erinnerung geblieben
Windows 7: Mir als zurückhaltender, unermüdlicher, zuverlässiger Zeitgenosse in Erinnerung geblieben

Ganz anders Windows 8, mit dem ich von Anfang an auf Kriegsfuß stand. Die hanebüchene Trennung der zwei Welten (Desktop und Modern) ärgerte mich bei jedem Laptop, den ich zum Testen bekam, ebenso wie auf meinem Zweit-Rechner. Das schnelle Booten immerhin hatte Microsoft Apple voraus. Aber ansonsten war ich froh, mich in dieser Zeit auf das fast schon langweilig anmutende Mac OS X verlassen zu können.

Mal Kacheln, mal Desktop: Windows 8 ist nicht meins geworden.
Mal Kacheln, mal Desktop: Windows 8 ist nicht meins geworden.

Und heute? Sieht alles wieder ganz anders aus. Microsoft hat ein schickes Windows 10 auf den Weg gebracht. Die Optik gefällt mir in den ersten Tests sehr gut. Dafür hat sich das System bereits jetzt den Ruf erarbeitet, neugierig zu sein und zu viel über den Nutzer wissen zu wollen. Aber darauf kommt es längst nicht mehr alleine an: Immer mehr Zeit verbringen wir mit mobilen Geräten, und da läuft Windows seit jeher unter ferner liefen.

Windows 10: Für mich Microsofts bester Ansatz seit Jahren
Windows 10: Für mich Microsofts bester Ansatz seit Jahren

Heute arbeite ich mit einen MacBook Air, verwende ein Android-Smartphone, hab erste Gehversuche mit Wearables hinter mir, just an diesem Wochenende meinen ersten alternativen Android-PC getestet (mein Wunsch ist nach wie vor ein Androidbook). Tablet-Laptop-Hybriden mit Windows, iOS oder auch Android sind in diesem Jahr der Hit. Google hat Microsoft mit der Lowcost-Laptop-Reihe Chromebooks ordentlich geärgert, von Zeit zu Zeit teste ich immer noch gerne mal eine Linux-Distribution. Und Windows 10? Ist in zwei Jahren, wenn ich mich wohl mal wieder nach neuer Hardware umschauen muss, ein ernstzunehmender Kandidat für das Betriebssystem meiner Wahl.

Windows 95-Werbung auf der CeBIT 95
Windows 95-Werbung auf der CeBIT 95

Microsoft hat es geschafft, seine Nutzer über die Jahrzehnte immer wieder zu verärgern und anschließend halbwegs zu versöhnen. 30 Jahre nach dem Start sind die meisten – teils gezwungenermaßen, teils freiwillig – immer noch dabei. Für eine Liebe zum großen MS ist es wahlweise viel zu spät oder noch zu früh. Aber ganz ohne Windows wären die aufregenden vergangenen 30 Jahre des IT-Zeitalters nicht zwingend schlechter, aber schlicht – langweiliger gewesen. Danke, Windows, für 30 turbulente Jahre!

Und was ist eure ganz persönliche Windows-Geschichte? Sagt es uns in den Kommentaren!

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